Schulsport
"Handball in die Köpfe kriegen": Wie der Dietiker Simon Schelling Kinder für seinen Sport begeistert

Der Dietiker Simon Schelling unterrichtet Handball in Schulen, um die Sportart populärer zu machen. Grund dafür ist das schweizweite Projekt "Handball macht Schule".

Michel Sutter
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Mit vollem Engagement in der Turnhalle des Schulhauses: Simon Schelling (im roten T-Shirt) hat Spass daran, Kinder zu unterrichten.

Mit vollem Engagement in der Turnhalle des Schulhauses: Simon Schelling (im roten T-Shirt) hat Spass daran, Kinder zu unterrichten.

Michel Sutter

Das Kreischen in der Turnhalle des Schulhauses Weihermatt in Urdorf an diesem Morgen ist ohrenbetäubend. Die Schülerinnen und Schüler der fünften Klasse stehen in zwei Gruppen aufgeteilt auf jeweils einer Seite der Halle und versuchen, den schweren Medizinball zu treffen, der auf der Höhe der Hallenmitte liegt – und das mit Handbällen.

Auch der Dietiker Simon Schelling hat sich zur einen Kindergruppe gesellt und zielt auf den Medizinball. «Gar nicht so einfach», meint der Torhüter des Nationalliga-A-Vereins Grasshoppers Zürich. Mit der Mehrzahl seiner Versuche scheitert er. Dafür treffen einige der Kinder und schaffen es so, den Medizinball auf die andere Seite zu bugsieren.

Schweizweites Projekt

Schelling hat in dieser ersten Schulstunde des Tages ausnahmsweise die Leitung der Klasse übernommen. Grund dafür ist das schweizweite Projekt «Handball macht Schule», das darauf abzielt, Handball wieder vermehrt in den Schulsport zu bringen. Dieses koordiniert Schelling zusammen mit Martin Lehmann, selber regionaler Verbands-Koordinator für das Projekt, Organisator von Handball-Schülerturnieren und Sportlehrer an der Kantonsschule Limmattal. Seit Oktober leitet Schelling zudem den Bereich Kinderhandball beim HC Dietikon-Urdorf.

"Fussball hat eine riesige Medienpräsenz und Handball fast gar keine."

Simon Schelling

Schellings Engagement für den Nachwuchs kommt nicht von ungefähr. Der Handballsport hat es neben dem Fussball als grösstes Zugpferd bei den Mannschaftssportarten schwierig. «Fussball hat eine riesige Medienpräsenz und Handball fast gar keine», sagt Schelling. Das zeigt sich auch an diesem Morgen, an dem einige Knaben mit Trikots ihrer Lieblingsfussballvereine und -spieler auflaufen. «Unser Anspruch ist es, den Kindern zu zeigen, dass Handball cool ist und sie dafür zu begeistern», so der Profi.

Seit zwei Jahren unterwegs

Die Klasse im Schulhaus Weihermatt ist nicht die erste, die Schelling unterrichtet. Seit zwei Jahren besuchen er und weitere ausgebildete Botschafter regelmässig Kinder zwischen der dritten und sechsten Klasse, um ihnen den Handballsport näher zu bringen. Mittlerweile erteilt er 15 solcher Lektionen pro Jahr. «Die Zahl hat zugenommen, was sicherlich auch damit zusammenhängt, dass gerade die Lehrpersonen unser Engagement schätzen. Nicht zuletzt unterstützen wir sie mit nützlichen Demolektionen auch für die Zeit danach», sagt der GC-Torhüter.

Nichtsdestotrotz passt er die Lektionen der jeweiligen Schulklasse an. «Einige Kinder sind sehr unruhig, andere das Gegenteil», so Schelling. «Daher stelle ich mich individuell auf jede Klasse ein, es läuft keine Stunde genau gleich ab. Ich habe auch kein Programm, das ich abspule.» Schliesslich seien auch die sportlichen Fertigkeiten bei jeder Klasse anders – unabhängig vom Alter. «Ich hatte schon junge Schülerinnen und Schüler, die sehr gut spielen konnten, und ältere, die mehr Mühe hatten», sagt Schelling.

Handball in die Köpfe der Kinder kriegen

Wie viele der Schulkinder sich später tatsächlich einem Verein anschliessen, ist statistisch nicht erfasst, soll aber im Zuge einer regelmässigen Leistungsüberprüfung der verschiedenen Schulaktivitäten zukünftig ausgewertet werden. «Wir müssen zuerst Handball in die Köpfe der Kinder kriegen», sagt Schelling. «Dann werden einige vielleicht eines Tages einem Verein beitreten. Und je mehr Kinder das machen, desto ausgedehnter wird die Breite im Nachwuchs.» Gerade für regionale Vereine wie den HC Dietikon-Urdorf, den HC Limmat sowie die TV Schlieren Handballsektion sei es schwierig, gute Nachwuchsspieler zu finden. «Wir müssen wieder in der Breite gut sein, so können die Abgänge von Spielerinnen und Spielern mit Spitzensport-Ambitionen verkraftet werden», so Schelling.

Die Handballlektion ist mittlerweile fast vorbei, als die Kinder in zwei Gruppen sich noch ein kleines Freundschaftsspiel liefern. Nach ein paar Minuten, in denen die Nachwuchssportlerinnen und -sportler noch etwas zaghaft gespielt und kaum Tore erzielt haben, greift Schelling ein, erklärt ein paar Spielzüge und lässt weiterspielen. Und siehe da: Die Schülerinnen und Schüler rennen plötzlich engagiert auf und ab, spielen einander den Ball zu, versuchen, möglichst oft aufs gegnerische Tor zu schiessen und jubeln oder raufen sich die Haare, je nachdem, ob sie einen Treffer erzielt haben oder nicht.

Schellings Plan, das Interesse der Kinder zu wecken, ist aufgegangen. Als er zum Schluss seine Schützlinge fragt, ob ihnen die Turnstunde gefallen hat, schallt jedenfalls ein dutzendfaches, überzeugtes «Ja» durch die Halle. Und auch Lehrerin Seiler ist zufrieden. «Ich kann das nur weiterempfehlen», sagt sie. Gut möglich, dass Schelling wieder einmal ins Schulhaus Weihermatt kommt und eine Klasse unterrichtet.

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