Geroldswil

Döner nicht mehr nur aus Dietikon: Geroldswils erster Kebab-Imbiss

Verfügt über das Döner-Monopol in Geroldswil: Safet Ristemi eröffnete vor zwei Jahren sein Restaurant im Gewerbecampus.

Verfügt über das Döner-Monopol in Geroldswil: Safet Ristemi eröffnete vor zwei Jahren sein Restaurant im Gewerbecampus.

Der Oetwiler Safet Ristemi bietet seit zwei Jahren den ersten Döner in Geroldswil an. Von seiner Wahlheimat, dem Limmattal, und seinen Erfahrungen während der Covid-Pandemie spricht er bei einem Besuch bei ihm im Gewerbecampus.

Ein Velofahrer nähert sich dem Gewerbecampus an der Steinhaldenstrasse in Geroldswil. «Da kommt mein nächster Kunde», sagt Safet Ristemi und huscht ins Innere seines Restaurants. Tatsächlich steht der junge Mann wenig später vor der Kebab-Theke des «Safet Imbiss» und bestellt einen Döner. Im Nu ist das Taschenbrot gefüllt und der Gast setzt sich auf der Terrasse, wo er genüsslich in sein Zmittag beisst.

«Genau wegen Jugendlichen wie ihm, kam mir die Idee, ein Imbiss-Lokal zu eröffnen», sagt Ristemi. Der 52-Jährige arbeitete von 2012 bis 2018 im Hotel Geroldswil als Servicekraft und Barkeeper. «Immer wieder kamen junge Menschen vorbei und fragten, ob wir auch Kebabs anbieten. Ich musste sie aber stets vertrösten und nach Dietikon schicken», erzählt Ristemi. Bis zu dem Tag, als es ihm plötzlich wie Schuppen von den Augen fiel. «Warum mache ich nicht selbst einen Kebab-Imbiss auf, damit die jungen Leute nicht immer nach Dietikon müssen, sondern in Geroldswil ihren Döner essen können, dachte ich mir.»

Gesagt getan. Im Juli 2018 eröffnete der gebürtige Mazedonier sein erstes Restaurant, nach dem er während fast 30 Jahren in verschiedenen Gastrobetrieben im Limmattal im Einsatz stand. «Für mich ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen», sagt Ristemi. Er habe sich schon seit längerer Zeit selbstständig machen und sein eigener Chef sein wollen. Ganz allein ist er aber nicht. Unterstützt wird er von seiner Ehefrau Selvije und seinem fünf Jahre älteren Bruder Kasan. Letzterer ist gelernter Koch und kümmert sich im «Safet Imbiss» um das Kulinarische.

Mazedonische Gerichte stehen auch auf der Speisekarte

Jeden Tag bieten die Ristemis zusätzlich zu den gängigen Speisen wie Pizza oder Kebab ein Tagesgericht an. «Das kommt bei unseren Gästen gut an», sagt der Wirt. Vornehmlich hätten sie Schweizer Kundschaft. Dazu würden auch Mitarbeitende der Gemeindeverwaltung Geroldswil und die lokale Feuerwehr gehören, die regelmässig bei ihm einkehren würden. Daher setzt Ristemi auf währschaftes, gut bürgerliches Essen. Doch wer einen Blick in die Speisekarte wirft, entdeckt auch ein paar Gerichte aus der alten Heimat. Zum Beispiel den Pleskavic Sharri, einen Rindshamburger gefüllt mit Schafskäse, oder eine mazedonische Grillplatte namens Skar e Përzime. Letztere besteht aus Kalbs- und Trutenschnitzel, Sucuk-Wurst, Cevapcici sowie Rindsleberschnitzel. Garniert wird das Ganze mit Salat, Schafskäse, Tomaten und Oliven. «Das ist eine Spezialität aus meiner Heimat Kërçova», sagt Ristemi.


Als junger Mann verliess er die Stadt im Westen Nordmazedoniens, die rund 100 Kilometer entfernt von der Hauptstadt Skopje liegt. Mit einer Hotellerie-Ausbildung im Sack suchte er Arbeit in der Schweiz. Neben dem Hotel Geroldswil war er unter anderem auch im Restaurant Meierhöfli in Unterengstringen, im «Dörfli» in Uitikon, im «Löwen» in Weiningen oder im Restaurant Alte Post in Oetwil tätig.

Er lebt seit fast 30 Jahren im gleichen Haus in Oetwil

Der Region ist Ristemi aber nicht nur in beruflicher Hinsicht treu geblieben: Seit fast 30 Jahren wohnt der Vater zweier erwachsener Söhne in Oetwil. «Immer im selben Mehrfamilienhaus, aber in verschiedenen Wohnungen. Zu Beginn lebte ich in der 1,5-Zimmer-Wohnung im Parterre, jetzt bin ich ganz oben in der Attikawohnung zuhause», erzählt Ristemi. Vor drei Jahren wurde die ganze Familie einbürgert. «Das Limmattal und speziell Oetwil sind meine neue Heimat.» Am letzten Kellerfest in Oetwil war Ristemis Imbiss sogar mit einem Stand vertreten. Die Verbundenheit mit der Region ist auch in Ristemis Restaurant zu spüren. Anfang Jahr vergrösserte er das Lokal und richtete im hinteren Teil einen 100 Quadratmeter grossen Saal ein. «Der Turnverein Oetwil-Geroldswil hat hier ihre Chränzli-Bar durchgeführt. Nach dem Anlass habe ich mir überlegt, den Raum fest auszubauen, um ihn für Feste zu vermieten», sagt Ristemi.

Unterstützt wird Safet Ristemi von seinem älteren Bruder Kasam in der Küche. Der gelernte Koch kümmert sich um die Speisen im Imbiss-Lokal.

Kulinarische Hilfe

Unterstützt wird Safet Ristemi von seinem älteren Bruder Kasam in der Küche. Der gelernte Koch kümmert sich um die Speisen im Imbiss-Lokal. 

Viel Arbeit hätten er, seine Familie und viele befreundete Landsleute aus Mazedonien in die Gaststätte investiert. «Als wir einzogen, gab es nur einen Raum, der aussah wie eine leere Bürohalle. Wir haben zwei Wände erstellt, Platten und Laminat verlegt und die Küche eingebaut», sagt Ristemi.
Weil so viel Mühe im «Safet Imbiss» steckt, bedauert es der Gastwirt nun umso mehr, dass die Gäste seit Ausbruch der Coronapandemie viel weniger vorbeikommen als zuvor. «Gestern assen 40 Leute bei uns, heute sind es bis jetzt nur 15», sagt Ristemi und schaut auf die Liste mit den Kontaktdaten, auf denen er die Gäste erfassen muss. Die Schliessung während des Lockdowns traf das Geschäft ebenso hart. «Take-away-Menüs haben wir in dieser Zeit nicht angeboten, weil die Nachfrage zu klein war», sagt Ristemi.

Bis zur Pensionierung im eigenen Restaurant wirten

Doch in seinem Restaurant war er trotzdem jeden Tag – schon nur um die Post zu kontrollieren. «Mir haben die Arbeit und das Lokal gefehlt.» Sehr froh sei er, dass er eine Mietreduktion erhalten habe. Doch die Sorge bleibt. «Man sagt, dass ein neues Restaurant nach zwei Jahren laufen sollte. Das tat es bei mir auch, doch dann kam das Virus», sagt Ristemi. Es fühle sich an, als würde er wieder von vorne beginnen müssen. Aufgeben will er so schnell aber nicht. «Mein Wunsch ist, dass meine Frau, mein Bruder und ich hier bis zur Pensionierung arbeiten können.» Die Rolle als Gastgeber gefalle ihm, sagt Ristemi. «Zudem will ich die Jugendlichen nach nur zwei Jahren nicht bereits im Stich lassen, sie sollen weiterhin ihren Kebab in Geroldswil bekommen.»

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