Dietikon
Gutscheine statt subventionierte Krippenplätze? Stadtrat lehnt Systemwechsel ab

Das bisherige System habe sich bewährt, sagt der Dietiker Stadtrat in der Antwort auf einen Vorstoss. Er hält an seinem Finanzierungsmodell für vorschulische Betreuungsangebote fest.

Oliver Graf
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Die Stadt Dietikon subventioniert bisher nur Dietiker Krippen. (Symbolbild)

Die Stadt Dietikon subventioniert bisher nur Dietiker Krippen. (Symbolbild)

Keystone/DPA/Monika Skolimowska

Der Stadtrat will weiterhin mit den einzelnen Anbietern von Kinderkrippen und Kinderhorten sowie der Tagesfamilienorganisation Leistungsvereinbarungen treffen. Dabei wird er auch weiterhin festlegen, wie gross der Anteil an subventionierten Krippenplätzen ist. Die Kitas stellen den Eltern den festgelegten einkommensabhängigen Elternbeitrag in Rechnung. Die Stadtverwaltung richtet die für die einzelnen Eltern berechneten Subventionsbeiträge direkt an die Kitas aus.

SP-Gemeinderätin Kerstin Camenisch hatte nun in einem Postulat einen Systemwechsel angeregt. Die Stadt Dietikon soll nicht mehr länger eine bestimmte Zahl von Krippenplätzen subventionieren, sondern Betreuungsgutscheine abgeben: So bliebe die Gesamtsumme der Subventionen nicht länger plafoniert, sondern es liesse sich eine dem Bedarf entsprechende Unterstützung erreichen. Heute hätten Eltern keine freie Auswahl bei den Angeboten, hatte Camenisch unter anderem vorgebracht. Mit Betreuungsgutscheinen erhielten sie hingegen die Möglichkeit, «ihre Kinder in eine für sie gut erreichbare Kinderkrippe zu bringen, ohne dass sie um die wenigen sub­ventionierten Plätze kämpfen müssen».

Der Stadtrat sieht dies anders: «Die Eltern haben schon heute die freie Wahl der Betreuungsart bei Kinderbetreuungseinrichtungen mit Standort Dietikon», hält er fest. Es seien mit allen in Dietikon tätigen Anbietern Leistungsvereinbarungen abgeschlossen worden. Zudem würden die vereinbarten Kontingente an subventionsberechtigen Betreuungstagen laufend angepasst. «Das Ziel des Stadtrates ist es, immer ein bedarfsgerechtes Betreuungsangebot anzustreben.» Sowohl Krippenplätze als auch Hortplätze seien in den vergangenen Jahren ausgebaut worden. In seiner Antwort weist der Stadtrat auch darauf hin, dass im Budget 2021 der Betrag für die vorschulische Betreuung wegen der starken Nachfrage um 100'000 Franken auf 1,6 Millionen Franken erhöht wurde. Der SP war dies zu wenig. Sie hatte in der Budgetdebatte zusätzliche 200'000 Franken gefordert, blieb mit ihrem Antrag aber in der ­Minderheit.

Stadtrat fürchtet höheren Verwaltungsaufwand und Benachteiligung wirtschaftlich schwacher Eltern

Würde zu Betreuungsgutscheinen gewechselt, sieht der Stadtrat insbesondere zwei Nachteile. Er geht einerseits davon aus, dass dies zu einem höheren Verwaltungsaufwand führen würde. Andererseits verweist er auf Erfahrungen der Stadt Luzern, wonach gerade Eltern in wirtschaftlich schwierigen Verhältnissen benachteiligt werden könnten. Denn beim aktuellen Dietiker Modell ist der maximale Preis für subventionsberechtigte Plätze vorgegeben (einkommensabhängiger Tarif plus Subvention). Beim Gutscheinmodell könnten die Anbieter den Preis selber festlegen. Trotz Gutschein müssten Eltern dann allenfalls höhere Preise zahlen. «Es ist undenkbar, dass die Stadt den einkommensabhängigen Tarif bis zum Preis der Anbieter kompensiert», schreibt der Stadtrat.

Deshalb will der Dietiker Stadtrat an seinem bisherigen Modell festhalten. Er zeigt sich aber gegenüber einer gewissen Öffnung offen: Er sei bereit, «die Subventionierung von ­Betreuungsverhältnissen von steuerpflichtigen Dietiker Eltern in Kinderkrippen ausserhalb von Dietikon zu prüfen».