Schlieren
Die Jugendberatung Blinker unterstützt Limmattaler Jugendliche neu gratis und hilft ihnen so durch schwierige Lebensphasen

Mit dem flächendeckenden und kostenlosen Angebot werden die Lücken im Bezirk geschlossen.

Sibylle Egloff
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Christian Meier, Präsident vom Sozialdienst Limmattal, und Ursula Enderli, Stellenleiterin der Jugendberatung Blinker, freuen sich, dass nun alle Gemeinden des Bezirks Dietikon mit im Boot sind.

Christian Meier, Präsident vom Sozialdienst Limmattal, und Ursula Enderli, Stellenleiterin der Jugendberatung Blinker, freuen sich, dass nun alle Gemeinden des Bezirks Dietikon mit im Boot sind.

Sandra Ardizzone

Die Übergangsphase zwischen Kindheit und Erwachsenenalter birgt Herausforderungen. Nicht immer gelingt der Schritt ins Erwachsenenleben. Hilfe bietet in diesem Fall die Jugendberatung Blinker, die Teil des Sozialdiensts Limmattal ist. Neu sind die vertraulichen Beratungen für Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 12 bis 24 Jahren im Bezirk Dietikon kostenlos. Einzige Ausnahme bildet bis voraussichtlich 2022 noch die Gemeinde Geroldswil. Bis zu diesem Zeitpunkt können nur Geroldswiler Schülerinnen und Schülern der Volksschule ab zwölf Jahren von der Beratung Gebrauch machen.

«Wir freuen uns sehr, dass in der über 30-jährigen Geschichte der Jugendberatung Blinker erstmals flächendeckend ein solches Angebot gilt», sagt Ursula Enderli. Die Psychotherapeutin und Kinder- und Jugendpsychologin leitet seit 2004 die Jugendberatungsstelle an der Grabenstrasse 7 in Schlieren.

«Wir sind froh, dass wir alle Gemeinden ins Boot holen konnten», sagt Christian Meier (SVP), Schlieremer Sozialvorstand und Präsident des Sozialdiensts Limmattal. Jahrelang habe ein Flickenteppich geherrscht. Seit Geroldswil 2019 aus dem Sozialdienst Limmattal ausgetreten ist, zählte der Zweckverband mit Aesch, Birmensdorf, Urdorf, Oberengstringen, Weiningen und Oetwil nur noch sechs partizipierende Gemeinden. «Dietikon war nie dabei. Die Schule Schlieren hatte eine Leistungsvereinbarung. Jugendliche konnten das Angebot bis zum Ende ihrer Schulzeit nutzen», sagt Meier. Nicht partizipierende Gemeinden wie etwa Uitikon oder Unterengstringen rechneten über Kostengutsprachen ihrer Sozialabteilungen ab. Die ungleichen Bedingungen und Kosten sorgten vor allem bei den partizipierenden Gemeinden für Unmut. Die Jugendberatung Blinker sei zeitweise sogar auf der Kippe gestanden, verrät Enderli. «Die Rede war von Ausbau aber auch von einer totalen Abschaffung. Daher bin ich erleichtert, dass nun diese Lösung gefunden wurde», sagt die Psychotherapeutin.

Neue Abrechnung ist ein Mittelweg

Neu ist nicht mehr die Grösse der Gemeinde für die Berechnung der Gebühren entscheidend. Der grössere Anteil wird nun nach Verursacherprinzip abgerechnet. Nur die Sockelkosten teilen sich die Gemeinden weiterhin nach Einwohnerzahl. Der Wohngemeinde des Jugendlichen wird eine Beratungspauschale von 950 Franken ab der ersten Beratungsstunde verrechnet. «Wir gehen also von durchschnittlich zehn Beratungsstunden pro Klientin oder Klient aus. Das kann sich je nach Fall auszahlen oder nicht. Manche Jugendliche benötigen nur zwei Stunden Beratung, andere wiederum kommen 15 Mal vorbei», sagt Enderli. Dieser Wert sei ein guter Mittelweg, findet Meier. «Mit etwas Glück sollten sich die schnellen Fälle und die intensiven Betreuungen gleichmässig auf die Gemeinden verteilen.»

Aufgrund des neuen Gebührenreglements unterscheidet die Jugendberatung Blinker nun zwischen Beratung und Therapie. «Es ist oftmals ein fliessender Übergang. Man kann aber sagen, dass tiefe psychische Verletzungen und Instabilitäten, die das Leben der Jugendlichen stark beeinträchtigen, wie etwa Zwangs- oder Essstörungen, nicht mit Beratungen, sondern nur mit Therapien gelöst werden können», erklärt Enderli.

Für Therapien, aber auch für Interventionen in Schulen oder Lehrbetrieben und Referate oder die Mitarbeit an Projekten und Publikationen verrechnet die Jugendberatung Blinker 140 Franken pro Stunde nach jeweiliger Kostengutsprache der Gemeinde oder Schule.

Neue Lösung wurde ­dringend benötigt

Enderlis Agenda für Anfang Jahr ist bereits gut gefüllt, auch mit Terminen mit Klienten, die zuvor nicht gratis vom An­gebot profitieren konnten. «Die grosse Anzahl Triagen von Anfragen aus Dietikon und Schlieren im vergangenen Jahr zeigt, dass es diese neue ­Lösung dringend gebraucht hat und wir damit nun die ­Lücken im Bezirk schliessen können.» Enderli berät Jugendliche und junge Erwachsene bei verschiedensten Anliegen und Herausforderungen, seien dies Fragen zur Sexualität, Lehrstellensuche oder bei ­Problemen zuhause oder bei Liebeskummer.

Das Coronajahr scheinen laut Enderli viele Jugendliche gut gemeistert zu haben. Doch sie stellte auch eine Zunahme von Suizidalität und angespannten Familiensituationen in den vergangenen Wochen vor allem vor Weihnachten fest. «Das muss nicht zwingend etwas mit Corona zu tun haben, solche Wellen gibt es in anderen Jahren auch. Doch die Mehrbelastung durch die Pandemie trägt sicher auch dazu bei, dass sich Probleme verschärfen», sagt sie. Nicht leicht sei es für die Jugendlichen gewesen, die 2020 das 18. Altersjahr erreicht hätten. «Für sie war es recht hart, ist der 18. Geburtstag doch etwas Besonderes. Sie konnten ihn weder gebührend feiern noch konnten sie die neuen Privilegien des Erwachsenenlebens wie etwa der Zutritt zu Clubs und Nachtlokalen auskosten.»