Dietikon

Gegen «Bau-Irrsinn» auf Kronenareal: Gemeinderat lehnt Millionen-Chindsgi im Alten Bauamt ab

Kein Geld für eine Sanierung, kein Chindsgi, keine Wohnungen: Das Projekt für das historische Gebäude scheitert.

Kein Geld für eine Sanierung, kein Chindsgi, keine Wohnungen: Das Projekt für das historische Gebäude scheitert.

Das Dietiker Parlament sagt mit einer Stimme Unterschied Nein zum Kredit in der Höhe von über vier Millionen Franken.

Markus Erni nimmt kein Blatt vor den Mund. «Der Bau-Irrsinn des Dietiker Hochbauamts wird mit diesem Kreditantrag auf eine neue Höhe von Absurditäten gehievt», sagte der SVP-­Gemeinderat in der Debatte zum 4,063-Millionen-Franken- Kredit für das alte Bauamt. Das Parlament hatte darüber zu befinden, ob es so viel Geld bewilligen will, damit das alte Bauamt auf dem Kronenareal saniert und umgebaut werden kann. Geplant war, dass dort ein Chindsgi entsteht sowie zwei Wohnungen, die die Stadt vermieten könnte. Mit dem Projekt könnte die Stadt den 1778 erstellten Bau erhalten, der sich heute in einem schlechten Zustand, aber im kommunalen ­Inventar der schützenswerten Bauten befindet. Erni ging ausgiebig auf die Geschichte mit den Abrissplänen auf dem Kronenareal ein. Er nannte es ein «Drama». «2010 waren wir uns alle einig, dass das alte Bauamt zu Gunsten eines Neubaus hätte abgerissen werden sollen. Irgendwann hat aber in der Hochbauabteilung ein Virus angefangen zu wüten. Das Virus heisst Denkmalschutz.» Er kritisierte, dass plötzlich viel Geld ausgegeben werden soll, um ein Gebäude zu erhalten, das man einst abreissen wollte. Das liess Manuel Peer (SP) so nicht stehen. «Es war ein Stadtrat mit drei SVPlern und einem FDPler, der dieses Haus dermassen hat verlottern lassen. Ja, die Vorlage ist relativ teuer und man könnte das Haus abreissen. Aber dann verliert Dietikon ein Stück von sich selber, ein Stück Identität.»

Neben der SVP sprach sich auch die FDP klar gegen das Projekt aus. «Die Nutzung des Gebäudes als Kindergarten wäre super», sagte Michael ­Se­grada. Aber das sei alles, was an diesem Projekt gut sei. «Die Kosten laufen bei diesem Projekt aus dem Ruder», hielt er fest – ehe er den Bogen schlug zur Zehntenscheune: «Es wäre vielleicht sinnvoller, den Kindergarten dorthin zu verlegen.»

16 Nein, 15 Ja und 2 Enthaltungen

Neben dem Widerstand von rechts gab es auch solchen von links. Nur weil man das alte Bauamt sanieren müsse, sei das noch kein Argument dafür, den Kindergarten darin einzurichten, machte Beat Hess (Grüne) klar. Aus der Mitte war Unterstützung für das Projekt zu vernehmen, wenn auch mit Zähneknirschen in unterschiedlicher Lautstärke. «Das alte Bauamt hat einen historischen Wert für Dietikon. Unter dem Strich finden wir, dass sich die Investition lohnt», sagte Nadine Burtscher (EVP). Und Martin Christen (CVP) sprach sich ebenfalls für ein Ja aus, damit das alte Bauamt saniert werden kann. Mit 16 Nein- zu 15 Ja-Stimmen bei 2 Enthaltungen erlitt das Projekt aber Schiffbruch.

Wie es nun mit dem alten Bauamt weitergeht, wird sich erst noch zeigen. Wird das alte Bauamt bald aus dem Inventar schützenswerter Bauten entlassen? Was würde der Kanton sagen? Dringend ist vor allem die Frage, was der Entscheid für die Schulraumplanung heisst. Geplant war, dass das Volk Ende November über den Umbau des Alten Bauamts abstimmt und die Kinder ab Sommer 2022 dort in den Chindsgi gehen.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1