Urdorf

Er bringt Frösche sicher über die Strasse — die Tiere haben nun nur noch gegen das Wetter anzukämpfen

Urs Hilfiker kümmert sich seit 15 Jahren um die Amphibienzugstelle beim Rückhaltebecken in Urdorf. 50 bis 250 Tiere fallen jährlich in die Eimer beim 250 Meter langen Zaun entlang der Birmensdorferstrasse.

Ein Teichhuhn ruft aus dem dicht mit Schilf und Rohrkolben bewachsenen Weiher. Der Verkehr auf der Birmensdorferstrasse rauscht am Rückhaltebecken Urdorf vorbei. Ausgerüstet mit einem gelben Warnschutzpullover und einem grünen Eimer steht Urs Hilfiker vor dem Gewässer. «So hier bist du sicher», sagt der Urdorfer und legt eine Erdkröte behutsam ins Wasser. Schnell verschwindet der kleine Lurch im seichten Tümpel. «Es ist faszinierend, dass sie immer dort hin zurückfinden, wo sie geboren wurden», sagt Hilfiker. Die Amphibien seien der beste Beleg dafür, dass das Leben im Wasser beginne.

An diesem Morgen entlässt Hilfiker insgesamt acht Bergmolche, drei Erdkröten und einen Grasfrosch wieder in die Freiheit. Die Tiere fielen auf der anderen Strassenseite beim Waldstück Gmeindrüti in die Eimer, die entlang eines Amphibien-Zauns in den Boden eingelassen wurden. Eine Massnahme, um sicherzustellen, dass die Amphibien während der Laichzeit wohlbehalten im Teich im Rückhaltebecken ankommen. «Ich kann mich noch erinnern, dass bereits bevor die Autobahn hier vorbeiführte, auf der Birmensdorferstrasse ein richtiges Amphibien-Massaker stattfand», sagt Hilfiker. Hunderte Tiere seien tot gefahren worden. Um sich fortzupflanzen, wandern Amphibien jedes Jahr zwischen Februar und April von ihrem Winterquartier zu Gewässern. Der Weg zur Geburts- und Laichstätte ist oftmals von Strassen zerschnitten.

Amphibien wandern am liebsten, wenn es nass ist

Hilfiker kümmert sich seit 15 Jahren um die Zugstelle neben der viel befahrenen Strecke. Ein Natur- und Tierfreund ist er schon seit vier Jahrzehnten. So lange setzt er sich im Natur- und Vogelschutzverein Urdorf für Flora und Fauna ein, 20 Jahre lang präsidierte er ihn. Derzeit ist er für den Verein noch als Exkursionsleiter tätig. Von einem Vereinskollegen übernahm er die Betreuung der Zugstelle.

Jeden Morgen zwischen 7 und 8 Uhr läuft er die 250 Meter lange Strecke ab, sammelt die Tiere in einem Eimer und trägt sie über die Strasse zum Teich. «Aufgrund der warmen Temperaturen haben sich bereits einige auf den Weg gemacht, weil der Boden nicht mehr kalt ist. Am liebsten wandern die Tiere, wenn es regnet», sagt der 64-Jährige. In den kommenden Tagen rechnet Hilfiker deswegen mit leeren Eimern. Die Temperaturen sinken wieder nahe an den Gefrierpunkt. Für Lurche eine grosse Belastung, weiss Hilfiker. «Das ständige Auf und Ab des Wetters tut ihnen nicht gut.» Die Körpertemperatur von Amphibien entspreche der Umgebung. «In der kalten Jahreszeit verharren sie in einer Winterstarre. Wenn es warm wird, fahren sie die Körperfunktionen hoch. Wenn sie dauernd hoch und runterfahren müssen, bedeutet das ein riesiger Energieverlust, der tödlich enden kann.»

50 bis 250 Tiere landen jährlich in den Eimern

Abgesehen vom unbeständigen Wetter gehe es den Tieren in Urdorf aber gut. «Letztes Jahr fand ich insgesamt neun Fadenmolche, eine Seltenheit.» Hilfiker hält die Zahl der Amphibien fest und übermittelt sie der kantonalen Naturschutzfachstelle, die auch die Zäune aufstellen lässt. Zwischen 50 bis 250 Tiere zählt er jeweils pro Jahr. «Die Population schwankt sehr. Nicht nur das Wetter, sondern auch Krankheiten und natürliche Fressfeinde spielen eine Rolle.» Bei der Rückwanderung in den Wald brauchen die Tiere seine Hilfe nicht mehr. «Ich finde fast nie tote Tiere, der Weg zurück stellt kein Problem dar.» Hilfikers Einsatz für die Lurche beschränkt sich aber nicht nur auf die Zäune. Er konnte nun sogar bewirken, dass der Kanton eine Fallrille bei der Zufahrt zur Notunterkunft errichten wird, welche die Amphibien-Zäune durchbricht. Eine solche existiert bereits ein paar Meter entfernt bei der Waldstrasse. In dieser werden die Tiere zu den Zäunen geleitet. «So können wir das Risiko, dass sie überfahren werden, total ausschliessen.»

Autor

Sibylle Egloff

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