Bergdietikon

Alterszentrum Hintermatt: Jetzt ist wieder das Volk gefragt

Die Hintermatt an der Schönenbergstrasse im Bergdietiker Ortsteil Kindhausen.

Die Hintermatt an der Schönenbergstrasse im Bergdietiker Ortsteil Kindhausen.

Weniger Pflegeplätze, kleinere Altersmietwohnungen und eine neue Bushaltestelle: Ab Montag können sich die Einwohner zum geänderten Projekt äussern.

Es ist der Wiese nicht anzusehen. Aber die Hintermatt in Bergdietikon ist der Brennpunkt der Dorfpolitik. Geplant ist hier ein Alters- und Pflegezentrum. Nachdem das Bundesgericht im April 2018 eine Beschwerde eines Stimmberechtigten abgewiesen hatte, gab der Gemeinderat bekannt, dass er dennoch einen Schritt auf die Gegner zugeht: Statt auf den regionalen soll das Alters- und Pflegezentrum nunmehr nur noch auf den lokalen Bedarf zugeschnitten sein. So reduzierte die Investorin, die Oase Holding AG, in Absprache mit der Gemeinde die Anzahl Pflegeplätze von 95 auf 45. Diese hat das Aargauer Departement für Gesundheit und Soziales auf seine provisorische Pflegeheimliste aufgenommen. Ein Teil der Plätze ist auf Demenzerkrankungen ausgerichtet. Eine weitere Wohngruppe wird sich auf körperlich beeinträchtigte Betagte und chronisch kranke Menschen spezialisieren.

In einer Pressemitteilung informierte die Gemeinde gestern über weitere Anpassungen. So beinhaltet das Projekt zwar weiterhin 64 Altersmietwohnungen, aber ihre Fläche wurde um einen Drittel verkleinert, weil sich die Raumansprüche von Seniorinnen und Senioren verändert hätten, wie die Gemeinde schreibt. Die Wohnungen sind jeweils ans Notrufsystem und weitere Dienstleistungsangebote des Pflegezentrums angeschlossen. Mit der genannten Reduktion der Wohnungsfläche verkleinern sich auch die Grundrisse der Bauten. Die Abstände zwischen den Gebäuden werden grösser.

Neue Lösung für den Bus 305

Auch der Anschluss an den öffentlichen Verkehr wurde verbessert. So soll direkt vor dem Alterszentrum eine neue Buswendeschleife mit Haltestelle für die Buslinie 305 gebaut werden, die Dietikon und Bergdietikon verbindet. Der heutige Buswendeplatz mit der Haltestelle Kindhausen beim alten Schulhaus soll einer neuen Nutzung zugeführt werden. Angedacht sind Parkplätze. Zudem soll dort eine neue Entsorgungsstelle hinkommen. Die heutige befindet sich am unteren Rand der Hintermatt. Die neu geplante Bushaltestelle hat den Vorteil, dass die Senioren aus dem Bus aussteigen und direkt vor dem Zentrum stehen. Die neue Bus-Situation wurde möglich, da die Oase Holding AG Hand bot.

Diese wichtigsten Änderungen und weitere Details kann das Bergdietiker Volk ab Montag genau studieren. Ab dann bis 16. April liegen im Gemeindehaus die Akten des überarbeiteten Gestaltungsplans auf. Und jede und jeder kann Eingaben machen. «Wir laden dazu ein, mitzuwirken. Am besten ist, wenn möglichst viele Bürgerinnen und Bürger sich beteiligen, damit das Projekt möglichst breit abgestützt ist», sagt Gemeindeammann Ralf Dörig (FDP). Parallel zur Mitwirkung wird der Kanton den überarbeiteten Gestaltungsplan vorprüfen.

Mitwirkungsbericht im Sommer

Ist die Auflage abgeschlossen, werden die Eingaben geprüft. Dann wird ein Mitwirkungsbericht verfasst. In diesem wird stehen, welche Änderungen warum übernommen werden oder nicht. Ist dieser Bericht – voraussichtlich im Sommer – fertig, wird er zusammen mit dem nochmals überarbeiteten Gestaltungsplan aufliegen. Danach müssen allfällige Einwendungen behandelt werden, ehe der Kanton den Plan genehmigt. Gibt es keinen Rechtsstreit, soll dann bald das Baugesuch aufliegen. «Wir würden den Widerstand gerne im Rahmen der Mitwirkung abarbeiten. Das Projekt soll schliesslich für alle eine gute Lösung sein», sagt Dörig. Der Gemeinderat sei überzeugt, dass das auf den lokalen Bedarf ausgerichtete Alters- und Pflegezentrum «unseren Seniorinnen und Senioren für alle Lebenssituationen genau das bietet, was sie brauchen».

Heute werden Bergdietiker Senioren oft fremdplatziert, zum Beispiel in Spreitenbach. In Spitzenzeiten sind es über 30 Personen. Nicht mitgerechnet sind hier jene Einwohner, die das Dorf verlassen, bevor sie pflegebedürftig werden. «Die Leute liegen uns in den Ohren und fragen, wie lange sie noch warten müssen auf eine Lösung», sagt Vizeammann Urs Emch (SVP). Widerstand könnte es aber auch beim neuen Gestaltungsplan geben. Für den Gemeinderat ist aber klar: Er hat einen Auftrag des Souveräns.

Unveränderter Verkaufspreis

Auch teilte der Gemeinderat gestern mit, dass er den Hintermatt-Kaufvertrag mit der Oase Holding AG bis Ende 2023 verlängert hat. Der Kaufpreis bleibt bei 4,39 Millionen Franken, obwohl das Projekt verkleinert wurde. «Wir werten das als Verhandlungserfolg», sagt Dörig. Erstmals beschloss die Gemeindeversammlung 2012 den Landverkauf für das Alterszentrum.

Während der Mitwirkung gibt es Sprechstundentermine. Am 20. März (18 bis 21 Uhr), am 22. März (16 bis 18 Uhr) und am 11. April (19 bis 21 Uhr) stehen der Gemeinderat und Vertreter der Oase Holding AG im Gemeindehaus bereit.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1