Sommerliche Landschaften, grüne Bäume und orange-gelbe Felder. Wer die Büro-Räume der L+A Steuerberatung und Vermögensverwaltung in Altstetten betritt, dem stechen sofort die leuchtenden Farben der an den Wänden hängenden Bilder in die Augen. Die Ölmalereien stammen allesamt aus dem Nachlass des lokal bekannten Limmattaler Künstlers Hermann Brodhag. 2017 verstarb dieser im Alter von 94 Jahren. Geboren wurde Brodhag in St. Gallen, bis zu seinem Tod wohnte er jedoch 54 Jahre lang an der Suracherstrasse in Uitikon-Waldegg.

Brodhag wollte ursprünglich Grafiker werden und besuchte die Kunstgewerbeschule in St. Gallen. Schlussendlich machte er jedoch eine Lehre als Kaufmann und baute später sein eigenes Geschäft auf. Seiner grössten Leidenschaft, der Kunst, blieb er aber immer treu. Er gehörte einer lokalen Künstlergruppe um den Birmensdorfer Karikaturisten Fredy Sigg an, der mit seinen Cartoons im «Nebelspalter», im «Beobachter» und in der «Züri-Woche» bekannt wurde. Die beiden Künstlerfreunde begaben sich zusammen auf diverse Malreisen und haben ihre Werke gemeinsam in der Galerie Sanapark in Birmensdorf und in der Aescher Galerie «Zum Schüürehuus» ausgestellt.

Büro wird zum Ausstellungsraum

Heute Freitagabend findet nun die Vernissage zur Ausstellung der Bilder aus Brodhags Nachlass statt. Diese sind noch bis Ende Juni zu den üblichen Bürozeiten in Altstetten zu bewundern und auf Voranmeldung allen Kunstliebhabern zugänglich. Die meisten der Werke wurden bereits im Mai 2018 in der Kirche Wettswil ausgestellt. Dass sie nun in ein Treuhandbüro gelangten, ist der Geschäftsleitung zu verdanken. «Die Kunst ist unser Hobby», sagt Rocco Maiullari über sich und seinen Kollegen Urs Appenzeller, mit dem er sich die Geschäftsleitung der L+A- Steuerberatung und Vermögensverwaltung teilt. Nicht zum ersten Mal wird ihr Büro zum Ausstellungsraum.

An Brodhags Bilder kamen die beiden Birmensdorfer über geschäftliche Kontakte zu seiner Nichte und seinem Neffen. Diese wollten nach dem Tod ihres Onkels dessen restliche Bilder verkaufen, da nicht alle einen Platz bei Familienmitgliedern und Freunden fänden. «Das Ziel der Ausstellung ist es, die Bilder unter Leute zu bringen. Sie sollen nicht einfach in einem Keller verstauben», sagt Maiullari.

Den Zeitraum hätten sie gezielt gewählt, da das Treuhandbüro zwischen März und Juni am meisten Kunden habe. «Wir haben schon ein paar Interessenten, obwohl die Ausstellung erst heute durch die Vernissage offiziell eröffnet wird», so der Geschäftsleiter. Ein Kunde habe sogar schon ein Bild gekauft. «Normalerweise kann man die Werke erst zum Schluss einer Ausstellung mitnehmen. Wir sind da aber nicht so streng, weil wir genug Reservebilder haben.»

Von düster zu farbenfroh

Brodhag malte hauptsächlich mit Ölfarben, wodurch die Farbtöne besonders leuchtend zur Geltung kommen. Die meisten seiner Malereien sind von warmen Gelb-, Rot-, Orange- und Ockertönen geprägt. «Brodhags Kunst gefällt mir sehr. Die Bilder schaffen eine besondere Atmosphäre und die Farben sind sehr intensiv», sagt Maiullari. Die Landschaftsbilder, die in den Gängen des Büros ausgestellt werden, sind während Brodhags und Siggs gemeinsamen Malferien im Süden entstanden. Besonders die Provence und die Toskana hatten es den Künstlerfreunden angetan.

Ein Bild gleich neben der Eingangstür fällt jedoch besonders auf. Es handelt sich um eine Ansicht von Uitikon, bei der dunkle Blau- und Grüntöne vorherrschen. Die Ölmalerei stammt aus dem Jahr 1968. «Brodhags erste Bilder waren etwas düsterer. Die farbenfrohen Malereien aus dem Süden wurden vermutlich erst in den 1980er oder 1990er Jahren gemalt», sagt Maiullari. Über die Entwicklung des Künstlers lassen sich nur Vermutungen anstellen, da die meisten seiner Werke nicht datiert sind. Brodhags Stillleben, die an der Ausstellung in einem Seitenbüro zu bewundern sind, seien wahrscheinlich noch vor der farbenfrohen Phase in den 1970er-Jahren entstanden.

Bei der Auswahl der 30 ausgestellten Werke hätten sich die beiden Geschäftsleiter eher für die südlichen Landschaftsbilder entschieden. Die orangen Farbtöne passen laut Maiullari besser zu ihrem Büro. Die Ansicht von Uitikon komplettiere jedoch die Ausstellung, da den Birmensdorfer Managern der Bezug zur Region wichtig ist. «Das Bild wurde vermutlich vom heutigen Parkplatz des Landgasthofs Leuen aus gemalt», sagt Maiullari, der sich in der Gegend auskennt. Brodhag selber habe auf der anderen Strassenseite gewohnt und sich neben seiner Malreisen auch von seiner Heimat zur Malerei inspirieren lassen.