Geroldswil

Noch ein Jahr bis zur Fertigstellung: So weit sind die Bauarbeiten beim Baufeld Ost schon

Auf einem Rundgang durch den Rohbau des neuen Geroldswiler Zentrums schwärmt Hochbauvorstand Peter Vogel vom Bauprojekt und erzählt, warum er sich selbst schon fiktiv eine Wohnung ausgesucht hat.

Die Sonne scheint erbarmungslos auf die Bauhelme der Arbeiter. Einige haben ihre Hosen hochgekrempelt. Eine Holzkiste baumelt in schwindelerregender Höhe in der Luft. Der orange Kran bahnt sich seinen Weg durch den blauen Himmel. Die Kiste landet sachte auf einer Betondecke. «Das sind Auflagehaken für die Fassade», sagt Pascal Bräm, als er die Kiste vom Plastik befreit. Der Polier ist für die Streuli Bau AG tätig und derzeit mit seinem Team für die Erstellung des Rohbaus auf dem Baufeld Ost in Geroldswil zuständig.

Seit dem Start der Bauarbeiten vor gut einem Jahr hat sich so einiges getan. Auf dem ehemaligen Chilbiplatz sind Betonkörper emporgewachsen. Derzeit vollenden die Bauarbeiter die Decke des Erdgeschosses. 18 Tonnen Stahlstangen liegen auf den bereits fertig betonierten Stellen bereit. «Mit den Armierungen kann die Statik der Decke gewährleistet werden», sagt Bräm.

«Neben dem alten Zentrumsbau ist dieses Vorhaben das bedeutendste Projekt für unsere Gemeinde. Es stärkt das Zentrum und hilft uns, Geroldswil weiterzuentwickeln», sagt Hochbauvorstand Peter Vogel (FDP). Das Baufeld Ost macht dabei nur einen Teil aus. Die Projektierungsarbeiten zum Baufeld Hotel, wo unter anderem altersgerechte Wohnungen entstehen sollen, sind bereits im Gange. Und auch vom Baufeld West, wo sich heute die Bushaltestelle befindet, ist bereits die Rede.

Das 35 Millionen Franken teure Projekt Baufeld Ost soll im Herbst 2020 beendet sein. In die Gewerbefläche im Erdgeschoss zieht der Coop ein. Kunden erwartet eine Verkaufsfläche von 1000 Quadratmetern. Daneben wird die Apotheke Pill auf 100 Quadratmetern unterkommen. «Wir bieten gute Einkaufsmöglichkeiten. Man muss nicht extra ins Shoppi Tivoli nach Spreitenbach fahren», sagt Vogel. Nicht nur für Geroldswil sei das von Bedeutung. «Weder Weiningen noch Oetwil haben etwas Vergleichbares. Bereits heute kommen einige unserer Nachbarn zu uns», sagt Vogel.

160 Parkplätze auf zwei Etagen

Für Geroldswil spielt aber nicht nur das Einkaufsangebot eine Rolle. «Das Kernthema des Projekts bildet der neue Zentrumsplatz, an den der Coop und die Apotheke grenzen», sagt Stephanie Knerr, Bauleiterin des verantwortlichen Architekturbüros Baumberger und Stegmeier. Als Verbindung würden zwischen dem Eingang der Läden und dem L-förmigen Platz Arkaden errichtet. Sitzgelegenheiten soll es auch geben.

Der Haupteingang führt in die zweigeschossige Tiefgarage, die von der Limmattalstrasse aus erschlossen wird. Dort gibt es für Einkaufende und Besucher eine WC-Anlage. Insgesamt entstehen 160 Parkplätze. Ein Teil davon steht aber auch den Mietern der Wohnungen und Gewerbeflächen auf dem Areal der Pensionskasse der Zürcher Kantonalbank gleich nebenan an der Limmattalstrasse zu. «Der Zwischenbau mit Tiefgarageneinfahrt trennt den Zentrumsbau und den Neubau der Pensionskasse der ZKB, der nochmals zwölf Wohnungen beherbergt und gleichzeitig durch uns erstellt wird», sagt Knerr. In den beiden Untergeschossen finden sich auch noch Lagerräumlichkeiten von Coop und Apotheke sowie Technikräume. Bisher sei man zufrieden mit dem Verlauf der Bauarbeiten. Herausfordernd sei der anspruchsvolle Baugrund, sagt Knerr. Zudem sei die Logistik, unter anderem die Zulieferung von Baustoffen und Materialen, ebenso nicht leicht. «Nicht jede Baustelle grenzt an drei Seiten an Strassen. Wir müssen Rücksicht auf Fussgänger, privaten und öffentlichen Verkehr nehmen», sagt Knerr.

Rundgang mit Peter Vogel, Hochbauvorstand Geroldswil

Hochbauvorstand Peter Vogel gibt eine Übersicht über die Baustelle.

Der Betonmischer lärmt. Bauarbeiter füllen gerade den Baustoff auf die vorgesehenen Flächen. Gelbe Schalungsbretter verdecken die Sicht ins Erdgeschoss. «Hier über der Ladenfläche des Coops entsteht ein begrünter Innenhof mit Bäumen, Hügeln und Sitzgelegenheiten. Das wird richtig gemütlich», sagt Vogel. Der Innenhof bilde sozusagen das grüne Herz, um den die 27 Wohnungen gebaut würden, ergänzt Knerr. «Alle Schlafräume sind gegen den Innenhof ausgerichtet. Das schafft die nötige Ruhe, vor allem weil drei Seiten des Gebäudes an Strassen liegen», sagt die Bauleiterin. Das Nordhaus oberhalb des Haupteingangs umfasst fünf Obergeschosse, die restlichen drei Baukörper verfügen über drei Obergeschosse.

Auch wenn bisher erst ein paar schwarze Wasserleitungen und Stahlstangen vage auf die Grundrisse der 3,5-, 4,5- und 5,5-Zimmer-Wohnungen hindeuten, schwärmt Hochbauvorstand Vogel bereits von den neuen 75 bis 125 Quadratmeter grossen Domizilen. «Das sind keine 08/15-Wohnungen, in denen die Zimmer links und rechts des Korridors liegen. Im Gegenteil, sie haben sehr interessante Grundrisse.» So fände Wohnen, Essen und Kochen gemeinsam auf einem grosszügigen Raum statt. «Speziell ist, dass das Badezimmer direkt mit zwei Schlafzimmern verbunden ist. Man muss nicht in den Gang, um ins Bad zu gelangen», sagt Vogel. Er habe sich selbst auch schon fiktiv eine Wohnung ausgesucht. «Die oberste im südlichsten Gebäudeteil oder die oberste im Nordhaus haben es mir wegen der Aussicht angetan», sagt er. Umzugspläne hege er aber vorerst nicht. «Ich bin zufrieden mit meinem Haus am Hügel. Doch bevor ich mit dem Rollator von dort oben runterfahren muss, werde ich mich natürlich auch nach Wohnraum im Zentrum umschauen.»

Geeignet seien die Mietwohnungen mit Minergielabel für junge Familien mit oder ohne Kinder sowie Personen, die beispielsweise ihr Haus am Hügel verkaufen und aufs Alter ins Zentrum ziehen wollten, so Vogel. Er ist sich sicher: «Das Projekt bietet einen doppelten Mehrwert für die Geroldswiler Bevölkerung. «Zum einen profitieren sie vom Angebot und zum andern kommen ihnen auch die Mietzinseinnahmen zugute.» Damit könne man den Steuerfuss nicht senken, aber zumindest stabil halten. Überzeugt scheinen zahlreiche Personen von den Wohnungen zu sein. «Wir haben bereits 37 Anfragen von Interessenten erhalten» sagt Vogel. Auch das spreche dafür, dass sie mit der Stärkung des Zentrums goldrichtig lägen.

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Autor

Sibylle Egloff

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