Bergdietikon

«Ich traf per Zufall den Hauswart»: Warum die Firma Gribi von Schlieren nach Bergdietikon zog

René Schaffner, der Inhaber und Geschäftsführer der Gribi Hydraulics AG, erzählt, wieso seine Firma von Schlieren nach Bergdietikon zog, was er am neuen Standort schätzt und wo man seinen Produkten im Alltag begegnet. Die Firma feierte kürzlich ihren 50. Geburtstag.

Es gibt die Gribi Hydraulics AG nun bereits seit einem halben Jahrhundert. Was fasziniert Sie auch nach Dutzenden Jahren noch an Ihrem Arbeitsalltag mit Hydrauliksystemen?

René Schaffner: Es ist ein spannendes Arbeitsgebiet, das viele Leute gar nicht wahrnehmen. Man kann im Hintergrund Lösungen entwickeln und produzieren. Es ist einerseits die Faszination für Technik und andererseits kreiert man wirklich etwas. Wenn jemand auf der Bank ein paar Zahlen verschiebt, hat er vielleicht viel mehr Geld verdient, aber entwickelt hat er nichts.

Kürzlich fand nun Ihre Jubiläumsfeier statt. Sind Sie zufrieden?

Wir haben uns gut vorbereitet, um den Besuchern etwas zu bieten. Das bedeutet viel Arbeit und das schätzten die Leute.

War etwas herausragend?

Wir haben einen Rundgang organisiert, bei dem die Mitarbeiter präsentierten, was sie machen. Das kam extrem gut an. Die Wahrnehmung der Gäste war, dass wir motivierte und sehr freundliche Mitarbeiter haben. Diese konnten ihrerseits zeigen, was sie arbeiten. Das war speziell. Die meisten merkten, dass wir viel mehr machen, als sie dachten.

In welchen Alltagsgegenständen stecken Ihre Produkte?

Überall, beispielsweise genau in diesen PET-Flaschen, die da auf dem Tisch stehen: Es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass diese mit Hilfe unserer Hydraulik hergestellt wurden. Wir bauen hydraulische und pneumatische Anlagen, die mithelfen, solche Flaschen herzustellen. Man hat also viele Berührungspunkte mit unseren Produkten. Doch natürlich macht sich niemand Gedanken, woher eine solche PET-Flasche kommt.

Zurück zur Jubiläumsfeier. Sie feierten nicht nur das 50-Jahr-Jubiläum, sondern auch, dass sie nun ein Jahr im Bergdietiker Gebäude sind, wo früher die Firmen CCL und Tesa zu Hause waren. Warum sind Sie aus Schlieren weg- und hierhingezogen?

Mein Schwiegervater gründete das Unternehmen in Schlieren. Er fing ganz klein an, dann wuchs Gribi stetig. Wir waren dort seit längerem am Limit. So mieteten wir andere Räumlichkeiten dazu. Einmal traf ich dann per Zufall den ehemaligen Hauswart dieses Gebäudes und er erzählte mir, dass es verkauft wird. Daraufhin ging ich auf den Verkäufer zu. Das ist die kurze Version der Geschichte.

Mussten Sie nach dem Erwerb dieses Gebäudes noch vieles umbauen?

Ja, es gab einiges zum Verändern. Doch wenn man bauliche Massnahmen im grossen Stil hätte in Angriff nehmen müssen, hätten wir es nicht gekauft.

Wie reagierten Ihre rund 60 Mitarbeiter auf den Umzug?

Sehr gut. Und was ich sicher sagen kann ist, dass wir niemanden wegen dem Umzug verloren haben. Für manche gab es eine kleine Verlängerung des Arbeitsweges. Dafür haben wir nun aber deutlich mehr Raum und wir haben ein Personalrestaurant. Dafür hatten wir vorher keinen Platz.

Welchen Vorteil vom Standort Bergdietikon haben Sie?

Wir haben keinen direkten Vorteil. Wäre das Areal in Schlieren, hätten wir es auch genommen. Doch in der ganzen Gegend erhält man nirgends mehr ein solch grosses zusammenhängendes Areal. Das ist natürlich gut für uns, auch für die Ausbaufähigkeit. Zudem wohnte ich einmal in Bergdietikon, so war es für mich persönlich wie ein Heimkommen.

Profitiert Bergdietikon von Ihnen?

Bergdietikon ist eine kleine Gemeinde, das ist anders als in einer anonymen Stadt. Die Leute freuen sich, dass wir da sind. Mit uns haben sie ein Schweizer Unternehmen in ihrem Dorf. Soviel ich weiss, wären alternative Projekte für das Areal ein Einkaufszentrum oder ein Vergnügungspark gewesen. Von diesen waren die Anwohner vermutlich aber nicht so begeistert.

Man hört, dass viele Handwerkerberufe nicht mehr so beliebt sind. Haben Sie Mühe, Angestellte und Lehrlinge zu finden?

Nein, wir mussten unsere Lehrstellen nicht einmal inserieren. Wir bilden fünf Lehrlinge aus und erhalten im Moment mehr Anfragen, als wir bewältigen können. Mitarbeiter zu finden ist dagegen schwieriger. Wir sind am Wachsen und daher auf der Suche nach guten Fachleuten und gerade in technischen Berufen ist es schwer, gute Leute zu finden. Die Tendenz zu akademischen Abschlüssen ist zunehmend, denn viele denken, dass sie mit einem Studium bessergestellt sind. Doch das ist nicht wirklich der Fall.

Sie hatten die Gribi Hydraulics AG von Ihrem Schwiegervater übernommen ...

... was mir wichtig ist: Meine Frau und ich haben die Firma gekauft. Wir haben sie nicht geschenkt erhalten.

Was machen Sie als Inhaber und Geschäftsführer anders als Ihr Schwiegervater?

Er führte das Unternehmen patriarchisch. Er war im Zentrum und sagte, wie es läuft. Das war in dieser Zeit auch in Ordnung. Doch wenn man sich weiterentwickelt, muss man strukturieren. Das heisst Abteilungen und Abteilungsleiter einsetzen. Man muss den Betrieb verjüngen. Damals war es eine andere Zeit und es waren auch noch weniger Mitarbeiter angestellt. Als ich kam, waren es 19 Leute. Heute sind wir gegen 70 Leute. Allerdings hatten wir nie das Bedürfnis, einfach zu wachsen.

Trotzdem ist es passiert. Woher rührt der Erfolg?

Man muss sich mit dem Gebiet identifizieren und stetig nach Verbesserung streben.

Gibt es einen Hydraulik-Boom?

Nein, davon kann nicht die Rede sein. Hydraulik hat ganz klar Vorteile, besonders dort, wo viel Kraft dezentral gebraucht wird. Beispielsweise bei einem Bagger, da kann man es sich auch gut vorstellen. Doch sonst wird die Hydraulik an vielen Orten von elektrischen Antrieben ersetzt. Ich konnte aber einen wichtigen Anteil dazu leisten, dass wir ins Ausland expandierten und viele internationale Kunden überzeugen konnten.

Kommt es für Sie infrage, Ihre Produktion ebenfalls ins Ausland zu verlegen?

Ich werde immer wieder angefragt wegen diesem Thema. Es ist auch schwierig, gerade jetzt in der Euro-Krise. Denn 90 Prozent unserer Produkte gehen in den direkten oder indirekten Export. Das heisst, der Euro ist massgeblich für uns. Der einfachste Weg wäre somit, im Ausland zu produzieren. Aber ich versprach unseren Leuten, wenn wir als Team effizient arbeiten und gute Produkte entwickeln, dann verlagern wir unsere eigene Produktion nicht ins Ausland.

Was möchten Sie in den kommenden Jahren erreichen?

Unser Ziel ist, im Schweizer Hydraulik-Markt die Nummer eins zu werden. Das ist ein hohes Ziel. Zudem wollen wir uns weiterentwickeln, indem wir unser Angebotsspektrum kontinuierlich erweitern. Das ist das Schöne, wir machen keine klassischen Handelsprodukte. Unsere Produkte existieren in ihrer Form noch nicht, wir entwickeln sie.

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