Eishockey
EHC Urdorf zählt punkto Nachwuchsarbeit zu den besten Klubs der Schweiz

Der EHC Urdorf ist laut Eishockeyverband der neunbeste Klub der Schweiz, was die Nachwuchsarbeit betrifft. Nebst einem Diplom gibts dafür auch einen hohen vierstelligen Geldbetrag.

Ruedi Burkart
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Philipp Bräker vom Eishockeyverband übergibt Roger Müller vom EHC Urdorf das Diplom.

Philipp Bräker vom Eishockeyverband übergibt Roger Müller vom EHC Urdorf das Diplom.

zvg

Der grosse SCB aus der Bundesstadt auf Rang 1, dahinter Klubs wie Ambri-Piotta, Lugano und Biel – und auf Platz 9 der 3.-Liga-Verein EHC Urdorf. Tönt irgendwie surreal, ist aber seit ein paar Tagen Tatsache. Weil die «Stiere» seit Jahren viel Zeit, Geld und Herzblut in die Förderung von jungen Eis­hockeyanern investieren, wurden sie von offizieller Seite für ihr Engagement in der Saison 2019/20 aus­gezeichnet. Als neuntbester ­Verein des ganzen Landes im sogenannten Erfassungslabel des Schweizer Eishockeyverbands. ­Das Ziel des Labels ist es, die kleinsten Eishockeyspielerinnen und -spieler kinder-, stufen- und sportartgerecht zu fördern.

«Wir haben uns schon ein paar Mal beworben, haben seitenweise Unterlagen eingereicht. Jetzt hat es geklappt. Das freut uns natürlich ungemein. Wir haben grossen Profiklubs die Stirn bieten können», sagt Urdorfs Vereinspräsident Daniel Bucher auf Anfrage.

Neben einer Urkunde zum Aufhängen gibt es auch einen finanziellen Beitrag des Eishockeyverbands. Laut Bucher handelt es sich um «eine hohe vierstellige Summe, welche wir direkt in unsere Nachwuchs­kasse fliessen lassen.» So re­investiert der Club das Geld direkt in die Urdorfer Hockeykids.

Die «Stiere» mussten
20 Kriterien erfüllen

Erfahren haben die Limmattaler die freudige Botschaft von Philipp Bräker, einem Delegierten des Eishockeyverbands, der ­offiziell Swiss Ice Hockey ­Federation (SIHF) heisst. «Trotz der ganzen Corona-­Thematik liess es sich Bräker nicht ­nehmen, bei uns in Urdorf ­vorbei zu schauen, um die ­Urkunde persönlich zu über­geben», freut sich Bucher. Seit gut einer Woche ist der EHC Urdorf im Besitze des Papiers.

Die U11-Junioren des EHC-Urdorf im Training.

Die U11-Junioren des EHC-Urdorf im Training.

Ruedi Burkart

Schön und gut, aber weshalb sind die Limmattaler nun tatsächlich ausgezeichnet worden? Was wurde benotet, was machen die Urdorfer besser als so mach anderer Eishockeyklub im Land? Reto Barbarits, seit 2018 Juniorenchef auf der Weihermatt, gibt Auskunft: «Wer sich um eine Auszeichnung im Erfassungslabel bewirbt, muss 20 Kriterien erfüllen. Welche Diplome haben die Trainer und Coaches, welche Spezialtrainings werden für die Kinder angeboten, kann der Verein Leihausrüstungen zur Verfügung stellen – solche Sachen.»

Gesammelt, zusammengestellt und eingereicht wurden die verlangten Unterlagen von Roger Müller, dem Head Erfassungslabel des EHC Urdorf. «Roger hat eine grosse Arbeit geleistet. Auch ihm gehört unser Dank», so Vereinspräsident Bucher.

Ein Kränzchen windet Juniorenchef Barbarits insbesondere auch den Eltern der rund 150 eishockeybegeisterten Mädchen und Buben, die beim EHCU spielen. «Ohne die Unterstützung von Zuhause ginge es nicht, denn unser Sport ist zeit- und kostenintensiv.» Das weiss der ehemalige 1.-Liga-Eishockeyaner aus eigener Erfahrung, seine zwei Söhne spielen im Urdorfer Nachwuchs.

Gibt es eine Diplomfeier zum 80. Geburtstag?

Wegen den momentan speziellen Zeiten ist eine gebührende Feier noch in weiter Ferne. Einen Zeitpunkt festzulegen ist aktuell unmöglich. «Aber dass wir diesen Erfolg mit­einander feiern wollen, steht ausser Frage», so Bucher. Gut möglich, dass die Diplomfeier im Rahmen des 80-Jahr-­Vereinsjubiläums im kommenden Sommer oder Herbst nachgeholt wird. «Die Beteiligten haben ganze Arbeit geleistet und eine ­zünftige Feier verdient», sagt Bucher. Trainer, Offizielle, ­Eltern und natürlich die Kinder – allen gehöre die Auszeichnung.

Letzte Frage an den Vereins­präsidenten: Wo wird die Urkunde künftig hängen? «Die Auszeichnung wird einen ehrenvollen Platz im Materialraum von Röbi Erb erhalten», sagt Bucher schmunzelnd.

Das sind die WM-Helden und Schweizer Meister aus der Talentschmiede EHC Urdorf

Dass beim Eishockey-­Club Urdorf hervorragende Arbeit im Nachwuchs geleistet wird, ist nicht erst seit der offiziellen Ehrung durch Swiss Ice Hockey bekannt. In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten schafften es immer wieder ehemalige «Stierchen» an die nationale oder gar internationale Spitze. Hier ein paar Beispiele ehemaliger EHCU-Nachwuchsspieler, die noch aktiv sind:

Dean Kukan: Der 27-jährige Defensivakteur startete von der Weihermatt aus eine schillernde Karriere, die ihn bis in die nordamerikanische NHL brachte. Kukan spielt seit 2015 bei den Columbus Blue Jackets und besitzt bei der Franchise aus dem Bundesstaat Ohio einen Vertrag bis 2022. Er war 2018 Teil jener Schweizer Nationalmannschaft, die an der Weltmeisterschaft ­Silber holte.

Chris Baltisberger: Der 29-­jährige Stürmer der ZSC Lions spielte in jungen Jahren zusammen mit Kukan auf der altehrwürdigen offenen Weihermatt. 2018 war auch der Oberengstringer dabei, als die Schweiz bis in den WM-Final vorstiess.

Phil Baltisberger: Der vier ­Jahre jüngere Bruder von Chris lernte sein Eishockey-Abc ebenfalls in Urdorf. 2018 wurde er mit den ZSC Lions Schweizer Meister.

Niki Altorfer: Der 30-jährige Stürmer begann beim EHCU mit Eishockeyspielen und lief unter anderem für Visp, die ­Rapperswil-Jona Lakers und die ZSC Lions auf. Auf
die laufende Saison wechselte Altorfer von Thurgau zum EHC Kloten und führt mit
den «Fliegern» die Tabelle der Swiss League klar an.

Schon in früheren Generationen trugen ehemalige Urdorfer ­Junioren den guten Ruf der ­hiesigen Nachwuchsarbeit in die ­weite Welt hinaus. Der ­ehemalige Kloten-Captain ­Romano Lemm (36) brachte es auf insgesamt 138 Länderspiele, war an sieben Welt­meisterschaften und an zwei Olympischen Spielen dabei. Er trat 2019 zurück.

In den 1990er- und 2000er-Jahren war die Generation um Martin Kout und Robert Slehofer ­ aktiv. Verteidiger Kout (48) ­wurde mit Kloten und dem ZSC insgesamt fünfmal ­Schweizer Meister, spielte in der Nationalmannschaft und gab 2007 ­seinen Rücktritt. ­Stürmer ­Slehofer (48) war vor ­allem für Fribourg-Gottéron ­aktiv, wurde zweimal für ­die National­mannschaft auf­geboten und ­beendete seine Karriere wie Kout 2007. Jerry ­Zuurmond (45) und Roman Honegger (48) spielten beide ebenfalls in der NLA für den ZSC – ­Zuurmond zu-
dem auch für ­Lugano – und ­liessen ihre ­Karrieren ge­meinsam beim EHC Urdorf ­ausklingen.

Einer der ersten Urdorfer, die national für Furore sorgten, war in den späten 1970er-
und frühen 1980er-Jahren ­Miguel Leemann. Der mittlerweile 62-jährige ehemalige ­Stürmer spielte sechs Jahre für den Zürcher SC in der NLA und NLB und kehrte nach einem Jahr beim EHC Basel auf die Weihermatt zurück. Dort ­gehörte er in seinem letzten Jahr als Aktiver im Winter 1986 jener legendären Urdorfer Mannschaft an, die in der 1. Liga Rang 3 erreichte.