Dietikon
«Es war immer mein Bubentraum»: Das Gleis 21 wird nach langer Pause neueröffnet

Der neue «Gleis 21»-Geschäftsführer Michael Minder gewährt zur Wiedereröffnung einen Blick hinter die Kulissen. Neu hat das Bistro sogar eigenes Glacé im Angebot.

Florian Schmitz
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Viele der Möbel im «Gleis 21» hat Michael Minder selbst besorgt.

Viele der Möbel im «Gleis 21» hat Michael Minder selbst besorgt.

Alex Spichale

«Alle haben mir gesagt, dass ich hier am richtigen Ort bin. Weil ich genau das leben will, was das ‹Gleis 21› repräsentiert», sagt Michael Minder. Unter seiner Leitung wird das Kulturlokal inklusive Bistro am Bahnhof Dietikon am Dienstag wiedereröffnet. Er freue sich, die ursprüngliche Vision des «Gleis 21» als vielfältiger kultureller und gastronomischer Begegnungsort zu leben. «Ich bin einer, der gerne Vieles verbindet», sagt er.

Auf den ersten Blick haben sich im weiterhin im Brockenhaus-Stil eingerichteten Lokal vor allem Details verändert. In der liebevoll eingerichteten Tee-Ecke können Gäste sich neu selbst einen Tee zubereiten. Ein alter Spielautomat aus den 1980er-­Jahren lässt die Herzen nostalgischer Computerspieler höherschlagen. «Als Kinder sind wir im Dorf nachmittags immer ins Pub gegangen, um dort am Spielkasten zu gamen», erinnert sich der in Turbenthal aufgewachsene Minder.

Hinter den Kulissen habe sich viel verändert, sagt er. Dazu gehört etwa die stark ausgebaute und umstrukturierte Küche. Die über Mittag angebotenen Menüs – jeweils eines mit Fleisch oder Fisch und ein vegetarisches – sind vielfältig und oft mediterran inspiriert. Mit leicht über 20 Franken für ein Mittagsessen mit Vorspeise gehört das «Gleis 21» nicht zu den günstigsten Angeboten im Dietiker Zentrum. «Mir war aber wichtig, dass wir möglichst viel selbst herstellen und vor allem frische Produkte aus der Region nutzen», sagt der 40-Jährige.

Mit Boogie Woogie, Akrobatik und Lachern durch den Herbst

Noch vor der offiziellen Eröffnung am 25. August beginnt die neue Saison im «Gleis 21» diesen Samstag mit dem Theatertag (die «Limmattaler Zeitung» berichtete). Das Programm für die nächsten Monate besticht durch einen vielfältigen Mix aus Musik, Comedy, Akrobatik sowie Theater und hält einige Höhepunkte parat.

So wird Komikerin Anet Corti am 19. September ihr viertes Soloprogramm als frühe Try-out-Version aufführen. Am 20. November tritt der bekannte Singer/Songwriter James Gruntz solo am Klavier auf.

Am 3. Oktober bleibt kein Bein still, wenn die Piano Connection zum 40-Jahr-Jubiläum das Publikum mit ihrem Boogie Woogie begeistert. Am 17. Oktober wird im «Gleis 21» auch erstmals gejasst. Künftig soll der Halbmarathon im Einzelschieber viermal jährlich stattfinden.

Vom 24. Oktober bis 1. November präsentiert der Fotoklub Dietikon eine Jubiläumsausstellung zum 95. Geburtstag. Verschiedene Anlässe sollen zudem als Livestream übertragen werden, für alle die nicht teilnehmen können. (flo)

Auch eigens fürs «Gleis 21» produziertes Glacé befindet sich im Sortiment. Der Kaffee kommt vom lokalen Caffè Ferrari und kann vor Ort auch gleich für den Heim­gebrauch erworben werden. «Wenn Gästen ein Produkt gefällt, soll es auch über die Gasse kaufbar sein», sagt Minder. In der Region seien viele nachhaltige Lebensmittelproduzenten tätig, mit denen er sich weitere Kooperationen vorstellen könne. Weil Bistro und Kultur nicht mehr getrennt sind, wird der Veranstaltungsraum auch als Teil des Bistros genutzt.

Neben seinem Fokus auf zwischenmenschliche Beziehungen will Minder im «Gleis 21» auch immer wieder überraschen und Kontraste schaffen. «Ich fände es toll, wenn das Duo Lapsus auch mal den Mittagsservice übernimmt.»

Schon länger mit dem ­Kulturlokal verbunden

Minders Verbindung zum «Gleis 21» reicht bis vor die Eröffnung des Kulturlokals im Januar 2019 zurück. Als Eventleiter beim Arche Brockenhaus in Zürich Altstetten lernte er im Herbst 2018 Christian Höhener, eine Hälfte des Duos Lapsus und «Gleis 21»-­­Vorstandsmitglied, kennen. So kam es, dass er im Januar 2019 mit zwei Lastwagen voller Brockenhaus-Möbel in Dietikon vorfuhr, um das «Gleis 21» mit einzurichten.

Höhener war es auch, der Minder dazu überredete, sich für die Geschäftsführung zu bewerben. Als er im Herbst 2019 die Zusage erhielt, sei er überglücklich, aber zunächst auch etwas überfordert gewesen. Dann sei ihm schnell klar geworden, dass er sich in dieses Abenteuer stürzen will. «Es war immer mein Bubentraum, mal ein Restaurant zu führen», sagt Minder, der im Juni seine langjährige Partnerin heiratete. Sie wohnen zusammen mit ihrer 9-jährigen Tochter in Zürich Wollishofen.

In seinem Leben habe er sich oft treiben lassen und sei dann immer wieder am richtigen Ort gelandet, sagt der gelernte Maurer und Quereinsteiger, der auch schon als Schuhverkäufer, Rollladenmonteur, in der Plakatwerbung und für die Post arbeitete. Dies sei wieder der Fall: Nur schon die sensationelle Unterstützung vom Vorstand, um die Wiedereröffnung vorzubereiten, habe ihm dies gezeigt. Jetzt freue er sich auf den Start. Er sei zwar kein Mann für langfristige Businesspläne. Aber: «Wenn mein Konzept funktioniert, kann es gut sein, dass ich auch in 20 Jahren noch hier bin.»

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