Fahrweid

«Parkplätze sind nicht notwendig» - Forum Weiningen fordert günstigeres Strassenprojekt

Verzicht auf Bäume entlang der Fahrweidstrasse: Das Forum Weiningen will verhindern, dass Weiningen zu viel für die Verkehrsentlastung ausgibt.

Verzicht auf Bäume entlang der Fahrweidstrasse: Das Forum Weiningen will verhindern, dass Weiningen zu viel für die Verkehrsentlastung ausgibt.

Der Verein stört sich unter anderem an den geplanten Baumreihen und Parkplätzen, die die Gemeinde Weiningen zur Verkehrsberuhigung in der Fahrweid einsetzen will.

Die lang ersehnte Verkehrsentlastung in der Fahrweid nimmt Fahrt auf. Anfang Jahr lagen die Vorprojekte der Gemeinden Weiningen und Geroldswil sowie des Kantons zur Ansicht auf. Während dieser Zeit gingen mehrere Einwendungen zur Umgestaltung des Quartiers ein. Der Quartierverein Fahrweid-Weiningen-Geroldswil bemängelte diverse Punkte wie etwa fehlende Fussgängerstreifen, ein wegfallendes Trottoir oder Signalisierungen, die zu Mehrverkehr führen (die «Limmattaler Zeitung» berichtete).

Nun meldet sich auch Konstantin Schütterle, Präsident des Forum Weiningen, zu Wort. Er reichte im Namen des Vereins fünf Einwendungen bei der Gemeinde Weiningen ein. Sie haben die gleiche Stossrichtung wie die des Quartiervereins. So stört man sich beispielsweise an den geplanten Baumreihen entlang der Fahrweid- und alten Niederholzstrasse. «Es ist auf alle geplanten Bäume zu verzichten», fordert Schütterle. Diese würden erheblichen Mehraufwand im Unterhalt erfordern. «Die Kosten dafür werden im Vorprojekt zudem nicht aufgelistet.»

Wie auch der Quartierverein findet das Forum Weiningen, dass die einzelnen Bäume neben dem Wald des Naturschutzgebiets entlang der Fahrweidstrasse keinen Sinn machen. Absehen soll die Gemeinde überdies von den öffentlichen Parkplätzen bei der alten Niederholzstrasse. «Sie müssen nicht von der öffentlichen Hand erstellt werden und sind nicht notwendig», sagt der Weininger Alt-Gemeinderat. Neue Parkplätze würden nur das Parkreglement erweitern sowie den Kontrollaufwand und den Verkehr erhöhen. «Mit dem Verzicht auf die Parkplätze und die Bäume können Kosten gespart werden.»

Nur das Allernotwendigste soll realisiert werden

Die Finanzen sind ein wichtiger Punkt für das Forum Weiningen. «Die Kostensituation von Weiningen mit all ihren Strassen- und Wasserprojekten ist nicht rosig. Die Beträge werden am Ende am Steuerzahler hängen bleiben», sagt Schütterle. Es sei daher darauf zu achten, die Verkehrsberuhigung zu redimensionieren und nur die allernotwendigsten Linienführungen zu realisieren. «Die Strassen müssen nicht übermöbliert werden, sondern sind einfach zu gestalten.»

Schütterle verweist auf Beispiele in Weiningen und Nachbargemeinden. «Die Bodenstrasse in Weiningen wurde von 50 km/h auf 30 km/h reduziert, ohne bauliche Anpassungen. Und auch der Ausbau der Limmattalstrasse mit einer Geschwindigkeitsreduktion von 60 km/h auf 50 km/h von Geroldswil nach Oetwil benötigte keine Schikanen oder Zusatzmöblierung.»

Wie auch der Quartierverein ist das Forum Weiningen mit der Einbahn-Signalisation bei der Einmündung der Querstrasse in die alte Niederholzstrasse nicht einverstanden. Der Verein verlangt sogar, auf das Einbahnregime in der alten Niederholzstrasse gänzlich zu verzichten, statt die Beschilderung zu versetzen. «Der örtliche und lokale Ziel- und Quellverkehr werden durch den Einbahnverkehr behindert, was zu mehr Umweltbelastungen führen dürfte», sagt Schütterle.

Unverständlich ist für das Forum Weiningen auch die Rechtsabbiege-Signalisation bei der Einmündung der alten Niederholzstrasse in die Querstrasse. «Wir verlangen ein erlaubtes Linksabbiegen von der alten Niederholzstrasse in die Quer- respektive die Brunaustrasse, damit das Quartierzentrum Föhrewäldli erreicht werden kann.»

Schütterle hofft nun, dass die Gemeinde die eine oder andere Einwendung in ihren Plänen berücksichtigen wird. Er ist zuversichtlich. «Allein wenn man die Kosten betrachtet, die Weiningen betreffen, dürfte unser Verein wohl nicht der einzige sein, dem eine sparsame Verkehrsberuhigung am Herzen liegt.»

Wenig Spielraum bei Tempo-30-Zone

Der Weininger Gemeindepräsident Mario Okle (parteilos) bestätigt, dass die Einwendungen des Forum Weiningen derzeit geprüft werden. Dass die Mehrheit der Anregungen jedoch ins Projekt einfliessen werden, bezweifelt er. «Die Kritik an den geplanten Massnahmen für die Tempo-30-Zonen empfinde ich als schwierig», sagt Okle. Die Weininger Stimmberechtigten hätten an der Gemeindeversammlung im April 2019 mit dem Ja zum Projektierungskredit von 169000 Franken ihre Zustimmung zur Strassenraumgestaltung und damit zur Einführung von Tempo 30 in der Fahrweid gegeben.

Für die Gemeinde Weiningen betragen die Gesamtkosten für das Strassenprojekt 6,38 Millionen Franken, davon sind 965000 Franken ungebunden. Die Stimmberechtigten können über diesen Betrag abstimmen.

«Bauliche Massnahmen sind in Tempo-30-Zonen zwingend nötig. Wir können nicht darauf verzichten. Die Verschmälerung des Fahrstreifens ist vorgegeben», reagiert Okle auf die Redimensionierungs-Vorschläge. Die Fahrweidstrasse als mittel- bis starkbefahrene Strasse könne man nicht mit einer Quartierstrasse wie der Bodenstrasse vergleichen.

Den Gemeindepräsidenten stört, dass nun grundsätzliche Fragen wieder aufgerollt würden, die vor langer Zeit unter anderem auch mit dem Quartierverein besprochen wurden. Die heutigen Lösungsvorschläge, die aus den damaligen Verhandlungen resultierten, seien der Bevölkerung bereits im Jahr 2015 vorgestellt worden und dabei auf eine breite Akzeptanz gestossen. «Ich sehe bezüglich der Tempo-30-Massnahmen wenig Spielraum. Das Verkehrsregime wurde gestützt auf die damaligen Verhandlungen mit der Gemeinde Geroldswil und dem Kanton im Detail ausgearbeitet.»

Nichts zu rütteln gibt es gemäss Okle auch an den Baumreihen. Man sei nicht gewillt, grundlegende Änderungen vorzunehmen, wenn die Pläne bereits mit der Gemeinde Geroldswil abgestimmt und vom Weininger Stimmvolk abgesegnet worden seien. Der Gemeindepräsident versichert aber: «Dort, wo wir mehr Handlungsspielraum haben, sind wir sehr bemüht, die Einwendungen ins Projekt einfliessen zu lassen.»

Autor

Sibylle Egloff

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