Schlieren

Das Schützenhaus soll 2022 zugunsten der Biodiversität verschwinden

Das Schützenhaus Im Horgen auf dem Schlieremer Berg wird schon seit bald 20 Jahren nicht mehr von Schützen genutzt.

An seiner von Montagabend schrieb das Schlieremer Parlament mit dem Einverständnis von Dominik Ritzmann (Grüne) dessen Vorstoss ab.

Mit seinem Postulat will Dominik Ritzmann, grüner Gemeinderat und Präsident der SP/Grüne-Fraktion, dafür sorgen, dass es auf dem Schlieremer Berg mehr Biodiversität gibt. So fragte er den Stadtrat im vergangenen Februar, ob er nicht das Schützenhaus Im Horgen abreissen lassen und das Land der Natur und der Bevölkerung als Erholungsgebiet zur Verfügung stellen könnte. Der Stadtrat erachtet den Abbruch als Möglichkeit ab 2022, wenn dann ein detailliertes Konzept zur Aufwertung des gesamten Schlieremer Bergs vorliegt. Daher empfahl er dem Schlieremer Parlament an seiner Sitzung von gestern Abend, den Vorstoss abzuschreiben. Für diese Abschreibung sprach sich auch Ritzmann aus. «2022 ist auch für eine ungeduldige Seele wie mich eine absehbare Dauer», sagte er.

In seinem Postulat führte Ritzmann aus, dass anstelle des 1966 erbauten Gebäudes, das seit beinahe 20 Jahren nicht mehr von Schützen genutzt werde, eine Zone mit ökologischer Vielfalt entstehen könne. Zudem würden Naherholungsgebiete für Städte wie Schlieren, wo mehr und mehr verdichtet werde, immer wichtiger. Ritzmann ortet aber auch einen finanziellen Vorteil für die Stadt. 2017 kostete der Unterhalt rund 28 500 Franken, die Mietzins-Einnahmen beliefen sich aber auf lediglich auf 2000 Franken.

In den nächsten ein bis zwei Jahren werde die Abteilung Bau und Planung der Stadt eine Potenzialanalyse erarbeiten und anschliessend ein Landschaftkonzept erstellen, schreibt der Stadtrat in seiner Antwort. So ist eine Aufwertung des Gebiets bereits seit längerem vorgesehen – sowohl im neusten Stadtentwicklungskonzept als auch im kommunalen Richtplan Siedlung und Landschaft. «Die Qualitäten des Naherholungsgebiets Schlieremer Berg werden behutsam weiterentwickelt. Dazu gehören sowohl der Wald als auch die Agrarlandschaft», heisst es.

Abriss war erst gar nicht vorgesehen

Weiter hielt der Stadtrat in seinem Regierungsprogramm 2018 bis 2022 fest, dass er die Begegnung der Bevölkerung in Zonen für Freizeitaktivitäten wie etwa dem Schlieremer Berg fördern wolle. Da das Gebäude aktuell in einer sogenannten Freihaltezone liegt, sind bauliche Massnahmen nicht erlaubt. Aus diesem Grund habe der Stadtrat 2015 beschlossen, dass das Schützenhaus nicht rückgebaut, sondern vermietet werden soll. Neben einem Landwirtschaftsbetrieb auf dem Schlieremer Berg mietet es auch der Hundeclub Limmattal. Doch nun folgte die Planänderung: «Nach Vorliegen des Konzepts für die Aufwertung des Schlieremer Bergs soll das Schützenhaus doch zum Abbruch freigegeben werden», schreibt der Stadtrat. Nach Abwägung aller Fakten sei dies die favorisierte Variante.

Ritzmann: «Man sieht beinahe nur Krähen»

Ritzmann verwies in seinem Votum von gestern Abend auf die Wichtigkeit des stadträtlichen Vorhabens: «Man sieht beinahe nur Krähen auf dem Schlieremer Berg, weshalb es wichtig ist, in diesem Gebiet eine Biodiversität zu ermöglichen.»

Der örtliche Vogel- und Naturschutzverein Schwalbe steht ebenfalls hinter dem Anliegen des grünen Gemeinderates und befürwortet den Abriss. Präsidentin Monica Laim-Graf sagte gegenüber dieser Zeitung, dass Naturschutzmassnahmen dringend notwendig seien, da der Schlieremer Berg nicht sonderlich artenreich sei. Grosse Massnahmen seien dabei gar nicht notwendig, da bereits das Pflanzen von einheimischen Büschen und Hecken ausreichen könne.

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