Stadtfest

Oh Züri-Fäscht, komm bald wieder! Das sind die schönsten Fotos vom Wochenende

Das Züri-Fäscht hat heuer 2,5 Millionen Menschen begeistert. Das Organisationskomitee zieht eine positive Bilanz. Nachdem Roland Stahel 35 Jahre lang Geschäftsführer war, übergibt er sein Amt nun an Jeannette Herzog. Womit wir beim nächsten Züri-Fäscht wären. Doch zuerst ein Rückblick mit ein paar Schlaglichtern.

Es habe trotz der stolzen Besucherzahl von 2,5 Millionen kaum gravierende Zwischenfälle gegeben, teilten die Organisatoren nach dem Züri-Fäscht am Sonntagabend mit. Das grösste Volksfest der Schweiz habe mit einigen gelungenen Premieren aufwarten können und auch viel Wetterglück gehabt. Man ziehe daher eine sehr positive Bilanz.

Nur gerade am Samstagnachmittag sorgten Wind und Regen für etwas Aufregung. Einzelne Attraktionen wie zum Beispiel das Riesenrad, die Slackline über die Limmat oder das Spektakel von Freestyle.ch mussten wetterbedingt kurz pausieren und eine Oldtimer-Flugshow fiel ganz aus. Grössere Schäden sind auf dem Festgelände aber zum Glück keine entstanden, sondern nur Bagatellschäden. «Bei ein paar kleinen Festzelten sind Blachen gerissen», sagte Andreas Hugi, Mediensprecher des Züri-Fäschts. Zudem stürzte ein Baum um.

Zu den Premieren zählte etwa ein Schlager-Feuerwerk mit musikalischer Begleitung von Helene Fischer, Francine Jordi und anderen Künstlern. Ein Luftballett mit 150 farbig leuchtenden Drohnen wurde laut den Veranstaltern erstmals in Europa aufgeführt.

Rege genutzt wurden die öffentlichen Verkehrsmittel. Vor allem am Bahnhof Stadelhofen war das Passagieraufkommen nach den beiden Feuerwerken am Samstag sehr gross. Kundenlenker dosierten kurzzeitig den Zugang zu den Perrons, um gefährliches Gedränge zu vermeiden. Die SBB und der ZVV boten in beiden Festnächten über 600 Extrazüge und mehr als 3000 zusätzliche Tram- und Bus-Verbindungen an.

70'000 Festbesucher nutzten die offizielle Züri-Fäscht-App

Auch andere Zahlen zeigen, wie gross das grösste Volksfest der Schweiz dieses Jahr war. So waren auf dem Festgelände rund 70 Chilbi-Bahnen und Buden präsent. Hinzu kamen 350 Marktstände, 180 Festwirtschaften sowie über 60 Musikbühnen. Und 70 000 Personen nutzten die offizielle Züri-Fäscht-App.

Die Stadtpolizei zieht eine grösstenteils positive Bilanz

Die Zürcher Stadtpolizei zog eine grösstenteils positive Bilanz. Das Fest sei «grundsätzlich friedlich» verlaufen. Bis Samstagmorgen war es zu keinen gravierenden Zwischenfällen im Festgelände gekommen. Die Stadtpolizei hatte gleichwohl alle Hände voll zu tun: Sie hatte mehrmals Hilfe zu leisten und vermeldete mehrere Einsätze wegen Streitereien, Tätlichkeiten, Sachbeschädigungen und einer Handvoll Lärmklagen. Zudem wurden unter anderem mutmassliche Schmuckdiebe in flagranti erwischt und verhaftet.

In der Nacht auf Sonntag ging es brutaler zu und her: Ein Unbekannter brachte kurz vor 4.30 Uhr einen 16-Jährigen zum Sanitätsposten beim Zürichhorn. Dieser wurde mit schweren Stichverletzungen ins Spital gebracht und sofort operiert. Unter anderem wurden zudem zwei junge Männer verhaftet, die mehrere gefälschte 100-Franken-Noten auf sich trugen.

Sowohl am Samstag als auch am Sonntag wurden ausserdem jeweils je ein gutes Dutzend berauschte Personen in die Ausnüchterungs- und Betreuungsstelle gebracht.

Jetzt ist die erste Frau an der Spitze des Volksfests

Das nächste Züri-Fäscht findet vom 1. bis 3. Juli 2022 statt. Geschäftsführer Roland Stahel übergibt die Leitung des Volksfestes nach 35 Jahren und elf Ausgaben an Jeannette Herzog. Die Touristikerin ist seit fünf Jahren beim Züri-Fäscht dabei als Projektleiterin und stellvertretende Geschäftsführerin. Sie wird die erste Frau an der Spitze des Stadtfestes sein. (sda/liz)


   

Nun gibts sechs Fakten zum Zürifäscht 2019:


   

1. Zu «Bailando» gehen die Caipirinhas in die Höhe

Eine Caipirinha-Bar am Caliente.

Eine Caipirinha-Bar am Caliente.

Enrique Iglesias’ Hit «Bailando» ertönt, die Menge beginnt zu kreischen. Festbesucherinnen und -besucher halten ihre Caipirinhas in die Höhe und singen lauthals den Refrain. Der Münsterplatz ist rappelvoll. Das Latin-Festival Caliente nahm ihn in Beschlag. Normalerweise wird das jährlich stattfindende Festival an der Langstrasse durchgeführt. Nun gastierte es im Herzen der Altstadt.

Latin-Orchester, Tanzgruppen, Bands und DJs brachten mit ihren Auftritten auf der Bühne vor der Fraumünster ein Stück Lateinamerika in die Limmatstadt. Die Gruppen unterhielten auch abseits der Bühne. Diverse Sambaschulen zogen trommelnd durchs Gelände und animierten zum Mittanzen. Einziger Wermutstropfen waren die engen Platzverhältnisse. Zu später Stunde war Tanzen trotz mitreissender Musik aufgrund des Gedränges kaum mehr möglich. Mehr Platz bot da die Zona Latina bei der Sukkulenten-Sammlung. Wer den Weg bis zum Strandbad Mythenquai auf sich nahm, wurde zudem mit einer Auswahl an kolumbianischen und peruanischen Leckerbissen sowie Live-Musik belohnt. (sib)


   

2. Zuerst kommen die Schwäne

Schwäne am Sonntagmorgen.

Schwäne am Sonntagmorgen.

Sie finden wohl selten so viel Brot im Wasser wie am Sonntagmorgen: Schnatternde Schwäne geniessen das Züri-Fäscht, wie ein Morgenspaziergang zeigt. An Land ist es still. Bei der Rentenanstalt spritzt der Bahnbetreiber das Riesenkettenkarussell sauber, die Hüpfburg nimmt Form an. Die Abfallberge türmen sich und warten auf die Putzequipen. Nur aus dem Zelt der katholischen Kirche am General-Guisan-Quai tönen Alphornklänge und Gesang derjenigen, die sich zwischen «Paradies-Lounge» und «Höllen-Bar» zum Morgenlob versammelt haben.

Am See sind Familien unterwegs und hie und da ein Überbleibsel vom Vorabend, wie die jungen Männer, die alle Passanten grüssen, obwohl ihnen die Worte nur noch schleppend über die Lippen kommen. Auf der Limmat fährt ein Drachenboot zum Takt der Trommel. Um 10 Uhr setzt sich das Riesenrad auf dem Sechseläutenplatz in Bewegung – ohne Passagiere. Dann durchbricht die Züri-Fäscht-Speakerin die Stille, es riecht nach Grillspiessen, die Gassen füllen sich, das Fest wird zum Fest. (kme)


   

3. Runden drehen auf dem Elefanten

Beliebte Familienzone.

Beliebte Familienzone.

Es ist das erste Züri-Fäscht des zweijährigen Sohns. Ob des ersten Luftballons am Strassenrand ist er Feuer und Flamme. Es gibt auch so vieles zu sehen. Damit der Kleine vor lauter Staunen nicht in den Massen verschwindet, ist die Familienzone einer Kinderkrippe die Rettung. Tische und Bänke auf der Rentenwiese bieten den Eltern eine Verschnaufpause, während die Kinder sich im Laufrad-Parcours messen, Gummienten fischen oder die Hüpfburg erobern.

Dem Zweijährigen hat es der Karussell-Elefant angetan. Zuerst noch unsicher, bald aber souverän dreht er seine Runden auf dem Rücken des grauen Tiers. Nur das PC-7-Team begeistert ihn noch mehr mit seinen spektakulären Flugmanövern. «Mehr Flugi, mehr Flugi», heisst es nun unentwegt. Nach ausgiebigem Festbesuch mit Pommes frites und Bratwurst ist es Zeit für das Bett, auch wenn der Junior ganz anderer Meinung ist und lauthals «Tanzen, Tanzen» in die Menschenmenge ruft. (kme)


   

4. Gewaltiges Gedränge überall

Erlebnishungrige Massen.

Erlebnishungrige Massen.

«Alle machen Scheiss, ich mach, was ich will», dröhnt es aus den Boxen beim «Jardin du plaisir» auf der Blatterwiese vor dem Chinagarten. Samstag, 16 Uhr, es regnet und stürmt. Eine Schar Hip-Hopper hat sich unters Regendach verkrochen. Mit Flaschen in der Hand wippen sie gelangweilt herum. An der Seepromenade sind wenig Leute unterwegs. Eine Marktfrau versucht erfolglos, ihre Crêpes loszuwerden.

Reger Betrieb herrscht hingegen im Rock-’n’-Roll-Zelt des Zürcher Tanzclubs. Ältere Semester hüpfen hier zu Hits aus den 1950ern und 1960ern herum. Ganz andere Szenerie gegen 20 Uhr. Das Wetter ist wieder schön, gewaltiges Gedränge überall. Vor dem Bankautomaten an der Haltestelle Feldeggstrasse hat sich eine mindestens 15 Meter lange Zweierkolonne gebildet. Alle wollen Geld tanken. An der Seepromenade ist fast kein Durchkommen mehr. Immerhin ist der Blick an den Himmel frei, wo ein Helikopter-Ballett stattfindet. Im «Jardin du plaisir» ist Schlangestehen angesagt, wenn man sich verpflegen will. Jetzt hämmern die Bässe mit gefühlten 200 Dezibel. (tsc)


   

5. Legendärer Rock beim Grossmünster

Dafür gabs eine Konzertpause.

Dafür gabs eine Konzertpause.

Um das Züri-Fäscht zu geniessen, gibt es für mich nur eine Strategie: einen oder zwei gute Orte auswählen – und dort bleiben, statt sich die Füsse wundzulaufen. Diesmal war es der Grossmünsterplatz, auf dem Coverbands Songs von Rocklegenden spielten. Ein bierbäuchiger Freddie-Mercury-Imitator machte seinen Job gut, und die E-Gitarre des Brian-May-Verschnitts neben ihm heulte auf wie im Original von Queen. Die Mercury-Band liess das Publikum beim Grossmünster nach einigen Zugaben beseelt zurück.

Dann betraten in der ersten Stunde des Sonntags Riders on the Storm die Bühne, um die Songs der Doors nachzuspielen. Die milde Sommernacht sorgte beim Tanzen, das im Publikum mit dem ersten Lied einsetzte, noch immer für Schweiss. Dramaturgisch schlecht war, dass die Band nach dem ersten Stück eine halbe Stunde pausieren musste – wegen des zweiten Feuerwerks dieser Nacht. Doch danach entzündeten die Riders ihr eigenes musikalisches Feuerwerk. Der Durchbruch zur anderen Seite der Nacht gelang. (mts)


   

6. Das Feuerwerk ist Schlager- und Rockstar zugleich, die Drohnenshow braucht etwas Fantasie

Knallendes Spektakel: Fürs Feuerwerk drängten die Massen ans Ufer.

Knallendes Spektakel: Fürs Feuerwerk drängten die Massen ans Ufer.

Viel geboten wurde auch über dem See. Die Patrouille Suisse demonstrierte ihr Können, die spanische Helikopter-Staffel zeigte ihre Formationen und die Skydive-Fallschirmspringer landeten punktgenau auf einem Floss.

Doch das Highlight fand bei Hereinbruch der Nacht statt, als die Boxen der Partylokale verstummten und über der Stadt ein 20-minütiges Feuerwerk gezündet wurde. Lange bevor um 22.30 Uhr der erste Funke zu sehen war, drängten die Massen ans Ufer. Und spätestens als Andrea Berg mit «Ja, ich will» das Schlager-Feuerwerk eröffnete, war an der Seepromenade kein Durchkommen mehr. Herzen leuchteten auf zu Beatrice Eglis «Mein Herz» und auch die «Träne» von Florian Ast war deutlich zu erkennen. Das Schlussbouquet begleitete Helene Fischer mit ihrem «Atemlos». Schlager-Fans mag diese Kombination gefallen haben.

Klassik und Rock scheinen jedoch besser zum knallenden Spektakel zu passen. Aber dafür gab es ja um 1 Uhr das «Only-Rock»-Feuerwerk mit Gotthard und Rammstein.

Dazwischen feierte die erste öffentliche Drohnenshow ihre Schweizer Premiere. Man staunte über die von den 150 Quadrokoptern animierten 3D-Bilder, auch wenn die Sujets je nach Standort nicht immer auf Anhieb klar waren: der Züri-Leu zu «Eye of the tiger»? Und sollte das nun eine Achterbahn darstellen? Unmissverständlich dann die letzten zwei Bilder: Ein Stecker, der zu «I’ve got the power» in eine Buchse geschoben wurde und das Logo des Hauptsponsors EWZ, was da und dort mit höhnischen Zwischenrufen und Gelächter quittiert wurde. (hz)

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