Spreitenbach
Dieser Zweig kriegt Beine

Im Shoppi Tivoli werden bis Ende Monat tropische Rieseninsekten gezeigt.

Flurina Dünki (Text und Foto)
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Die Türkische Riesenstabschrecke fährt zur Abwehr «Drachenflügel» aus.

Die Türkische Riesenstabschrecke fährt zur Abwehr «Drachenflügel» aus.

Flurina Dünki

Christian Schweizer greift in ein Terrarium voller weiss-lila Orchideen und klaubt eine der Blüten heraus. Doch der Schein trügt: Plötzlich fuchteln Beinchen in der Luft herum und die Blume entpuppt sich als Orchideenmantis. Das malaiische Insekt aus der Familie der Fangschrecken ist nur einer der Tarnkünstler, den man auf den ersten Blick nicht von der Pflanzenumgebung im Insektenterrarium unterscheiden kann.

Melina aus Birmenstorf hält eine gemeine Gottesanbeterin (auch grüne Gottesanbeterin genannt) in der Hand.
15 Bilder
Die Riesensichelschrecke erzeugt Lärm von über 100 Dezibel Lautstärke ...
... weshalb sich Michelle und Nick aus Urdorf die Ohren zuhalten.
Der Rosenkäfer gefiel mit seinen schillernden Farben.
Der gefährliche Riesenrüssler kann sich sogar durch Fleisch bohren.
Die Riesendornschrecke legt jeden Tag ein Ei. Ein Männchen wird dazu nicht benötigt.
Helmut Hansen, Insektenexperte, Ausstellungsbetreuer hält eine Heuschrecke der Art «Wandelndes Blatt» am Finger. (r.)
Diese Stabheuschrecke will über den Gipfel hinaus
Insektenforscher Christian Schweizer mit eines seiner Haustiere
Insektenforscher Schweizer mit einer Gespensterschrecke
Die Türkisblaue Riesenschrecke kann Flügel ausfahren
Ein weiteres Haustier des Forschers
Sie erschrecken ganz schön, diese Schrecken
Das Wandelnde Blatt fühlt sich wohl auf der Hand des Shoppi-Managers
Kann eine Kakerlake, die einen so treuherzig anschaut, wirklich ein Schädling sein

Melina aus Birmenstorf hält eine gemeine Gottesanbeterin (auch grüne Gottesanbeterin genannt) in der Hand.

Sandra Ardizzone

Wohnen zwischen Insekten

Insektenforscher Schweizer, der schon als Jugendlicher von Insekten fasziniert war, arbeitet heute an der Anstalt für Forschung für Landwirtschaft (Agroscope) in Zürich, wo er für die biologische Schädlingsbekämpfung zuständig ist. Tropische Insekten wie jene, die Besucher des Shoppi Tivoli dieser Tage im Rahmen der Ausstellung «Auf den Spuren der Gottesanbeterin» bestaunen können, zählen schon seit Schweizers Studienjahren zu seinen Haustieren. Unweigerlich sprach sich der ungewöhnliche Privatzoo in der Szene herum, was die Aufmerksamkeit von Museen und bald auch von Einkaufszentren auf sich zog. Publikumswirksame Ausstellungen wie Christian Schweizers Rieseninsekten gehören mit zur Strategie von Centerleiter Patrick Stäuble, mit der das Shoppi Tivoli den Schritt vom Einkaufszentrum zum eigentlichen Freizeitziel schaffen möchte. «Durch solche Aktionen wollen wir noch vermehrt die beiden Zielgruppen der Jugendlichen und Senioren zu einem Besuch animieren», sagt Stäuble. «Ich bin froh über das öffentliche Interesse an den Insekten aus Malaysia, Madagaskar, Kenia und anderen tropischen Regionen», sagt der Insektenforscher. Sie alle würden in Gegenden leben, deren Vegetation akut durch die Regenwaldabholzung bedroht sei. Durch die Ausstellungen hofft Schweizer, die Besucher für die Thematik zu sensibilisieren.

Mehr als einmal sorgt Insektologe Schweizer auf dem Rundgang für Erstaunen. Etwa, als er ein scheinbar abgestorbenes, 15 Zentimenter langes Zweiglein aus einem der Terrarien nimmt und es auf den Fussboden legt. Ein paar Sekunden lang passiert nichts, dann klappen plötzlich sechs Beine aus dem vermeintlichen Holzstück und schon läuft die malaiische Riesenstabschrecke davon Richtung Sportabteilung. Zum Schluss stimmt Tierpfleger Helmut Hansen, der täglich um 15 Uhr eine Gratisführung leiten wird, ein Loblied auf die Kakerlake an. In allen Weltgegenden kämen sie vor und seien nur schwer totzukriegen. Zertrete man ein Muttertier, so blieben die Eier an den Schuhen haften, wo sie noch Wochen weiterleben könnten. Im Gegensatz zu den andern Ausstellungstieren, würden sie die Abholzung des Regenwaldes bestimmt überleben.

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