Organist

Der Dietiker Organist Bernhard Hörler ist der Königin seit 40 Jahren verfallen: Heute feiert er sein Jubiläum

Bernhard Hörler kann auf bewegte Jahre zurückblicken und feiert heute sein 40-jähriges Organistenjubiläum.

Bernhard Hörler ist seit 25 Jahren als Hauptorganist in der katholischen St. Agathakirche tätig und prägt das Limmattal als leidenschaftlicher Organist seit vielen Jahren. Genauer gesagt, seit seiner Kindheit. Eine Zeichnung, die er als fünfjähriger Knabe im Jahr 1973 malt, zeigt seine Begeisterung für die Königin der Instrumente, die seither in ihm schlummert: Auf dem Bild ist die Orgel der St. Josefkirche in Dietikon in blauer Farbe zu erkennen. Rechts unter der Empore deuten gemalte Striche die Bänke dieser 1968 eingeweihten Kirche an. Auf einem dieser Bänke sitzt 1973 der kleine Bernhard, schaut zur Empore hoch und fasst den Entschluss, selbst einmal Organist zu werden.

Gesagt, getan. Heute Abend lädt er zu seinem 40-jährigen Organistenjubiläum ein. Mit dem Geburtsjahr 1968 eine durchaus überraschende Ansage, aber Hörler war in der Tat erst elfjährig, als er sein Debut in ebendieser gemalten Kirche St. Josef in Dietikon gab. Und genauso wie für den Jungen damals steht für ihn auch heute noch fest: Ohne Orgel kein Leben.

Auch Fieber hält ihn nicht von seiner Leidenschaft ab

Weit über 600 Einsätze hat Hörler jährlich. Über 400 Gottesdienste werden von ihm musikalisch begleitet. Hinzu kommen weitere Engagements im In- und Ausland. Jeden Freitagabend lädt er zudem zur Feierabendmusik in die Stadtkirche St. Agatha ein; eine Konzertreihe, die er 2002 ins Leben rief. «Es gibt viele, die würden sich darum reissen, an einer solch schönen Orgel wie die in der St. Agatha spielen zu können», sagt er. Auf ein kurzfristiges Einspringen als Ersatz können Organisten aber lange warten, denn Hörler hat auf seinem musikalischen Weg so gut wie nie gefehlt. «Krank sein, was ist das?», sagt er und lacht. Auch wenn ihn das Fieber einhole, halte ihn das niemals von seiner Liebe, dem Orgelspiel, ab. «Ich möchte nicht fehlen, warum auch, es ist meine Leidenschaft. Nur einmal musste ich mir auf dem Weg ins Spital eingestehen, dass ich einen Ersatz suchen muss», erzählt er. Er habe zwar mit einem dick angeschwollenen Fuss aufgrund der gerissenen Bänder nach einem unglücklichen Treppensturz zunächst noch zu spielen versucht, bevor er sich aber doch für die Notaufnahme entschieden habe.

Tagebücher zeugen von seiner Begeisterung

Dieser unbändige Drang nach dem Orgelspiel spiegelt sich auch in seinen Tagebüchern und Aufsätzen wieder, die er zu Schulzeiten verfasst: «Seit ich in Frankfurt war, durfte ich nicht mehr an die Orgel. Da habe ich fast jeden Tag einen Motzkopf gemacht», steht etwa in Schnörkelschrift in einem Eintrag von 1979 geschrieben. «Meine eigentliche Premiere als Organist feierte ich in einem Gottesdienst in Frankfurt-Rödelheim, weil meine Grossmutter dort lebte», erzählt Hörler. Auch über die Einsätze an den Schülergottesdiensten, die er kurz darauf in Dietikon fortan begleitete, sind Einträge zu finden: «Seit dieser Zeit bin ich jetzt Schülergottesdienstorganist. Das ist jetzt mein liebstes Hobby», schreibt der junge Bernhard mit elf Jahren. Diese Texte habe er erst im Februar 2019 wieder entdeckt. Sie haben ihn sehr bewegt, erzählt er.

Hörler ist in Dietikon aufgewachsen und kann sich an sehr viel aus seiner Kindheit erinnern. Auch daran, dass bei seinen Mitschülern sein Hobby nicht immer gut ankam. Oder an seine strenge Klavierlehrerin, die ihm das Spielen einst beibrachte. Seine erste feste Stelle als Organist tritt Hörler schliesslich im Jahr 1984 in der St. Mauritiuskirche in Oberengstringen an. Nach dem Diplom an der Musikakademie Zürich führten ihn weitere Studienreisen in ferne Länder, um sich musikalisch weiter auszubilden.

«In Honduras hat es keine Orgel, was soll ich da?»

«Ich bin ein emotionaler Mensch», sagt er über sich. Er fühle sich wie 25, sei aber 51, sodass es auch für ihn manchmal absurd sei, dass er nun ein 40-jähriges Jubiläum feiern könne. Den Abend zur Feier werden die Aarauer Turmbläser mitgestalten. Zur Feier des Tages hat er ein neues Stück komponiert, das an diesem Konzert uraufgeführt wird.
Sein Wunsch für die Zukunft geht in die gleiche Richtung, wie der bisher gewählte Weg. So war auch der Vorschlag einer früheren Freundin, nach Honduras auszuwandern sehr schnell versandet. «In Honduras hat es keine Orgel, was soll ich da?», habe er ihr geantwortet. Die Bretagne als neue Heimat habe er sich einmal überlegt. Das sei für Organisten ein Traumort, aber auch das sei kein Thema. «Wieso soll ich weggehen? Ich bin im Limmattal zuhause und hier kann ich etwas bewirken», sagt er. Das Einzige, was er sich noch wünschen könne, sei es, dass er noch viele Jahre in der St. Agathakirche spielen könne. «Die Empore ist mein zweiter Wohnort.»

Es ist gut möglich, dass auch sein jüngerer achtjähriger Sohn Noah einst in seine Fussstapfen treten wird. So zeigte dieser bereits mit sechs Jahren wahres Talent am Klavier. «Wenn er etwas anderes machen möchte, dann ist das natürlich auch in Ordnung. Im Moment interessieren ihn die Dinosaurier mehr», erzählt er.

Hörler weiss auch bereits, wie er in vielen Jahren einst von dieser Welt gehen möchte: «Es wäre doch schön, so zu gehen, wie der Organist Louis Vierne einst in Paris», sagt er. Der begnadete Organist der Kathedrale Notre-Dame verstarb während einem Orgelkonzert. Zufälligerweise geschah dies am 2. Juni 1937. Am selben Tag also, an dem 31 Jahre später Bernhard Hörler als neuer begeisterter Organist das Licht der Welt erblickte.

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Autor

Cynthia Mira

Cynthia Mira

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