Geroldswil
«Die Leute sind freundlich – das macht Mut und gibt Zuversicht»

In der Geroldswiler Pfarrei St. Johannes tritt Henryk Walczak die Nachfolge des langjährigen Pfarrers Franz Studer an.

Tobias Bolli
Drucken
Teilen
Pfarrer Henryk Walczak bei seinem ersten Gottesdienst in seiner neuen Gemeinde.

Pfarrer Henryk Walczak bei seinem ersten Gottesdienst in seiner neuen Gemeinde.

Tobias Bolli

Mehr als zwei Jahrzehnte lang wirkte Franz Studer als katholischer Pfarrer für Oetwil, Geroldswil, Fahrweid und Weiningen. Kürzlich trat er die Pension an und übergab das Zepter – oder vielmehr den Hirtenstab – seinem Nachfolger Henryk Walczak.

Im Rahmen eines ersten Gottesdienstes hatte dieser am Sonntag Gelegenheit, sich der zahlreich erschienenen Gemeinde vorzustellen und sich mit ihr beim anschliessenden Apéro auszutauschen. Franz Studer wohnte dem Gottesdienst ganz bewusst nicht bei. «Er will seinem Nachfolger Raum lassen», erklärte Kirchenpflegerin Brigitte Geyer.

Zuvor in Deutschland und in Arbon tätig gewesen

Walczak, der zuvor in Deutschland tätig war und über zehn Jahre lang eine Pfarrei in Arbon betreut hatte, schien sich in Geroldswil sofort heimisch zu fühlen. «Die Schweiz ist nicht so gross», sagte er, «und einige von euch kenne ich ja schon.» Den Zürcher Dialekt verstehe er bereits perfekt, so sehr unterscheide sich dieser nicht vom Thurgauer Dialekt, an den er sich in Arbon gewohnt hatte. «Die Voraussetzungen für unsere Zusammenarbeit sind also gut», scherzte der Pfarrer zu Beginn des Gottesdienstes.

In seiner Predigt sprach Walczak über Gott und das Geld und über das nicht immer einfache Verhältnis zwischen den beiden. «Geld macht nicht glücklich, aber es beruhigt», gestand der Pfarrer ein. Keinesfalls gehe es also um eine Verteufelung der irdischen Güter oder gar um eine Beschneidung der Lebensfreude. «Man soll den irdischen Besitz aber nicht an die Stelle Gottes setzen. Wir müssen immer wieder neu erkennen, dass Gott der eigentliche Garant für unser Leben ist.»

Zu was ein übertriebenes Besitzverlangen führen kann, illustrierte Walczak mit einer Erzählung Tolstois. In «Wie viel Erde braucht der Mensch» wird einem Bauern so viel Land versprochen, wie er an einem Tag von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang umrunden kann. Von Habgier getrieben, überschätzte der Bauer seine Kräfte. Er bricht schliesslich vor Erschöpfung tot zusammen. Es sei Gott allein, der uns zur wahren Quelle des Lebens führen könne, von ihm, schloss Walczak, dürfen wir uns getragen und gehalten wissen.

Der neue Pfarrer kommt bei den Kirchgängern gut an

Die Kirchenpflegerin Brigitte Geyer zeigte sich von der Predigt beeindruckt. «Sie ist prägnant und aussagekräftig und ich kann etwas davon mitnehmen.» Walczak bezeichnete sie als nahbaren und warmherzigen Menschen. «Er ruht in sich», sagte sie. Diese Einschätzung teilte auch Katharina Stockmann, Präsidentin der katholischen Kirchenpflege Engstringen, die eigens für die Predigt nach Geroldswil gekommen war. «Er ist sehr liebevoll, ich habe mich richtig geborgen gefühlt.»

Auch Franz Haller, Mitglied des Stiftungsrates der St.-Johannes-Stiftung, zog nach der Predigt eine positive Bilanz. «Er ist sympathisch und spricht sehr gut Deutsch.» Walczak sei ein unkomplizierter Mensch und habe ihm bereits bei der ersten Begegnung das Du angetragen. Der Pfarrer selbst lobte die Herzlichkeit und Offenheit der Gemeinde. «Die Leute sind sehr freundlich hier. Das macht Mut und gibt Zuversicht.»

Aktuelle Nachrichten