Urdorf

Catering kämpft sich mit Kreativität durch die Corona-Krise

Statt schöne Plättli zu machen, füllt sie heute coronabedingt auch einmal Tüten mit Esswaren: Caroline Maurer von Dine & Shine.

Statt schöne Plättli zu machen, füllt sie heute coronabedingt auch einmal Tüten mit Esswaren: Caroline Maurer von Dine & Shine.

Caroline Maurer hat das Dine & Shine in Urdorf übernommen. Sie setzt auf originelle Ideen, um den Unsicherheiten zu begegnen.

Der Sitz des Caterings für ausgefallene und gehobene Events befindet sich in einem unscheinbaren Industriegebäude in Urdorf. Caroline Maurer, seit September Geschäftsleiterin von Dine & Shine Catering, geht an der als Geschmackslabor beschrifteten Küche vorbei, hinein in die chic eingerichtete Traumfabrik. «Hier entscheiden unsere Kunden über das Essen ihrer Events», sagt sie.

An der holzverkleideten Wand hängen Pfefferstreuer, Bilder und Kochlöffel. Spots setzen die Geräte im schwarz bemalten Raum in Szene. «Details sind uns wichtig», sagt die 34-jährige Geschäftsleiterin. Ihre Events sollen auffallen: Zu diesem Zweck wird der Apéro auch einmal auf einem Bilderrahmen serviert.

In den letzten Monaten waren kreative Ideen aber nicht nur ein Marketingmerkmal, sondern überlebensnotwendig. Um einen Apéro coronakonform durchzuführen, musste sich Maurer einiges einfallen lassen. An der Xaver-Awardshow verteilten ihre Angestellten deshalb sogenannte Foodbags – braune Tüten mit Essen und Trinken. «So konnten die Leute am Platz essen. Das war die Auflage für den Apéro.» Zum Grossanlass waren rund 300 Leute geladen. Das ist das Maximum der Gäste, die Dine & Shine gegenwärtig im Durchschnitt aufgrund der strengen Corona-Auflagen bewirten darf. «Wollte man mehr Gäste empfangen, müsste man die Anwesenden in Sektoren trennen», sagt Maurer.

Letztes Jahr, als Maurer als Marketingverantwortliche zu Dine & Shine stiess, sah vieles noch anders aus. Damals war Nicolai Squarra, der heutige Leiter der Gastro- und Eventlocation im Schlieremer JED, Geschäftsführer des Unternehmens. Corona war noch nicht bekannt. Alle Events waren ausgebucht. Maurer kann sich noch genau an den Moment erinnern, als ihr bewusst wurde, dass sie als Betriebswissenschafterin in der richtigen Branche angekommen war. «Es war kurz nachdem mir die Weisheitszähne gezogen wurden. Ich kam spätabends nach einem Event nach Hause. Mir tat alles weh, meine Backe war geschwollen, aber ich war zufrieden.» 

Herantasten an die neue Normalität

In der Eventbranche geht die 34-Jährige auf: «Ein Funk im Ohr und ich renne los, dann bin ich glücklich», sagt Maurer. Organisieren, Essen inszenieren und Korken knallen lassen: Das ist das Kerngeschäft von Dine & Shine. Dabei will das Unternehmen eine breite Palette abdecken. «Wir becatern formelle Grossanlässe wie Generalversammlungen ebenso wie Mitarbeiteranlässe mit ausgefallenen Mottos», sagt Maurer.

In den letzten Monaten änderte sich ihr Alltag stark. Zurzeit gehen nicht einmal die Hälfte der Aufträge ein, die normalerweise zu erwarten wären. Noch immer sind die Mitarbeitenden in Kurzarbeit. «Auch ich beziehe Kurzarbeit, schliesslich sind wir ein Team und halten zusammen», sagt Maurer.

Nach dem Lockdown tasten sich die Kunden unsicher an die neue Event-Normalität heran. «Die Leute sind noch immer sehr zurückhaltend», stellt Maurer fest. Planbar ist kaum mehr etwas. Der Autosalon in Genf zeigte den Extremfall. Erst als das Dine & Shine bereits vor Ort war, erreichte den Projektleiter die Absage des Grossanlasses. «Danach mussten wir Hunderte Muffins und andere Lebensmittel verteilen», sagt Maurer.

Statt immer grösser wird es nun immer kontaktloser

War es bis anhin schwierig die Essmengen zu berechnen, so ist es mittlerweile fast unmöglich. Um die Reste verwerten zu können und nicht fortwerfen zu müssen, schweben Maurer bereits neue Konzepte vor. «Man darf jetzt nicht den Kopf in den Sand stecken und resignieren. Es gibt noch so viele tolle Ideen», sagt sie. Sie habe ein Team zusammengestellt, mit dem sie alternative Ideen entwerfe. Es ist ihr wichtig, dass diese gemeinsam entwickelt und auch durchgeführt werden. Spruchreif seien diese aber noch nicht.

Denn noch ist es zu früh für die grossen Revolutionen bei Dine & Shine. Der neue Alltag muss sich erst einpendeln. Hiess es früher, je ausgefallener und grösser der Event desto besser; so ist heute vor allem die Devise, dass alles möglichst sicher und kontaktlos über die Bühne gehen muss.

Dafür bespricht das Team alle Events mit der jeweils zuständigen kantonalen Behörde. Da die Weisungen manchmal täglich ändern, reicht ein Telefonat aber meist nicht. Momentan dürfe sie beispielsweise in Zürich Steh-Apéros nur für bis zu 100 Personen anbieten, im Kanton Aargau sei dies anders. Das führe zu zeitaufwendigen Verhandlungen mit den Kunden. «Wir wollen nichts anbieten, was den Richtlinien widerspricht, deshalb müssen wir uns ständig auf dem Laufenden halten», sagt Maurer.

Diese Woche bewirtete sie den Eröffnungsanlass für den Circle am Flughafen Zürich. Wie viele Gäste es genau waren, erfuhr sie erst kurz vor dem Anlass. Die Spontaneität und Verunsicherung zeigen sich auch in den kurzfristigen Absagen. «Erfahrungsgemäss steigen und sinken die Zahlen der An- und Abmeldungen analog zur Corona-Infektionskurve», sagt Maurer. Das macht ihr Geschäft nicht einfacher.

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