Mein Ding

Er wartet auf das gelbe Gold – für Ernst Karbe sind die Bienen wie seine Kinder

Ernst Karbe aus Unterengstringen besitzt eine Million Haustierchen. Er scheut sich auch nicht, die stachligen Insekten zu streicheln.

Normalerweise tätschelt man den Hinterleib von Bienen nicht freiwillig. Ernst Karbe aus Unterengstringen tut es aber doch. Er nähert sich seinen Insekten ohne Zögern und streichelt sie sanft über den Rücken. «Ich sehe sofort, ob es meinen Tierchen gut geht oder nicht und wenn sie zufrieden sind, dann bin ich es auch», sagt er. Insgesamt gehören ihm 26 Bienenvölker. Die Magazine sind auf zwei Standorte in Unterengstringen verteilt. Beim dritten Standort in Pfäffikon wird ein Bienenhaus mit Schweizerkästen genutzt.
Seine Bienen schwärmen beispielsweise im Schrebergarten im Haggenacher in Unterengstringen aus. In den Sommermonaten sind in einem Volk bis zu 45 000 Exemplare anzutreffen. «Bei dieser Anzahl ist es schwierig, die Königin ausfindig zu machen», sagt Karbe. Insgesamt kommen in einem durchschnittlichen Jahr zehn bis zwölf Kilogramm Honig pro Bienenvolk zusammen. Für den Imker bedeutet dies, dass er mehrere Tage lang mit schleudern, abfüllen, beschriften, schrubben und abwaschen beschäftigt ist. «Die ganze Wohnung duftet nach Honig und wir müssen die Fenster schliessen, weil andere Bienen angezogen werden», sagt seine Partnerin Arianna Schaffner. Den Waschraum könne sie in dieser Zeit nicht benutzen.
Mit einem Augenzwinkern stellt sie den Aufwand ihres Partners bisweilen auch in Frage. Die Arbeit gehe auch unter dem Jahr nie aus, sagt Karbe. Es gilt die Wabenrähmchen anzufertigen, die Magazine zu reinigen und nach dem Rechten zu sehen. «Ich musste kürzlich ein unruhiges Bienenvolk zum anderen Standort im Dorf zügeln», sagt er.

Der Wunsch, Imker zu sein, kam mit der Pensionierung

Seiner Leidenschaft geht Karbe seit 2016 nach. «Ich habe nach der Pensionierung eine Liste erstellt, was ich gerne machen möchte.» Die Tabelle sei lang geworden. Mittlerweile bleibe nicht viel Zeit übrig; sein liebstes Hobby erfordere Einsatz. Auf die ersten obligatorischen Kurse folgten Weiterbildungen.
Ferien in den Monaten April bis Juni seien ausgeschlossen. «Die Bienen sind wie meine Kinder», sagt er. Er habe bereits mehrere Fotobücher angefertigt und Imker zu sein, sei seine Berufung. Heute gehört er drei Vereinen an. Er kümmere sich auch um Jungvölker, die noch keinen Honig abgeben. Im Moment versuche er zudem, mit alternativen Methoden die Varroa­milbe zu bekämpfen. «Diese Milbe ist ein Bienenparasit und wird normalerweise mit Ameisensäure bekämpft», sagt er. Dadurch würden aber mindestens die Hälfte der Bienen sterben. Das wolle er verhindern.

Der Sommerhonig kommt bald auf den Markt

Der Honiggeschmack schreckt Arianna Schaffner nach all den Jahren nicht ab. «Drei bis vier Mal in der Woche nehme ich sicher», sagt sie. Und Karbe hat den ultimativen Tipp für einen Energieschub: «Wenn man den Espresso mit Honig versüsst, dann ist man sofort hellwach», sagt er. Nachdem er im vergangenen Jahr wegen zu vielen Regentagen und kalten Mainächten kaum Honig schleudern konnte, sieht er dieser Tätigkeit nun freudig entgegen. «Viele Imker beginnen mit der Ernte Mitte Juli», sagt er. Es sei ein gutes Jahr. Die Arbeit beginne auch für ihn zwei Wochen vorher. «Wir sind pensioniert, aber Zeit haben wir wirklich keine.» Am 2. August beginnt Karbe, das gelbe Gold zu schleudern.

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