Urdorf
Der «Muulaffenplatz» in Urdorf wird offiziell

Bislang war der Name Muulaffeplatz lediglich im Volksmund geläufig. Die Genossenschaft Florahof hat während Jahren markante Gebäude in diesem Gebiet auf Vordermann gebracht und nun auch den Platz selbst beschriftet.

Flavio Fuoli
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Ivo Hartmeier vor dem Bau der landwirtschaftlichen Genossenschaft Florahof Urdorf. Erstmals ist der Muulaffeplatz offiziell angeschrieben.

Ivo Hartmeier vor dem Bau der landwirtschaftlichen Genossenschaft Florahof Urdorf. Erstmals ist der Muulaffeplatz offiziell angeschrieben.

Limmattaler Zeitung

Offiziell wird der Platz beim Detailhändler Spar in Oberurdorf nicht so genannt. Das könnte sich nun ändern: Die landwirtschaftliche Genossenschaft Florahof hat in den letzten Jahren nicht nur ihr markantes Gebäude mit dem Spar und der Zürcher Kantonalbank (ZKB) auf Vordermann gebracht, sondern den Platz auch angeschrieben. Nun steht neben einer Stele, auf dem sämtliche Firmen aufgeführt sind, die sich im Gebäude der Genossenschaft eingemietet haben, überdeutlich und so etwas wie offiziell «Muulaffeplatz».

1969 Geschäftshaus gebaut

Ivo Hartmeier freut sich: «Erstmals sind die Geschäfte in unserer Liegenschaft offiziell an einer Stele angeschrieben, als kleines Wahrzeichen des neuen Muulaffeplatzes.» Hartmeier kennt die Geschichte der Genossenschaft, die am 2. Dezember 1944 gegründet wurde. Er war 22 Jahre lang ihr Verwalter. Der selbstständige Immobilientreuhänder erzählt, wie im Herbst 1969 die Bauvollendung des Gebäudes erfolgte, der Bachstrasse 9/11, eines landwirtschaftlichen Geschäftszentrums, das den Platz von zwei Seiten her einfasst.

Was ist ein Muulaff?

Der Name des bekannten Urdorfer Platzes, an dem sich der Muulaffemärt seit Jahrzehnten behauptet, hat seinen Ursprung im Mittelalter. Damals bezeichnete «Muulaff» einen tönernen, kopfförmigen Halter für Kienspäne, in dessen offenes Maul der Span gesteckt wurde. Seit dem 15. Jahrhundert wird darunter ein untätig herumstehender Schaulustiger verstanden, einer, der mit offenem Maul dasteht und gafft. Heute kennt man das Wort fast nur noch von der Redewendung «Maulaffen feilhalten», also gaffen.

Nach diesem Bau wurde die damals «Landwirtschaftliche Konsumgenossenschaft Urdorf» in «Landwirtschaftliche Genossenschaft Florahof» umbenannt. Sie bezweckt die wirtschaftliche Unterstützung ihrer Mitglieder, sie fördert die Landwirtschaft und wahrt die Interessen der Konsumenten. Die Vereinigung zählt heute 48 Mitglieder, Präsident ist Peter Grob. Sechs bis sieben Bauern sind noch dabei, den Rest stellen eingesessene Urdorfer, so Hartmeier.

Knapp scheiterte 1989 die Fusion mit der landwirtschaftlichen Genossenschaft Birmensdorf. Grund war der schlechte Umsatz des Volg-Ladens, der bis Anfang 1990 bestand. «Ich war gegen die Fusion und habe die Vor- und Nachteile gegeneinander abgewägt», erinnert sich Hartmeier. «Die Birmensdorfer hätten die Urdorfer mit Handkuss und ohne Entgelt genommen.» Die Fusion wurde mit einer Stimme Differenz abgelehnt.

«Genossenschaft steht gut da»

«Heute steht die Genossenschaft gut da, sie hat ein gesundes Fundament. Sie besitzt genügend Reserven im Erneuerungsfonds. Die Liegenschaft hat einen Wert von über 12 Millionen Franken», erklärt Hartmeier, der massgeblich daran beteiligt war, dass die Gebäude heute im Schuss sind. Zu einem Viertel gehört die Liegenschaft der ZKB, die dort ihre Filiale führt, zu drei Vierteln der Genossenschaft. Insgesamt gehören neben Spar und ZKB zehn Wohnungen zum Ensemble, ein Treuhandbüro, ein Tanzstudio, eine Tankstelle und Kleinbetriebe im Automobilgewerbe.

Nach einer halbjährigen Umbauphase zeigen sich der Spar und die ZKB jüngst in neuem Kleid. Das Vordach sowie die zurückversetzten Schaufenster wurden durch eine moderne Glasfront ersetzt. Dabei konnte der Spar-Markt um 50 Quadratmeter vergrössert werden. Neu besitzt er 450 Quadratmeter Verkaufsfläche. Betreiber des Spars ist die Urdorfer Familie Schnellmann, die insgesamt 18 Lebensmittelmärkte im Franchising-System betreibt.

Am Gebäude sollten laut Hartmeier in den nächsten zehn bis 15 Jahren keine neuen Sanierungen mehr anfallen. Ausstehend sind noch feuerpolizeiliche Auflagen und der Ersatz der Wärmerückgewinnungsanlage. Die Genossenschaft überlegt sich weiter, zu einem späteren Zeitpunkt das Dach mit einer Photovoltaikanlage auszurüsten.
Fest am Wochenende

Die Gemeinde wird sich der Sanierung des übrigen Teils des für Urdorf so wichtigen Platzes in nächster Zeit annehmen, wie aus dem Gemeindehaus zu erfahren war.
Die landwirtschaftliche Genossenschaft Florahof wird die Erneuerung des Aussenbereichs dieses Wochenende mit der Bevölkerung feiern und ihr den Platz übergeben. Sie soll sehen, was Neues entstanden ist.