Für die SVP in Dietikon und Schlieren gingen die Wahlen am Sonntag wenig erfreulich aus. Im Bezirkshauptort verlor die Partei zwei Sitze im Stadtrat und einen im Gemeinderat. Der neu aufgestellte Stephan Wittwer konnte den Stadtratssitz seines scheidenden Parteikollegen Jean-Pierre Balbiani nicht verteidigen. Er landete mit 1299 Stimmen auf dem zwölften und damit letzten Platz. Besonders bitter war der Wahlsonntag für Roger Brunner. Der Infrastrukturvorstand muss den Dietiker Stadtrat nach drei Amtsperioden verlassen. Der 55-Jährige verpasste die Wiederwahl um 26 Stimmen.

Konkurrenz weit hinten

Roger Bachmann war der einzige SVP-Vertreter, der ein gutes Resultat erzielte und mit 2275 Stimmen vor allen anderen Kandidaten den Einzug in den Stadtrat schaffte. Und auch für das Stadtpräsidium sieht es nicht schlecht aus. Bachmann erreichte das absolute Mehr nicht, liess seine Konkurrenten aber weit hinter sich. Trotz Bachmanns Erfolg ist die Frustration über Brunners Abwahl bei der SVP Dietikon gross. «Ich bin enttäuscht, dass Roger Brunners Engagement für die Stadt Dietikon nicht gewürdigt wurde», sagt der Dietiker SVP-Präsident Rochus Burtscher. Brunner selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Dass ein bisheriges Stadtratsmitglied nicht wiedergewählt werde, könne immer passieren, so Burtscher. «Ein Nachteil war, dass es vier Kandidaten fürs Stadtpräsidium gab.» Ebenso nicht geholfen habe die No-Billag-Initiative. «Die Mobilisierung des linksgrünen Lagers hat uns geschadet.»

Brunner habe sich zwölf Jahre als Gemeinderat und zwölf Jahre als Stadtrat für die Gesellschaft eingesetzt. «Er erhält nun mehr Zeit für sich und das gönne ich ihm.» Genaue Gründe für den Misserfolg will Burtscher nicht suchen. «Es bringt nichts, zu lamentieren und nach dem Warum zu fragen. Man erhält nie eine Antwort.» Die Gründe für das Resultat seien zu vielfältig, so der SVP-Ortsparteipräsident. An Kampagne mit Werbung habe es nicht gefehlt. «Wir haben unser Möglichstes gegeben.» Den Kopf will Burtscher nicht hängen lassen. Die Partei werde sich an die Arbeit machen, damit man in vier Jahren wieder auf alter Stärke sei. «Ich bin zuversichtlich, dass wir es schaffen.»

Neue Wähler für Mitte-links

Hart getroffen hat das Wahlresultat auch die SVP Schlieren. Im Gemeinderat verlor die Partei zwei Sitze und hat nun noch deren acht. Damit überholt die SP mit neu neun Sitzen die Volkspartei. Auch die Stadtratkandidaten erzielten kein gutes Ergebnis. Christian Meier schaffte es mit 1222 Stimmen als Schlusslicht in den Stadtrat. Sicherheitsvorstand und Kantonsrat Pierre Dalcher glückte die Wiederwahl nicht. Er wurde nach seiner ersten Legislatur abgewählt.

Der SVP-Mann findet klare Worte für seine Abwahl: «Es ist verschissen.» Mit diesem Resultat habe er nicht gerechnet. Anders als Burtscher hat Dalcher mögliche Erklärungen für sein schlechtes Abschneiden parat. Es hätten verschiedene Komponenten zusammengespielt, die im Einzelnen nicht sichtbar gewesen seien. «Seit den letzten Erneuerungswahlen ist Schlierens Bevölkerung gewachsen. Die neuen Einwohner sind grösstenteils junge Leute, die politisch eher Mitte-links wählen.» Er nennt wie Burtscher die No-Billag-Initiative als Nachteil für die SVP. «Es ist äusserst unglücklich, dass die Gemeindewahlen mit der No-Billag-Initiative zusammengefallen sind». Diese habe die Mitte-links-Wähler stark mobilisiert. «Die Wahlbeteiligung war in Schlieren um etwa sieben Prozent höher als gewöhnlich.»

Dalcher gibt aber auch zu: «Die Gegnerschaft hat keinen schlechten Wahlkampf gemacht.» Dass dieses Resultat als Retourkutsche gewisser Schlieremer verstanden werden könnte, die mit seiner Arbeit als Sicherheitsvorstand nicht zufrieden gewesen seien, schliesst der 56-Jährige aus. «Ich habe keine negativen Rückmeldungen erhalten.» Vor vier Jahren seien die Grünen und die SP die Verlierer gewesen. «Jetzt hat es uns, im Speziellen mich, erwischt.»

Trotz der überraschenden Abwahl geht für Dalcher das Leben weiter. «Eine Woche werde ich mir noch lassen, um zu ‹gränne› und das Resultat zu verdauen.» Danach plant der Berufspolitiker und gelernte Augenoptiker einen Neustart. «Ich werde mir eine Stelle suchen.»