Dietikon
Der Skilift ist bereit – wir zeigen Ihnen die Geschichte der tiefstgelegenen Anlage der Schweiz

Der Dietiker Skilift steht, ein Schutzkonzept liegt auch vor. Jetzt muss es nur noch schneien, damit die tiefstgelegene Anlage öffnen kann.

Oliver Graf
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Noch ist die Schneedecke etwas gar dünn: der Dietiker Skihang.

Noch ist die Schneedecke etwas gar dünn: der Dietiker Skihang.

Oliver Graf

Dem Wintersportvergnügen im Limmattal steht an sich nichts entgegen – auch das Coronavirus kann dem nicht in die Quere kommen. Mit entsprechendem Konzept würden die Vorgaben den Ski- und Schlittelspass bei der Hundshütte aktuell erlauben: «Der Bundesrat hat die Skigebiete ja offen gelassen, da ist Dietikon natürlich auch bereit», sagt Stadtrat Lucas Neff (Grüne) schmunzelnd.

Die Mitarbeiter der Infrastrukturabteilung haben die verschiedenen Teile des Dietiker Skilifts aus dem Werkhof geholt und bei der Hundshütte aufgestellt. Rund eine Woche sind drei Leute, darunter ein Lernender, jeweils mit dem Aufbau beschäftigt, der Abbau im Frühling dauert in etwa gleich lang, wie Neff sagt. Der Lift ist beste Werbung für Dietikon: «Das Medienecho war schweizweit enorm», heisst es jeweils im Geschäftsbericht der Stadt nach einer Wintersaison mit genügend Schnee. «Der Skilift war in den Printmedien, im Radio und im Fernsehen sehr präsent.»

Der Skilift Röhrenmoos ist speziell: Er bringt Skifahrer und Schlittler von der Talstation auf 460 Meter über Meer hinauf zur Bergstation auf 490 Meter über Meer. Damit handelt es sich um die tiefstgelegene Anlage in der Schweiz und – wenn es den kalten Norden nicht gäbe – wohl auch von fast ganz Europa.

In den vergangenen zwei Wintern wurde nichts aus Skifahren in Dietikon

Dieser Titel ist aber auch mit einem Nachteil verbunden; der Ponylift mit seinen rund 40 roten Griffen kann nicht in jedem Winter in Betrieb genommen werden. Es fällt zwar auch in Dietikon meist mehrmals in einem Winter Schnee, doch die Flocken bleiben nicht lang liegen. Benötigt werden rund 15 bis 20 Zentimeter Schnee und tiefe Temperaturen über einige Tage hinweg, wie Armin Strässle, Leiter des Bereichs Jugend-Freizeit-Sport, sagt. «Zudem muss der Unterboden eine kompakte Schneeschicht aufweisen, damit die Sicherheit für den Skibetrieb gewährleistet werden kann.»

Diese Voraussetzungen werden nicht in jedem Winter erfüllt. So ist der Skilift im städtischen Geschäftsbericht 2019 gar nicht erwähnt. Und im Bericht 2018 heisst es: «In der Skisaison 2017/18 hatte es nie genügend Schnee, um den Skilift in Betrieb zu nehmen.» 2016/17 verzeichnete die Stadt aber 9 Betriebstage, an denen 558 Tageskarten für Kinder und 221 für Erwachsene ausgegeben wurden. Ein damals erstmals durchgeführtes Nachtskifahren mit Fackelabfahrt, Musik und Verpflegung lockte rund 200 Personen an (und eben auch viele Medienvertreter).

Der Lift wurde im Laufe der Jahre länger

Die Idee eines Dietiker Skilifts stammt ursprünglich aus der Freizeitanlage Chrüzacher, wie Strässle sagt. 1972 hat die Stadt den Ponylift erworben, der anfänglich nur 150 Meter lang war, dann aber irgendwann auf 225 Meter verlängert wurde. «Seit jeher ist der erste Tag, an dem der Lift angestellt wird, für alle Gäste gratis», sagt Strässle. Und seit 2015 besteht auch eine Partnerschaft mit einem anderen Skigebiet: Alle Saison- und Jahreskartenbesitzer der Skiregion Stoos können den Skilift Dietikon gratis benutzen.

Auch wenn Dietikon nicht ganz zu 100 Prozent als schneesicher gilt, die Verbundenheit zum Skilift ist dennoch gross: «Sehr viele Dietikerinnen und Dietiker haben ihre ersten Schlittel- und Skifahrkünste bei der Hundshütte erlernt und sind stolz auf ihren Skilift», sagt Strässle. Die Anlage werde deshalb weiterhin jeden Winter aufgebaut – und dies mindestens so lange, als die Stadt die jährliche Betriebsbewilligung erhalte und den regelmässigen Serviceunterhalt bestreiten könne. «Der Skilift gehört ja zu Dietikon wie die Postleitzahl 8953», sagt Strässle mit einem Augenzwinkern.

In diesem Winter wären grosse Events wie ein Nachtskifahren mit Verpflegung kaum möglich. Ein Coronaschutzkonzept – unter anderem mit Maskenpflicht für Mitarbeiter sowie im Anstehbereich für über Zwölfjährige – ist vorbereitet. Es wird je nach Entwicklung noch weiter angepasst. Ansonsten sind die Vorbereitungen abgeschlossen.

Dass dies auf die Stimmung drücken würde, glauben Lucas Neff und Armin Strässle nicht. «Wenn es genug Schnee hat und der Skilift läuft, dann ist alles andere vergessen», sagt Neff. Das sieht auch Strässle so: «Jedes Jahr, wenn wir den Skilift in Betrieb nehmen dürfen, hat sich der minime Aufwand für die vielen fröhlichen Kinder und Familien mehr als gelohnt.» Jetzt, sagen beide, müsse nur noch die weisse Pracht kommen. Denn die Skigebiete sind offen, und Dietikon ist bereit.