Spital Limmattal

Als die Gemeinden die Initiative ergriffen – so entstand das «grösste Bauwerk des Limmattals»

Das Spital Limmattal (das Bild zeigt einen Arbeiter im Jahr 1966) entstand quasi auf der grünen Wiese in Schlieren.

Das Spital Limmattal (das Bild zeigt einen Arbeiter im Jahr 1966) entstand quasi auf der grünen Wiese in Schlieren.

Bereits in den 1950er-Jahren wurde wegen der Bettennot in der Stadt Zürich der Ruf nach einem Spital im Limmattal laut. Vor 50 Jahren, am 1. Mai 1970, konnte das Spital Limmattal schliesslich seinen Betrieb aufnehmen.

Von einem «stolzen Monument regionaler Zusammenarbeit» war die Rede. Mit grossen Worten wurde in den Berichterstattungen nicht gespart, als das «grösste Bauwerk des Limmattals» vor 50 Jahren, Anfang März 1970, feierlich eingeweiht und der Bevölkerung Einblick in ihr neues Spital gewährt wurde. Es war in der Tat ein imposanter Bau.

Seit dem Spatenstich im Jahr 1965 waren auf der einst grünen Wiese in Schlieren, im Grenzgebiet zu Urdorf und Dietikon, das Hauptgebäude mit dem Bettenhochhaus, Personalhäuser, eine Schwesternschule und eine Kapelle entstanden.

Für die Erstellung der Rohbauten des damals modernsten Spitals der Schweiz wurden 2000 Tonnen Eisen benötigt, das mit 24000 Kubikmeter Beton ummantelt wurde, wie die Zeitungen vorrechneten. Die Kosten für das Akutspital mit seinen 406 Pflegebetten beliefen sich auf 70 Millionen Franken.

Bettennot in den Spitälern

Doch viel wichtiger als diese Zahlen war die Tatsache, dass das Limmattal nun endlich über ein eigenes Spital verfügte. Den Einwohnerinnen und Einwohnern blieb der Gang nach Zürich bei einem Leiden von nun an erspart. Bereits in den 1950er-Jahren zeichnete sich ab, dass dieses System für die Gesundheitsversorgung der Limmattaler Bevölkerung angesichts des Wachstums der Stadt und der umliegenden Gemeinden bald an seine Grenzen stossen würde. «Die anhaltende und stets zunehmende Bettennot in den Spitälern in der Stadt Zürich macht sich nicht nur in der Stadt selbst, sondern auch in weitgehendem Masse bei der umliegenden Landschaft erheblich bemerkbar.

Viele Patienten, die notwendigerweise in ein Spital eingewiesen werden sollten, müssen oftmals lange Wartezeiten auf sich nehmen», schrieb der damalige Schlieremer Kantonsrat Ernst Kessler in seiner am 1. April 1957 eingereichten Kleinen Anfrage. Er wollte vom Regierungsrat wissen, ob dieser Schritte in die Wege leiten könne für den Bau eines Spitals im Limmattal. «Die Bevölkerung des Limmattals ist ausschliesslich auf die Spitäler Zürichs angewiesen, und es würde zweifellos im Interesse dieser Landbevölkerung sowie auch im Interesse der Zürcher Spitäler liegen, wenn im Limmattal in absehbarer Zeit ein Spital erstellt werden könnte», so Kessler.

Die Gemeinden waren gefordert

In seiner Antwort zeigte sich der Regierungsrat grundsätzlich mit Kessler einverstanden. «Die Einwohnerzahl des Limmattals hat sich in den letzten Jahren stark erhöht und wird voraussichtlich weiter zunehmen. Sie ist heute schon so gross, dass sie die Errichtung eines eigenen Kreisspitals rechtfertigen würde», hielt er fest. Allerdings müsse die Initiative für einen Spitalbau von den interessierten Gemeinden ausgehen. Und so kam es dann auch.

Bereits wenige Monate nach der regierungsrätlichen Antwort fand eine erste Versammlung von Vertretern der elf heutigen Bezirksgemeinden über die Gründung und Konstituierung einer Körperschaft für ein Spital im Limmattal statt, wie Peter Voser im Schlieremer Jahrheft von 2018 schreibt. Doch noch im selben Jahr schied Uitikon aus dem Spitalverband aus. Die Gemeinde entschied sich für den Anschluss an das sich ebenfalls in Planung befindliche Stadtspital Triemli.

Eine erste Frage, die der Verband zu klären hatte, war jene nach dem Standort des Spitals. Urdorf favorisierte das sanft ansteigende Gelände beim Honeret, wie Paul Stiefel, erster Verwaltungsdirektor am Spital Limmattal, im Dietiker Neujahrsblatt 2001 schreibt. Dass der Entscheid dann auf den heutigen Standort fiel, hatte mit dessen Vorzügen zu tun. I

nsbesondere die Nähe zum Bahnhof Urdorf sprach für einen Spitalbau südlich des Schönenwerds im sogenannten «Looren». Der Landerwerb ging danach ohne grössere Probleme über die Bühne. Bis Ende 1960 konnte sich der Spitalverband im «Looren» 38086 Quadratmeter Land sichern. Der Quadratmeterpreis bewegte sich zwischen 28 Franken und 41.50 Franken. Danach ging es um die Konkretisierung eines Neubauprojekts.

Ein Glücksfall sorgte für genügend Pflegepersonal

Die Limmattaler standen dem Projekt wohlwollend gegenüber. Alle Verbandsgemeinden stimmten 1963 einem Bruttokredit von 53 Millionen Franken für die Erstellung des Kreisspitals Limmattal zu. Und auch im Kanton, der dem Spitalverband einen Staatsbeitrag von 50 Prozent an die Baukosten zusicherte, gab es wenig Widerstand. Am 5. Juli 1964 bewilligten die Stimmberechtigten den Kredit mit 100514 Ja- zu 11'207 Nein-Stimmen. Dem Bau stand nun nichts mehr im Wege.

In jenen Jahren begannen sich die Verantwortlichen auch mit der Rekrutierung des Krankenpflegepersonals auseinanderzusetzen. Es erwies sich als Glücksfall, dass mit dem Institut Ingenbohl ein Vertrag unterzeichnet werden konnte, der die Verlegung der bestehenden Schwesternschule Theodosianum von Zürich ins Limmattal beinhaltete. Der Spitalverband baute die Gebäude der Schule und vermietete diese an die weiter selbstständige Schwesternschule. Damit konnte stets genug Pflegepersonal gesichert werden.

Knapp zwei Monate nach den Eröffnungsfeierlichkeiten nahm das «Limmi» am 1. Mai 1970 seinen Betriebt auf. Es war kurz vor 9 Uhr, als der erste Patient eintraf. Ein junger Mann mit Magenbluten wurde per Krankenwagen nach Schlieren gebracht. Dort ging es unverzüglich in die Notfallstation. Die Maschinerie war angelaufen. Zwei Tage später, am 3. Mai um 12.20 Uhr, erblickte das erste Kind das Licht der Welt im neuen Spital. Es war ein Mädchen.

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