Theater

Neue Intendanten bringen frischen Schwung ins Schauspielhaus Zürich – das sind ihre Pläne

Neue Hausregisseure, mehr Schauspieler und eine internationale Ausrichtung: Die zwei Neuen in der Leitung bringen frischen Wind ins Schauspielhaus Zürich. (Archiv)

Neue Hausregisseure, mehr Schauspieler und eine internationale Ausrichtung: Die zwei Neuen in der Leitung bringen frischen Wind ins Schauspielhaus Zürich. (Archiv)

Der erste Spielplan der neuen Intendanten des Schauspielhauses Zürich, Benjamin von Blomberg und Nicolas Stemann, verspricht einen Generationenwechsel. Fünf der acht verpflichteten Hausregisseure sind in den 1980er-Jahren geboren.

Die Verpflichtung einer "so grossen und heterogenen Gruppe" sei neu, teilte das Schauspielhaus anlässlich der Präsentation des Spielplanes 2019/2020 am Mittwoch mit. Die acht Regisseurinnen und Regisseure binden sich für drei Jahre an Zürich, werden dort nicht nur arbeiten, sondern auch leben.

Es handelt sich um Leonie Böhm, Alexander Giesche, Suna Gürler, Yana Ross, Christopher Rüping, sowie um die international gefeierte Performancekünstlerin und Filmemacherin Wu Tsang und den Choreografen Trajal Harrell. Dazu gesellt sich Intendant Stemann, der ebenfalls Regie führt.

Die Hausregisseure würden alle unterschiedliche Hintergründe, Perspektiven auf die Welt und Geschichten über die Welt mit nach Zürich bringen, schreibt das Schauspielhaus. Es sei ein Gesellschaftsprojekt, derart unterschiedliche Hintergründe und Ästhetiken aufeinander treffen zu lassen.

Der Dramaturg Benjamin von Blomberg, links, und der Regisseur Nicolas Stemann, rechts, leiten das Zürcher Schauspielhaus.

Der Dramaturg Benjamin von Blomberg, links, und der Regisseur Nicolas Stemann, rechts, leiten das Zürcher Schauspielhaus.

"Theater, so wie wir es verstehen, besteht darin, Gegensätze zu denken", werden Stemann und von Blomberg in der Mitteilung zitiert. Das angekündigte Produktions-Spektrum reicht vom traditionellen Sprechtheater bis zu Formaten, die bislang im Film und in der Bildenden Kunst zu Hause waren, von zeitgenössischem Tanz bis zu Theater für und mit Jugendlichen.

Erstes Schaulaufen am Eröffnungsfestival

Einen ersten Einblick in die unterschiedlichen Ästhetiken und Themen der Hausregisseurinnen und -regisseure bietet das Eröffnungsfestival vom 11. bis 15. September. Alle acht zeigen je eine Arbeit, die "so prägend und persönlich ist, dass sie sich für eine erste Begegnung mit Zürich besonders eignet".

Diese Bandbreite ziehe sich durch den gesamten Spielplan, heisst es in der Mitteilung: Nicolas Stemann wird sich mit Ayn Rands monumentaler Kapitalismus-Philosophie in "Der Streik" beschäftigen und Alexander Giesche widmet sich Frischs "Der Mensch erscheint im Holozän".

Daneben unternimmt Yana Ross eine Auseinandersetzung mit Tschechows "Kirschgarten" und Christopher Rüping adaptiert John Steinbecks Jahrhundertoman "Früchte des Zorns". Trajal Harrell und seine Kompanie bringen Tanz auf die Schauspielhausbühnen, Wu Tsang eine Filminstallation in den Pfauen und Suna Gürler Stücke "für & mit jungen Menschen".

Auch das Ensemble wurde vergrössert und umfasst nun 35 Schauspielerinnen, Tänzer und Musikerinnen. Karin Pfammatter kehrt nach Zürich zurück - ebenso Sebastian Rudolph, Daniel Lommatzsch, Thomas Wodianka und Alica Aumüller. Neu kommen die Tänzerin (u.a. bei Forsythe) Frances Chiaverini, die Schauspielerin Thelma Buabeng oder die international gefeierte Perfomancekünstlerin boychild.

Drei Related Artists - darunter Marthaler

Teil des Netzwerks "des neuen Schauspielhauses" sind darüber hinaus auch die Regisseure Christiane Jatahy, Christoph Marthaler und Milo Rau, mit deren Werk das Schauspielhaus Zürich sich langfristig verknüpfen möchte.

Als weitere Veränderung richtet sich das Schauspielhaus international aus. Mit dem Schauspielhaus Bochum wird in den nächsten Jahren je eine Arbeit pro Spielzeit ausgetauscht, mit dem Theatre de Vidy in Lausanne gibt es eine Koproduktion.

Und schliesslich verabschiedet sich das Schauspielhaus Zürich vom Zusatz "jung" und weitet das "Junge Schauspielhaus" auf das ganze Haus aus. Theater für junges Publikum gehöre nicht in eine andere Sparte, sei kein Extra. Junge Menschen sollen auf allen Ebenen selbstverständlicher Teil des gesamten Schauspielhauses werden.

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