Ein Rumäne, 28-jährig, von Beruf Eisenleger, ist angeklagt des versuchten Diebstahls und Hausfriedensbruchs. Wie schon bei den Untersuchungsbehörden, so weist er auch vor dem Bezirksgericht Dietikon jegliche Schuld weit von sich. Er sei im Januar dieses Jahres weder als Tourist noch – nein, schon gar nicht – in krimineller Absicht in die Schweiz gekommen. Vielmehr habe er hier nach Arbeit gesucht.

Der junge Mann äussert sich sehr wortreich. Die Übersetzerin hat viel zu tun, obwohl er – laut seiner Anwältin – recht gut Deutsch spricht, obendrein Italienisch, hatte er doch sowohl in Deutschland als auch in Italien gearbeitet. Seitdem ihm im letzten November die letzte Stelle in Mailand gekündigt worden war, ist er arbeitslos. Eben darum sei er Anfang Januar in unser Land gekommen. Hier sitzt er nun seit dem 21. März hinter Gittern.

Am 11. Februar waren einer Pflegerin im Alters- und Gesundheitszentrum in Dietikon zwei unbekannte Männer über den Weg gelaufen. Als die Frau die beiden ansprach, suchten sie das Weite.

Die Pflegerin, misstrauisch geworden, meldete ihre Beobachtung der Polizei. Wenig später waren den Beamten am Bahnhof Dietikon zwei Männer aufgefallen. Also nahmen sie deren Personalien auf und fotografierten die beiden mit deren Zustimmung. Später legten die Polizisten die Fotos besagter Pflegerin und zwei weiteren Mitarbeiterinnen des Altersheims vor. Alle drei Frauen waren mehr oder weniger sicher, auf den Bildern die beiden Eindringlinge wiedererkannt zu haben.

Sein Komplize hat andere Diebstähle schon gestanden

Fünf Wochen später waren sie – beides Rumänen – dingfest gemacht. Der eine, offenbar klein und rundlich, gestand einen Diebstahl in Winterthur und einen in St. Gallen. Das Strafverfahren gegen ihn ist hängig. Mit dem anderen – schlank, recht gross, kurzes schwarzes Haar – befasste sich diese Woche der Richter Bruno Amacker. Besagten Kumpel habe er zufällig im Hotel in Zürich kennen gelernt. Da auch jener auf Arbeitssuche war und bereits gewisse Beziehungen geknüpft hatte, hätten sie sich zusammengetan. «An jenem 11. Februar sollten wir in einem Café am Bahnhof Dietikon einen Vermittler treffen, aber der ist dann nicht gekommen.» Wieso wurden sie beide denn im Altersheim gesehen? «Ich kann gar nicht dort gewesen sein, weil ich ja nur am Bahnhof war.» Grundsätzlich sei er mit dem anderen Rumänen nur auf Jobsuche bei Baugeschäften unterwegs gewesen und da vor allem als Übersetzer. Er sei als Typ Mensch eher ein Einzelgänger, liess er übersetzen. Und: «Ich beschäftige mich weder mit Diebstählen noch mit Altersheimen».

Hunderte Altersheime im Suchverlauf

Allerdings sprechen das Vorleben des 28-Jährigen sowie die Auswertungen seiner Handy-Daten eine ganz andere Sprache. Im April, August und Oktober 2015 sowie im Oktober 2017 war der Rumäne in der Schweiz jeweils wegen Diebstahls und weiterer Delikte zu kurzen Freiheitsstrafen verurteilt worden. «Ja, ich erinnere mich. Aber solche Sachen mache ich inzwischen nicht mehr.» Eher seltsam fand Richter Amacker allerdings, dass auf dem Handy des Beschuldigten unter «Search» vorwiegend Altersheime und Alterswohnungen in den verschiedensten Schreibweisen eingegeben worden waren.«Insgesamt wurden diesbezüglich 910 Positionen gefunden, ferner rund 300 Sucheinträge von katholischen Kirchen im ganzen Kanton, aber kein einziger von einem Baugeschäft.» Zudem, so Amacker, seien auch mehrere Fotos von Schweizer Luxusuhren auf dem Handy.

Der Angeklagte kann sich das alles nicht erklären

Der Beschuldigte versicherte nachdrücklich, keinen blassen Schimmer zu haben, wie all dies auf sein Handy kam. «Ich habe kein solches Foto gemacht.» Nein, er habe sein Handy niemandem ausgeliehen und es gebe auch keine anderen Nutzer. So blieb die Handy-Auswertung als Wunder im Gerichtssaal stehen.

Dort stand auch – allerdings ganz und gar real – die Staatsanwältin mit ihrem Strafantrag: Der 28-Jährige sei mit sechs Monaten Freiheitsstrafe unbedingt und fünf Jahren Landesverweisung zu bestrafen. Der Betroffene wollte sich dazu nicht äussern. Seine Verteidigerin übernahm das vollumfänglich für ihn. Sie forderte einen Freispruch. So wie die Polizei vorgegangen war, sei absolut nicht statthaft: Den drei Pflegerinnen vom Altersheim einfach nur Fotos von zwei Männern vorlegen, statt einer Auswahl, aus denen die Zeuginnen hätten auswählen müssen, welche zwei sie gesehen hatten, sei nicht korrekt: «Eine suggestivere Vorgehensweise ist schwer vorstellbar.» Überdies seien die Frauen mit ihren Aussagen nicht sehr sicher gewesen.

«Zweifellos in unlauterer Absicht gekommen»

Richter Bruno Amacker hatte allerdings keinerlei Zweifel an der Schuld des Rumänen. Die Beweismittel seien durchaus verwertbar, die Aussagen der Zeuginnen übereinstimmend und die Handy-Auswertungen eindeutig. Der Mann sei zweifellos in unlauterer Absicht in die Schweiz gekommen. Und: «Alte Menschen ihres Schmucks und damit ihrer Erinnerung berauben zu wollen, ist äusserst verwerflich und bedarf einer härteren Sanktion.» Neun Monate Freiheitsstrafe und acht Jahre Landesverweis lautet denn auch das Urteil.