Dietikon

Fernwärme im Limmattal auf dem Vormarsch: Limeco rüstet auf für eisige Wintertage

Blick in den Abfall-Bunker: Über 90000 Tonnen verbrennt die Limeco pro Jahr. Doch was, wenn es einen Ausfall gibt?

Blick in den Abfall-Bunker: Über 90000 Tonnen verbrennt die Limeco pro Jahr. Doch was, wenn es einen Ausfall gibt?

Die Limeco verkauft immer mehr Wärme aus der Kehrichtverbrennung. Falls diese mal ausfällt, soll bald ein mit Gas betriebener Heisswasserkessel mit 33 Meter hohem Kamin einspringen und die Wärmeversorgung garantieren.

Die vergangenen frostigen Nächte haben einmal mehr gezeigt, wie wertvoll wohlige Wärme im trauten Heim ist, aus welchem Energieträger sie auch immer gespiesen wird. Am häufigsten sind gemäss Zahlen des Bundesamts für Statistik Heizöl, Gas, Wärmepumpe, Holz und Strom (in dieser Reihenfolge).

Dahinter folgt die Fernwärme. Sie ist stark auf dem Vormarsch, besonders im Limmattal, wo die Limeco als Betreiberin der Dietiker Kehrichtverwertungsanlage (KVA) immer mehr Gebäude beliefert. Und damit ihren Wirkungsgrad erhöht. Denn nur etwas mehr als die Hälfte der Energie, die die Verbrennung von jährlich rund 93 000 Tonnen Kehricht erzeugt, kann die Limeco nutzen. Der Rest verpufft in der Atmosphäre.

Damit sich der Wirkungsgrad, in diesem Fall Energienettokoeffizient genannt, erhöht, baut die Limeco ihre Fernwärme-Leitungen aus. An einem verschneiten Januartag im Jahr 2017 feierte sie den Spatenstich an der Dietiker Gjuchstrasse.

Häuser, Gewerbeliegenschaften, zahlreiche Gebäude werden angeschlossen. Die Kundenzahl nimmt zu, die Limeco verkauft mehr Wärme und der Energienettokoeffizient steigt. Lag dieser vor dem Fernwärme-Ausbau noch bei 54 Prozent, ist er inzwischen bei 58 Prozent angelangt.

Das freut die Limeco, wird aber auch zu einer Herausforderung. Je mehr Lieferverträge sie hat, desto schwieriger kann die Aufgabe werden, dem Limmattal wohlige Wärme zu garantieren, wenn die Kehrichtverbrennung mal ausfällt oder an einem bitterkalten Wintertag. Zwar hat die Limeco zwei Hilfsdampfkessel, die mit Öl Wärme erzeugen und je 10 Megawatt Leistung haben.

«Doch diese kommen angesichts des grossen Fernwärmeausbaus an bitterkalten Tagen an ihre Leistungsgrenzen», sagt Tobias Wildi, Leiter thermische Verwertung der Limeco. Und: «Der kommende Winter könnte der erste sein, bei dem die Kehrichtverwertung an bitterkalten Tagen nicht mehr als alleiniger Energielieferant reicht.»

Für die Zukunft muss also was Besseres her. Zurzeit liegt im Bausekretariat der Stadt Dietikon das Baugesuch auf (siehe Limmattaler Zeitung vom 25. April). Darin ist von der Erstellung eines Heisswasserkessels mit 20 Megawatt Leistung und einem 33 Meter hohen Kamin die Rede. Zum Vergleich: Der von Weitem sichtbare Kamin der KVA ist mehr als zweieinhalb mal so hoch, misst er doch 86 Meter.

Wie Tobias Wildi von der Limeco auf Anfrage sagt, soll die neue Anlage auf einem Teil des ehemaligen Kompostierplatzes entstehen und nordwestlich an die KVA angebaut werden. Der neue Heisswasserkessel funktioniert mit Öl und Gas, soll aber hauptsächlich mit Gas betrieben werden. «Dies führt zu weniger Emissionen», erklärt Wildi.

Zudem kann so auch ökologisches Gas genutzt werden. So plant die Limeco bekanntlich schon länger eine Power-to-Gas-Anlage, die mit elektrischer Energie Wasserstoff herstellt und diesen zusammen mit dem CO2 aus dem Klärgas der Abwasserreinigungsanlage in Biogas umwandelt.

Dieses Gas, das die Limeco ins Gasnetz einspeisen wird, wird sie natürlich auch selber verwenden können. Die neue Gasleitung von der KVA unter der Limmat hindurch auf die rechte Talseite, wo sich die grosse Erdgas-Transportleitung befindet, wird demnächst fertig.

Einer der beiden alten mit Öl betriebenen Hilfsdampfkessel wird entfernt, der andere bleibt bestehen. «In besonders seltenen Fällen könnte auch er in Zukunft zum Einsatz kommen. Zudem ist er nötig, um die KVA zu starten, zum Beispiel nach einer Revision», erklärt Wildi.

Das Projekt kostet rund zwei Millionen Franken. Etwa in fünf Jahren soll dann ein zweiter gasbetriebener Heisswasserkessel mit 20 Megawatt Leistung gebaut werden. Dieser wird dann nochmals mit rund zwei Millionen Franken zu Buche schlagen, braucht aber keinen eigenen Kamin, sondern kann über den gleichen laufen wie der jetzt geplante.

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