April, April
Bands statt Pfarrer: Alte Kirche steht zum Verkauf

Die Urdorfer Reformierten verfügen über zwei Gotteshäuser. Das ältere soll fortan als Event-Lokal genutzt werden.

David Egger
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Alte Urdorfer Kirche
8 Bilder
Eingang der alten Urdorfer Kirche: Hinter dieser Tür sollen bald Events stattfinden.
Aus finanziellen Gründen steht die Kirche nun zum Verkauf
Auch Veranstaltungen von Freikirchen oder Bazare sind denkbar.
Ein Blick ins Innere der Kirche
Diese Orgel soll zukünftig auch Pop-Lieder begleiten.
Die Kirche ist nach dem Umbau für alle Relgionen offen...
...ob die Inschriften und Wandmalereien bestehen bleiben ist daher fraglich.

Alte Urdorfer Kirche

David Egger

Erwischt! Bei diesem Artikel handelt es sich um einen April-Scherz

Nach der Schulgemeinde und der politischen Gemeinde plagen nun auch die reformierte Kirchgemeinde von Urdorf die Finanzen. Die Investition von fast zwei Millionen Franken ins Bauprojekt Im Moos, die im Februar an der Urne bewilligt wurde, wird sich erst auf lange Sicht auszahlen. Dazu kommt, dass mit diversen Austritten aus der Kirche die Anzahl Personen sinkt, die der Kirchgemeinde Steuern zahlen. «Gerade dieser Punkt macht es für uns immer schwieriger, eine verlässliche Finanzplanung auf die Beine zu stellen», erklärt Nicole Raisle, Präsidentin der Kirchenpflege. «All das führte zuletzt zu einem strukturellen Defizit.» In einer Sitzung hat die Kirchenpflege nach dem besten Weg gesucht, die Finanzen wieder ins Lot zu bringen.

Nicole Raisle Kirchenpflege-Präsidentin

Nicole Raisle Kirchenpflege-Präsidentin

David Egger

Das Resultat: Man sieht sich veranlasst, die alte Kirche zu verkaufen. Die Verkaufseinnahmen von rund 13 Millionen Franken sollen das Loch in der Kasse bis 2024 stopfen. Laut Raisle gibt es noch weitere Vorteile. Die Infrastruktur der alten Kirche sei in der heutigen Zeit nicht mehr zumutbar und eine Gesamtrenovation könne sich die Kirchgemeinde nicht leisten. «Durch den Befall der Kirchenbänke mit Holzwürmern knarren sie. Zudem macht die laute Heizung einen besinnlichen Gottesdienst nur für fast gehörlose ältere Menschen einigermassen angenehm», so Raisle. Da die Orgel auf der Empore und im Rücken der Kirchgänger installiert ist, sei auch die Musik im Gottesdienst zweitrangig – selbst gute Musiker würden da kaum etwas nutzen. Diese Probleme sind seit längerem bekannt und sollen im Rahmen des Verkaufs nun an die Hand genommen werden.

So gibt es Geld für den Umbau

Da die Kirche vom Bund geschützt ist, will die Kirchenpflege sie an eine Eventfirma verkaufen, die die Kirche dann dem Gesetz entsprechend sanft umbaut. Trauungen und Beerdigungen sind danach immer noch möglich, aber mit zusätzlichen Kosten für die Nutzer verbunden, da man die Kirche dann von der Eventfirma mieten muss.

Darüber hinaus sollen insbesondere Konzerte und Basare in der Kirche stattfinden, aber auch Veranstaltungen von verschiedenen Freikirchen sind denkbar. Da die Eventfirma auf keine religionsabhängigen Meinungen oder Bräuche Rücksicht nehmen muss, bleibt die alte Kirche nach dem Umbau somit für verschiedene Religionen und Anlässe erhalten.
Steuerfuss muss nicht erhöht werden

Bleibt eine Frage: Wieso versucht die Kirche nicht mittels Steuerfusserhöhung die finanzielle Lage zu bereinigen und Gelder für eine Renovation der Kirche zu äufnen? «Kommt nicht infrage», sagt Nicole Raisle. «Steuererhöhungen sind in Urdorf nun mal ein heisses Eisen, das wir nicht anfassen möchten, zumindest nicht jetzt.» Der Verkauf der alten Kirche werde für die Urdorfer hingegen unproblematisch sein, zeigt sich Raisle überzeugt: «Als Event-Lokal bringt die alte Kirche allen Urdorfern und Limmattalern eine kulturelle Bereicherung. Auch das gehört zu einer gelebten Nächstenliebe.» So gesehen sei der Verkauf ein Gewinn für alle.

Keine Abstimmung nötig

Da mit den Geldern aus dem Verkauf eine Zwangsfusion mit der reformierten Kirchgemeinde Schlieren verhindert wird, handelt es sich um einen dringlichen Entscheid der Kirchenpflege, der nicht durch die Kirchgemeindeversammlung bestätigt werden muss.
Gegnern der Idee bleibt nur der Rechtsweg. Innert einer Frist von 30 Tagen liesse sich eine Beschwerde bei der Bezirkskirchenpflege einreichen. Sollte keine solche eingehen, geht der Verkauf im Mai über die Bühne. «Der Vertrag mit dem Interessenten, einer renommierten Stadtzürcher Eventfirma, liegt spruchreif bereit.», verkündet Raisle. Von Juni bis Oktober würde dann der Umbau stattfinden.