Zürich

Nach Jahren des Rückgangs: Messerattacken nehmen wieder zu

«Das Messer ist zu einem Lifestyleprodukt geworden», sagt Soziologe Dirk Baier. (Symbolbild)

Mehrere Jahre waren die Zahlen rückläufig, nun haben die Übergriffe mit Schneid- und Stichwaffen wieder zugenommen. Auch für diejenigen, die im Nachtleben arbeiten, ist die erhöhte Aggressivität der Jugendlichen augenscheinlich. Die Stadtpolizei Zürich sieht jedoch noch keinen Handlungsbedarf.

Körperverletzungen durch Schneid- und Stichwaffen haben zugenommen, berichtet der «Tages-Anzeiger» und beruft sich dabei auf die letzte Zürcher Kriminalstatistik. Ein Blick in das Dokument offenbart: Seit 2012 haben die Fallzahlen bei schwerer Körperverletzung durch diese Waffen mehr oder weniger abgenommen. Dazumal wurden noch 38 Fälle publik, während es 2017 noch 29 waren. 2018 waren es jedoch wieder 35 Fälle. Dieses Jahr scheint sich der Trend fortzusetzen. Laut Kantons- und Stadtpolizei gab es in den ersten vier Monaten einen leichten Anstieg im Vergleich zur Vorjahresperiode. Besonders augenfällig: In der Alterstgruppe der 18 bis 24-Jährigen hat sich die Anzahl der Fälle mehr als vervierfacht – von 3 auf 14 Fälle.

Die Zahlen seien niedrig, der Anstieg jedoch auffällig, sagt der Soziologe Dirk Baier, Leiter des Instituts für Kriminalprävention und Delinquenz der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, zum «Tages-Anzeiger». Man müsse genau hinschauen, denn besonders in Deutschland sei es Brauch unter jungen Männern, ein Messer bei sich zu tragen. «Das Messer ist zu einem Lifestyleprodukt geworden.» Zwei Drittel aller jugendlichen Männer trage eines bei sich. Er warnt vor einem Aufrüsten unter Jugendlichen: «Junge Menschen, die mit einem Messer unterwegs sind, haben ein doppelt so hohes Risiko, eine Gewalttat zu begehen.»

Zahlen in Zürich vergleichsweise niedrig

Ein Türsteher im Langstrassenquartier erzählt von einem generellen Anstieg der Brutalität bei jungen Erwachsenen: «Es ist auffällig, wie aggressiv die Jungen heute auftreten und rasch dreinschlagen», sagt er zum «Tages-Anzeiger». Ein Kommandant der Zürcher Kriminalpolizei bestätigt dies: «Die Auseinandersetzungen sind brutaler geworden, es wird mehr nachgetreten, und es kommen mehr Waffen zum Einsatz.»

Für die Stadtpolizei ist dies jedoch kein Grund für eine Reaktion. «Wir beobachten die Tendenzen genau», erklärt Polizeisprecher Marc Surber auf Anfrage der Zeitung. Die Zahlen würden sich in Zürich noch auf einem sehr tiefen Niveau befinden.

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