Inteam
Toni – meine Erinnerungen an einen Handballer mit Leib und Seele

Das Limmattaler Handball-Urgestein Toni Lisibach ist kürzlich verstorben. Ich erinnere mich gerne zurück an Momente mit einem liebenswürdigen Menschen, der stets den Schalk im Nacken hatte.

Ruedi Burkart
Ruedi Burkart
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Toni Lisibach, verstorbene Handball-Legende aus dem Limmattal.

Toni Lisibach, verstorbene Handball-Legende aus dem Limmattal.

Ruedi Burkart

Erstmals in Kontakt mit ihm kam ich im Herbst 1993. Erst seit kurzem Sportredaktor beim damaligen «Limmattaler Tagblatt», machte ich mich auf in die Turnhalle, um ein Porträt über den damals 53-jährigen Toni Lisibach zu schreiben. Ob es in der Dietiker Stadthalle gewesen war oder in der Zentrumshalle in Urdorf, ich weiss es beim besten Willen nicht mehr. Sehr gut in Erinnerung geblieben ist mir hingegen, wie Toni Lisibach seine Kinder behandelte. Klar, es waren nicht «seine» Kinder, Lisibach leitete an jenem Abend ein Training seiner Handball-Junioren des HC Dietikon-Urdorf.

Sofort ist mir aufgefallen, mit welchem Engagement er zu Werke ging. Er war nicht laut, Gott bewahre, sondern konsequent in seinen Anweisungen und immer angenehm im Ton. «Wer in der Halle herumschreit, hat keine Argumente», sagte er mir nach Trainingsschluss mit einem Augenzwinkern. Besser könnte man den Charakter von Toni Lisibach wohl kaum beschreiben.

Erst wenige Monate waren an jenem Abend vergangen seit der geschichtsträchtigen Fusion des HC Dietikon und des HC Urdorf/Stapo im Frühling 1993. Ich war als Berichterstatter an vorderster Front dabei. Dieser Zusammenschluss hatte ziemlich viel Staub aufgewirbelt, vor allem die «alten Dietiker» standen dem neuen Konstrukt noch lange äusserst kritisch gegenüber. Später erfuhr ich, dass Toni Lisibach schon 1967 bei der Gründung des HC Chrüzacher dabei war, welcher ein Jahr später in HC Dietikon umbenannt wurde. Ob er nun Kids des HC Dietikon trainieren durfte oder ab 1993 jene des HC Dietikon-Urdorf – Toni Lisibach ging es immer um den Sport. Er lebte für den Handball.

Natürlich war Toni Lisibach auch jeweils im Herbst im HCDU-Juniorenlager anzutreffen. Für die «Limmattaler Zeitung» war ich ebenfalls immer wieder in Bütschwil und schrieb über das bunte Lagerleben. Einmal, es muss wohl 2007 gewesen sein, begleitete mich mein damals sechsjähriger Sohn Martin ins Toggenburg. Als uns Toni sah, kam er strahlend auf uns zu und teilte Martin – der vorher noch nie im Leben einen Handball in Händen gehalten hatte – in seine Trainingsgruppe ein. Toni warf ihm einen Ball zu, Martin warf diesen zurück – und Toni rief quer durch die Halle: «Wir haben einen Linkshänder!» Am Abend fuhren wir wieder zurück und mein Sohn sagte, bevor er müde vom Training zu schlafen begonnen hatte: «Das isch aber en liebe Maa gsi.»

Nach meinem Abschied von der LiZ-Sportredaktion habe ich Toni lange Jahre nicht mehr gesehen. Erst 2019 ergab sich die Gelegenheit wieder, als ich erneut im Lagerhaus in Bütschwil weilte, um einen Artikel für die LiZ zu verfassen. «Schau an, ein alter Bekannter kommt nach Hause», begrüsste mich Toni Lisibach im Essraum sitzend mit seinem typischen Lächeln. Letztes Jahr war es Toni vergönnt, nochmals mit «seinen» Kindern ins Juniorenlager zu gehen.

Kürzlich ist Toni Lisibach im Alter von 80 Jahren verstorben. Ich werde ihn in bester Erinnerung behalten.

Machs gut, «Mister Handball»!

In der Rubrik «Inteam» beleuchtet Ruedi Burkart künftig Denkwürdiges, Skurriles und Merkwürdiges aus dem Limmattaler Sportgeschehen.