Dietikon

Mehr Schulraum muss her: Dietikon will 30 Millionen für temporäre Schulbauten

Die Stadt Dietikon muss relativ kurzfristig Schulraum schaffen: Der Stadtrat beantragt einen Rahmenkredit über 14 Millionen für den Bau von verschiedenen Pavillons. Zudem will er 16 Millionen Franken für ein auf acht Jahre befriststetes Schulhaus im Limmatfeld aufwerfen.

Die Dietiker Schulanlagen verfügen über keinen ungenutzten Raum: «Heute sind alle zur Verfügung stehenden Schulräume inklusive Provisorien gefüllt», halten Schulpflege und Stadtrat fest.

Bereits seit Jahren werden mögliche organisatorische und betriebliche Massnahmen umgesetzt, um die Zimmer bestmöglich auszunutzen. So wurden beispielsweise die Stundenpläne angepasst, die Klassengrössen optimiert. Dies ist nun ausgereizt: So lehnen Schulpflege und Stadtrat unter anderem noch grössere Schulklassen aus pädagogischen Überlegungen ab.

Damit ist für die Behörden klar: Es muss angesichts der erwarteten Entwicklung mehr Schulraum her. Bereits 2017 hatte eine Studie gezeigt, dass mit einer markanten Zunahme der Schülerzahlen zu rechnen sei. In diesem Jahr wurden die Zahlen nun aktualisiert und auf die einzelnen Stadtteile heruntergebrochen.

Demnach steigt die Zahl der schulpflichtigen Kinder von heute 2800 auf rund 4100 im Schuljahr 2033/34. Das führt dazu, dass die Stadt Dietikon in 14 Jahren 65 Schulklassen mehr als heute führen muss. Konkret bedeutet dies gemäss der aktualisierten Studie, dass zusätzlich und dauerhaft Raum für 13 Sekundarschulklassen, 39 Primarschulklassen, 10 Kindergartenklassen und 3 Spezialklassen bereit gestellt werden muss. Dabei sind nicht nur die Schulzimmer zu erstellen, sondern auch alle weiteren notwendigen Räume wie Turnhallen, Werkräume, Gruppenräume, Lehrerzimmer und Putzräume.

Von einer «enormen Herausforderung» sprechen die Schulpflege und der Stadtrat. Denn das prognostizierte Wachstum um 46 Prozent sei im kantonalen Vergleich ausserordentlich. So werde beispielsweise in der Stadt Zürich ein Plus von 23 Prozent erwartet, in Winterthur eines von 16 Prozent.

Der «Dietiker Pavillon» kann rasch bestellt werden

Als Strategie verfolgen die Behörden den Bau von neuem Schulraum. Vorgesehen sind einerseits neue Schulhäuser in den Gebieten Stierenmatt und Niderfeld, wo dereinst 13 und 31 Klassen geführt werden könnten. Anderseits werden die Schulanlagen Wolfsmatt und Luberzen um 12 und 9 Klassen erweitert. «Mit der gestaffelten Fertigstellung und voraussichtlichen Übergabe dieser vier Schulanlagen in den Jahren 2027 bis 2030 ist der Bedarf an zusätzlichem Schulraum langfristig gedeckt.»

Kurz- und mittelfristig bringen diese Neubauten aber nichts: Die Schulpflege und der Stadtrat legen nun zwei Kredite vor. Einerseits wollen sie ein provisorisches Schulhaus im Limmatfeld erstellen (siehe Zweittext unten). Andererseits wollen sie auf «flexibel, schnell und bedarfsgerecht einsetzbare temporäre Lösungen in Form von standardisierten Pavillons» setzen.

Um in den kommenden Jahren vier Pavilloneinheiten à je sechs Klassenzimmern anschaffen zu können, beantragt der Stadtrat einen Rahmenkredit über 13,8 Millionen Franken. Ob es am Ende alle vier Einheiten wirklich braucht, lässt er in seinem Antrag offen. Die Prognosen über Schülerzahlen basierten ja letztlich auf Annahmen. «Wie viele Modulbauten effektiv benötigt werden, wird die konkrete Bedarfsentwicklung weisen», heisst es im Antrag. «Der Stadtrat wird jeweils nur so viele Modulbaupavillons bewilligen, wie effektiv nötig sind.» Dank des Rahmenkredits könne aber rascher reagiert werden; da die einzelnen Kreditbewilligungen dann entfielen, verginge weniger Zeit zwischen Entscheid und Realisierung.

Zudem setzt der Stadtrat auf eine einheitliche, standardisierte Lösung. Er will nun – auch um die Planungs- und Herstellungskosten tief zu halten – stets denselben «Dietiker Pavillon» bestellen. Dieser orientiert sich an jenem Grundmodell, das in der Schweiz in unterschiedlicher Ausgestaltung verbreitet ist: Vorgesehen ist ein dreigeschossiger Holzmodulbau, der auf jeder Etage über zwei Schulzimmer und dazwischen zwei Gruppenräume verfügt. Teure, aufwendige Untergeschosse sind keine vorgesehen.

«Die gesamte Erscheinung ist schlicht und hell gehalten», beschreibt der Stadtrat den Dietiker Pavillon. Da die Pavillons eine robuste, nicht brennbare Fassade aus Sinusblech aufweisen, können die Gebäudeabstände gemäss den geltenden Brandschutzvorschriften von zehn auf fünf Meter reduziert werden. Dies sei gerade bei engen Platzverhältnissen natürlich ein Vorteil, hält der Stadtrat fest.

Alle Schulhäuser müssen saniert werden

Die Modulbauten sind auch so konzipiert, dass sie einfach zerlegt und wieder zusammengesetzt werden können. «Damit sind die Pavillons auch in Zukunft an einem anderen Ort wieder verwendbar.» Denn sie könnten nicht nur in den kommenden zehn Jahren benötigt werden, bis die neuen, definitiven Schulhäuser stehen. Sie könnten auch als «Ausweichräume und Rochadeflächen» Verwendung finden, wie es im Antrag zum Rahmenkredit weiter heisst. «Aufgrund der zurückhaltenden Investitionstätigkeit der vergangenen Jahre werden in den nächsten 20 Jahren sämtliche bestehenden Schulanlagen saniert werden müssen.»

Ein Dietiker Pavillon kostet inklusive der Erstausstattung mit Mobiliar rund 3,4 Millionen Franken. Im Rahmenkredit über 14,8 Millionen Franken für vier der Modulbauten sind auch die Planerhonorare enthalten.

Der Stadtrat sieht vor, dass der Rahmenkredit im Gemeindeparlament im Februar 2020 behandelt wird. Am 17. Mai 2020 könnte er den Dietiker Stimmberechtigten an der Urne vorgelegt werden.

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