Unterengstringen
Für Jackie Rubi war es Liebe auf den ersten Ton

Nach 20 Jahren läutet die Gründerin und Inhaberin Jackie Rubi die letzte Konzertsaison im Orgelsurium ein. Die MusicStar-Gewinnerin Carmen Fenk ist heute auf der Bühne des Orgelmuseums zu erleben.

Daniel Diriwächter
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Orgelsurium
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zvg Ein Blick in die Spielstätte des Orgelsuriums in Unterengstringen.
zvg Das Orgelsurium von Jackie Rubi besteht seit 20 Jahren. Nun beginnt die letzte Konzertsaison.
zvg Mehr als dreissig elektronische Orgeln hat Jackie Rubi gesammelt.
zvg Die Schweizer Musikerin, Sängerin und Songschreiberin Carmen Fenk bestreitet das Eröffnungskonzert der letzten Saison.

Orgelsurium

Limmattaler Zeitung

Für Jackie Rubi, Gründerin und Inhaberin des Orgelsuriums in Unterengstringen, ist es ein besonderer Tag: Der Startschuss zur letzten Konzertsaison fällt heute. In den 20 Jahren seines Bestehens avancierte das Museum zur beliebten Spielstätte vieler Musiker von nah und fern.

«Der Aufwand, um ein musikalisches Programm auf die Beine zu stellen, wurde von Jahr zu Jahr grösser», sagt sie. Nicht, dass sie diesen je gescheut habe, doch nun werde es Zeit, sich auf andere Dinge zu konzentrieren. «Schliesslich soll man gehen, wenn es am schönsten ist.»

Rubi darf stolz auf die vergangenen zwei Jahrzehnte sein. Und sie ist bis heute etwas erstaunt, dass ihr Vorhaben, elektronische Orgeln zu würdigen, eine Erfolgsgeschichte ist. «Es hat sich alles einfach ergeben», sagt die 62-Jährige.

Schon als Kind hat es ihr das Instrument angetan. «Ich hörte damals die immer gleiche Schallplatte: Hammond Rhythmen mit Benny Johnson.» Es war Liebe auf den ersten Ton. Deshalb lernte sie die Hammond Orgel zu spielen. Musik sollte fortan zum Lebensinhalt von Rubi werden. «Dabei war meine Familie völlig unmusikalisch.»

Vom Laden zum Museum

Bereits 1979 gründete sie die Musik Günthart AG, um Instrumente zu verkaufen. Später ging daraus die gleichnamige Musikschule hervor. Ihre Kunden konnten dort auch alte Hammond-Orgeln eintauschen. «Ich brachte es nie übers Herz, diese weiterzuverkaufen oder gar zu entsorgen», so Rubi.

Mit der Zeit lebte sie zwischen so vielen Tasten, dass sie sich entschied, die Orgeln auszustellen. Mit den entsprechenden Bewilligungen der Gemeinde Unterengstringen mietete sie 1998 direkt beim Ladenlokal einen Lagerraum, den sie mit viel Handarbeit salonfähig machte. Es war die Geburtsstunde des Orgelsuriums. «Heute besitze ich über dreissig Hammond Orgeln und nicht alle finden im Museum einen Platz.»

Doch beim Museum alleine sollte es nicht bleiben. Nicht nur, dass dieses schnell zum Forum für Musikliebhaber avancierte, Rubi und ihr Mann Hermann begannen noch im selben Jahr, ein eigenes musikalisches Programm auf die Beine zu stellen. Das damalige Eröffnungskonzert lockte zahlreiche Besucher an. Da für einen Konzertbetrieb auch eine Bar unerlässlich war, wurde eine solche in das Museum integriert. Eine kleine Küche kam ebenfalls zum Einsatz, und bald mussten einige Orgeln den Tischen weichen, um die Gäste nebst der Musik mit kulinarischen Leckerbissen zu verwöhnen.

Um die finanzielle Sicherstellung zu garantieren, rief Rubi 2005 den Verein «Musik im Orgelsurium» ins Leben. «Den Wandel in der Musikbrache erlebten wir mit, und es wurde mit den Jahren nicht leichter, den Betrieb mit den Konzerten zu bewältigen.»
Dabei waren die Musikabende stets gut besucht. Künstlerinnen und Künstler schätzen die Bühne, die Rubi ihnen bietet. «Ich bin in der Branche mittlerweile sehr gut vernetzt. Manchmal reicht eine SMS aus, um einen Musiker zu engagieren», so Rubi. Es sei diese Unkompliziertheit, gepaart mit dem Orgelsurium, die geschätzt werde.

Eine begehrte Bühne

Auch Carmen Fenk, erste Gewinnerin der Schweizer Castingshow «MusicStar», die sich fest in der Musikszene etablierte, zeigt sich begeistert. Die Sängerin bestreitet heute das erste Konzert der neuen – und letzten – Saison. «Das Orgelsurium ist ein Ort, von dem man geradezu träumt, dort zu spielen», sagt Fenk gegenüber der Limmattaler Zeitung. Speziell für das Konzert kreierte sie mit ihrer Band ein eigenes, akustisches Programm.

Für Rubi beginnt nun ein Jahr des Abschieds. Obwohl sie sich auf die Zeit danach freut, schwingt doch etwas Wehmut mit. «Es ist schade, dass heutzutage die elektronischen Orgeln nicht mehr gefördert werden.» Sie ist nun auf der Suche nach jemandem, der die Sammlung übernehmen kann und die vielen Instrumente auch ausstellen möchte. «Es ist ein Stück Musikgeschichte, das man erhalten sollte», sagt Rubi. Ganz wird sie sich aus dem Musikgeschäft aber nicht zurückziehen, denn obwohl das Orgelsurium bald die Tore schliesst, bleibt das Kerngeschäft, die Musikschule, weiterhin bestehen.

Die Schweizer Musikerin, Sängerin und Songschreiberin Carmen Fenk tritt heute Abend mit ihrer Band im Orgelsurium auf. Sie wird Songs aus ihrer aktuellen EP «Leaves and Branches» und dem letzten Album «Eleven» spielen. Das Konzert beginnt um 20 Uhr. Der Abend ist der Auftakt zu einer ganzen Reihe an Konzerten in dieser Saison. Es wird empfohlen, den Vorverkauf zu benützen (www.orgelsurium.ch) und für das Essen zu reservieren.

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