Coronavirus

Josef Wiederkehr: «Der Bundesrat hat unsere Forderungen speditiv in Gang gesetzt»

Im Limmattal (im Bild die Dietiker Silbern) kommen die bundesrätlichen Massnahmen gegen die Corinakrise gut an.

Im Limmattal (im Bild die Dietiker Silbern) kommen die bundesrätlichen Massnahmen gegen die Corinakrise gut an.

Limmattaler Unternehmer begrüssen die Unterstützung des Bundes und hoffen, dass Rechnungen nun konsequent schneller bezahlt werden.

Mit 42 Milliarden Franken will der Bundesrat der vom Coronanotstand stark betroffenen Schweizer Wirtschaft unter die Arme greifen. «Das ist eine Zahl mit starker Signalwirkung. Es ist wichtig, dass der Bund den Lead übernommen hat», sagt Andreas Geistlich, Verwaltungsratspräsident der Ed. Geistlich Söhne AG, Vorstand der Zürcher Handelskammer und FDP-Kantonsrat. «Es ist typisch schweizerisch: ein wohldosiertes Paket zum richtigen Zeitpunkt», ­ergänzt er. Gerade jetzt sei es entscheidend, dass der Bund unbürokratisch und schnell gehandelt habe, damit die Massnahmen bereits zur aktuellen Lohnrunde greifen können.

Am vergangenen Freitag verkündete der Bundesrat, wie er die Wirtschaftskrise abfedern will. Nur wenige Stunden zuvor verschickten diverse kantonale Vertreter von Klein- und Mittelunternehmen, darunter neben dem Schlieremer Geistlich weitere Limmattaler Unternehmer wie Nils Planzer, Josef Wiederkehr und Dietrich Pestalozzi, eine Mitteilung.

Darin forderten Sie zur sofortigen Unterstützung der Wirtschaft, eine Verlängerung der Fälligkeit der Mehrwertsteuer, staatliche Gewährleistungsgarantien für Kredite und dass die Rechnungen bei staatlichen Aufträgen schneller beglichen werden. Das Massnahmenpaket des Bundesrats beinhaltet diese Punkte und geht bei der Verschiebung von Steuern weiter (siehe «Limmattaler Zeitung» vom Samstag).

Kredite bringen grösste Entlastung

«Der Bundesrat hat schnell gehandelt und unsere Forderungen überlegt und speditiv in Gang gesetzt», sagt Josef Wiederkehr, Verwaltungsratspräsi­dent der Josef Wiederkehr AG und Präsident des Industrie- und Handelsvereins Dietikon. Die vorgesehenen 20 Milliarden Franken für Überbrückungskredite findet er besonders wichtig und dringend. «So kommen betroffene Firmen schnell zu Bankkrediten und können am Ende des Monats ihren Mitarbeitenden die Löhne bezahlen», sagt der Dietiker. Dies würde für viele Firmen bereits in dieser Lohnrunde eine grosse Entlastung bedeuten.

Seine Bauunternehmung habe finanziell noch einen Puffer, aber wenn plötzlich immer weniger Kunden zahlungsfähig wären, könne sich dies innert Monaten ändern. «Auch uns geben die angekündigten Massnahmen zusätzliche Sicherheit», so Wiederkehr. Es sei kaum abzuschätzen, wie viel die Krise insgesamt kosten werde. Aber mit der grossen Unterstützung habe der Bundesrat das wichtige Zeichen gesetzt, dass er einfach und schnell viele Mittel zur Verfügung stellen kann, sagt Wiederkehr.

Zumal Finanzminister Ueli Maurer bereits angekündigt habe, dass der Bund wenn nötig noch nachbessern könne. «Das hilft, die gewerblichen Strukturen zu erhalten, und schafft Vertrauen bei der Bevölkerung und besonders der Arbeitnehmerschaft», ergänzt Geistlich. Dieses Signal trage auch langfristig dazu bei, die Kaufkraft zu fördern, wenn die Wirtschaft nach Ausstehen der Krise wieder richtig anlaufe.

Kanton als wichtiges ­Bindeglied

Als Teil des Massnahmenpakets kündigte der Bundesrat auch an, dass die Eidgenossenschaft alle Rechnungen so schnell wie möglich auszahlen will, um die Liquidität der Lieferanten und Dienstleister zu stärken. Das werde in der Praxis noch nicht überall konsequent umgesetzt, sagt Wiederkehr. Gestern appellierte der Baumeisterverband Zürich und Schaffhausen in einer Mitteilung an alle staatlichen Empfänger von Bauleistungen, bezogene Leistungen fristgerecht zu bezahlen. 

Am Montag stimmt der Zürcher Kantonsrat in einer eigens dafür einberufenen Sitzung über die kantonalen Unterstützungsmassnahmen ab, die die Regierung letzten Donnerstag ankündigte. Kantonsrat Geistlich geht davon aus, dass das Geschäft durchgewunken wird. Das sei besonders wichtig, weil das kantonale Arbeitsamt ein wichtiges Bindeglied zwischen den Massnahmen auf Bundesebene und den einzelnen betroffenen Betrieben und Personen darstelle.

Aber auch Eigeninitiative sei gefordert, so Geistlich, der auch als Präsident der Schlieremer Wirtschaftskammer amtet. Zusammen mit Start Smart Schlieren, Pro Schlieren, Shopping Schlieren und Bio-Technopark sowie mit der Unterstützung der Standortförderung schaffe man eine gemeinsame Corona­virus-Anlaufstelle für Schlieremer Unternehmen.

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