Dietikon

Der Amateur Fotoclub Dietikon feiert Jubiläum: Seit 95 Jahren fasziniert die Fotografie

Die Mitglieder des Amateur Fotoclub Dietikon begehen ein stolzes Jubiläum mit einer speziellen Ausstellung.

«Die erste Spiegelreflex war eine Anschaffung – die kaufte ich mit meinem ersten Lohn», sagt Jürg Brenner. Er ist schon am längsten dabei beim Amateur Fotoclub Dietikon, der nun sein 95-jähriges Bestehen feiert.

Gegründet wurde der Fotoclub am 7. Juli 1925 nach einem Aufruf in der Zeitung. Gefeiert wird das Jubiläum mit einer Fotoausstellung vom 24. Oktober bis zum 1. November im Gleis 21. Der Amateur Fotoclub freut sich, Stadtpräsident Roger Bachmann (SVP) begrüssen zu dürfen: «Wir haben das Glück, dass er eine Ansprache hält», sagt Paul Jenni, Aktuar des Fotoclubs. Natürlich habe man bei der Ausstellung und der Vernissage auch ein Schutzkonzept.

Jubiläumsausstellung mit persönlicher Auswahl der Fotografen

Der Fotoclub hat den Mitgliedern dieses Mal keine Themenvorgaben für die Ausstellung gemacht. «Jedes Mitglied hat das gebracht, was ihm zusagt. Es sind seine Bilder», betont Brenner. Die Mitglieder hätten verschiedene Schwerpunkte bei ihrer Fotografie: Von Detailaufnahmen über Landschaften bis hin zur Makrofotografie sei alles dabei, sagen Jenni und Brenner. «Wir legen immer mal wieder selbst einen Fokus. Letztes Jahr haben wir uns in der Porträtfotografie versucht», sagt Jenni.

Früher hatte der Fotoclub sogar ein eigenes Studio in Dietikon an der Steinmürlistrasse. Als das Gebäude umgebaut wurde, entschied sich der Fotoclub dazu, das Studio aufzugeben. Der Fotoclub besitzt nun aber eine Studioblitzanlage. «Die haben wir von der Stadt Dietikon zur Ausstellung im Jahr 2000 geschenkt bekommen», sagt Brenner. Leider werde sie im Moment eher zu wenig genutzt, da bei der Digitalfotografie bei breiteren Lichtverhältnissen fotografiert werden könne.

«Die modernen Kameras verfügen über eine Programmautomatik, wir arbeiten aber meist mit dem Manuellbetrieb», sagt Jenni. Dann stelle sich die Frage von der Belichtungszeit, der Blende, der Bildgestaltung. «In einem Fotoclub beschäftigt man sich mit solchen Dingen. Und das ist auch sichtbar im Resultat», findet Jenni. Diese Resultate werden nun an der Jubiläumsausstellung und beim jährlichen clubeigenen Wettbewerb präsentiert. Dieses Jahr sei dabei das Motto «Ausgedient» gewesen, nächstes Jahr werde man sich mit dem Thema «Spiegelungen» beschäftigen, sagt Jenni. Zudem beteiligen sich die Mitglieder auch an Fotowettbewerben anderer Fotoclubs oder des Schweizerischen Dachverbandes Photosuisse.

Neue Technik bringt neue Möglichkeiten

Laut Brenner machen die Mitglieder inzwischen vieles von zu Hause aus. «Im Gegensatz zu früher braucht es immer mehr Bearbeitung am PC», findet auch Jenni. Hierbei eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten. Jenni nennt das Photostacking als Beispiel. Dabei werden viele digitale Fotografien mit verschiedenen Schärfenebenen übereinandergelegt, um ein Bild zu erreichen, das eine flächendeckende Schärfe hat. Brenner erwähnt das High-Dynamic-Range-Verfahren (HDR). Bei diesem werden verschieden belichtete Fotografien desselben Motivs aufgenommen und daraus ein Bild erstellt. Dadurch kann einer Unter- oder Überbelichtung entgegengewirkt werden und Details bleiben erhalten.

Über verschiedene Techniken tauschen sich alle Mitglieder an den monatlichen «Höcks» des Fotoclubs aus, die nun wegen des Coronavirus einige Male ausfielen. An diesen würden sie ihr grosses Wissen gerne weitergeben, allerdings hat der Fotoclub Nachwuchsprobleme. Im Moment weist er 41 Mitglieder auf, darunter befinden sich aber nur noch 14 Aktivmitglieder. «Zwischendurch hatten wir einmal 90 Mitglieder, das war in den 1970er-Jahren», sagt Brenner. Jenni sieht die Schnelllebigkeit und die ständige Verfügbarkeit als Auslöser. «Heute braucht man die wenige Freizeit, um sich zu erholen und möchte dann nicht um acht Uhr abends noch in einen Club gehen», meint Jenni. Brenner glaubt auch, dass die Fotografie früher noch spezieller gewesen sei. «Heute fotografiert jeder.»

Der Weg zur Fotografie fanden sie auf unterschiedliche Weise

Doch wie sind die Mitglieder überhaupt zur Fotografie gekommen? «Das ist sehr individuell. Bei mir ist der Vater schuld, bei vielen anderen auch», meint Brenner scherzhaft. «Es ist das Interesse, etwas im Bild festzuhalten», ergänzt er. Jenni findet, dass die Fotografie dazu führt, dass einem die Umgebung viel bewusster wird. «Wenn Sie eine Kamera dabeihaben, sehen Sie die Dinge anders. Sie schauen auf die Umgebung, auf das Licht», sagt er. Wegen der Lichtverhältnisse sei der Morgen und der Abend spannend für Fotografen. Gerade mit dem Handy stiessen viele dabei schnell an die Grenzen. «Das Handy ist für Schnappschüsse genial. Wenn wir aber bewusst fotografieren gehen, dann nehmen wir das entsprechende Equipment mit», sagt Jenni. Sie hatten dennoch schon unbewusst ein Handy-Foto im Jahreskalender. Das sähe man dem Bild aber nicht an. «Es gibt darum auch keine Vorschrift, welche Kamera man verwendet. Wichtig ist das Resultat», sagt Brenner.

Jenni und Brenner warnen trotzdem vor den Risiken der Digitalisierung. Viele wüssten nicht, dass die digitalen Daten gepflegt werden müssten. «Wenn ich ältere Familienbilder auf dem PC öffne, fragt mich das Programm schon, ob ich das Foto auch zukünftig lesbar abspeichern möchte», sagt Jenni. Wenn dies nicht gemacht werde, könne es bei vielen in 20 Jahren Tränen geben, da die Dateien nicht mehr lesbar seien. «Wir kommen nun in eine ganz schnelle Zeit. Wir haben keine sichere Speichergarantie.»

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