Schlieren
Das WC, das eine zweite Chance erhält

Die SBB öffnen die Toilette am Bahnhof Schlieren wieder – die Stadt steuert 60000 Franken dazu bei.

Alex Rudolf
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Im ehemaligen Männer-WC am Schlieremer Bahnhof eröffnete diese Woche eine neue Toilette. Die ehemalige Damentoilette bleibt geschlossen.

Im ehemaligen Männer-WC am Schlieremer Bahnhof eröffnete diese Woche eine neue Toilette. Die ehemalige Damentoilette bleibt geschlossen.

Alex Rudolf

Dies dürfte eine erfreuliche Nachricht für Pendler sein, die über den Schlieremer Bahnhof verkehren. Seit dieser Woche ist die WC-Anlage im alten Bahnhofsgebäude nach fünf Jahren wieder geöffnet. Geschlossen wurde sie zuletzt, weil sie nach Ansicht der SBB zu stark verunreinigt und beschädigt wurde. Heute erstrahlt sie auf Wunsch der Schlieremer Bevölkerung in neuem Glanz. Mit einer Chromverkleidung sowie mit bläulich schimmernder Beleuchtung ausgestattet, stehen den Pendlern eine Toilette, ein Pissoir sowie ein Spülbecken zur Verfügung.

Albert Schweizer von der Stadt Schlieren ist begeistert. «Beim neuen WC handelt es sich um eine Hightech-Toilette, die dazu noch behindertenbegehbar ist», sagt er. Mit Hightech meint Schweizer, dass das neue stille Örtchen sehr pflegeleicht, der Komfort für die Benutzer derweil sehr hoch sei. Selbstreinigend ist die neue WC-Anlage zwar nicht, sie könne jedoch leicht mit Wasser ausgespritzt werden. Der Aufwand bleibe auf einem geringen Niveau.

Dieser WC-Eröffnung gingen über zweieinhalb Jahre andauernde Verhandlungen mit den SBB voraus, wie Schweizer erklärt. So wuchs der Wunsch der Bevölkerung nach der Schliessung im Jahr 2009, wieder eine Toilette am Schlieremer Bahnhof errichten zu lassen.

Aufwand sei grösser als Nutzen

«Die SBB stellten sich lange auf den Standpunkt, dass jeder Zug mit einem WC ausgestattet sei und die Unterhaltsarbeiten der Toilettenanlagen am Schlieremer Bahnhof in keinem Verhältnis zum Nutzen stünden», so Schweizer. Die Lösung, dass die Stadt die Hälfte der Kosten für die Erstellung und den Unterhalt übernimmt, war dann für beide Parteien die wegweisende. So sprach der Schlieremer Stadtrat im letzten Sommer einen Kredit in der Höhe von 90 000 Franken. Davon entfallen 60 000 Franken auf die WC-Anlage am Bahnhof Schlieren, wobei der Betrag über zehn Jahre in 6000-Franken-Tranchen entrichtet wird. Die übrigen 30 000 Franken werden für eine WC-Anlage am Bahnhof Urdorf investiert, der auf Gebiet der Stadt Schlieren liegt.

Das neue WC stelle einen eindeutigen Mehrwert für die SBB-Kunden dar, sagt Markus Rast von SBB Immobilien. Damit nicht wieder ähnliche Verhältnisse wie vor fünf Jahren entstehen, wurden verschiedene Massnahmen getroffen. So kostet die Benutzung der Anlage neu einen Franken. Wird dieser nicht bezahlt, bleibt die Tür der Toilette geschlossen. «WCs, die kosten, werden nach unseren Erfahrungen weniger oft beschädigt», so Rast. Auch sei positiv, dass bei der Innenraumgestaltung neu alles aus einem Guss komme. Der WC-Deckel könne nicht mehr herausgerissen werden und die glänzende Chromoberfläche komme sauber und anständig daher. «Daneben, dass es nicht mehr so einfach ist, die Anlage zu beschädigen, sieht sie auch gut aus. Das mindert die Lust, etwas daran zu zerstören», so Rast.

Kooperation ist erwünscht

Die Lust, eine Toilette zu beschädigen oder zu verunreinigen, werde ebenfalls gemindert, wenn eine diese stets sauber daherkomme. Durch die Putzequipe der SBB wird das WC einmal täglich gereinigt und zusätzlich einmal pro Tag kontrolliert. «Besteht bei dieser Kontrolle Reinigungsbedarf, so wird dies erneut getan», sagt Rast.

Dass die SBB zur Finanzierung von WC-Anlagen gemeinsame Sache mit Gemeinden und Städten machen, soll in Zukunft vermehrt vorkommen. «Seit etwa drei Jahren suchen wir diese Partnerschaften in der Region», so Rast. Das Angebot stosse auf reges Interesse. Zurzeit sind Projekte von WC-Anlagen, bei denen auch die öffentliche Hand einen finanziellen Teil – in der Regel die Hälfte – dazu beiträgt, auf verschiedenen Bahnhöfen in der Ostschweiz in Planung.

Auch Beteiligung bei Veloplätzen

Rast verweist darauf, dass die SBB nicht nur in Sachen Toilettenanlagen auf Partnerschaften setzt. So sind auch verschiedene Velo-Abstellplätze in den Regionen geplant, bei denen die öffentliche Hand finanziell einspringt. So sei man beispielsweise momentan in Gesprächen mit der Stadt Dietikon zur Erweiterung des «Bike&Rail»-Abstellplatzes.

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