Zürich

Mehr Lohn für Kindergärtnerinnen und Kindergärtner — zuerst kommt jedoch die Weiterbildung

Der Lohn würde dem Lohn der Lehrpersonen der Primarschule angepasst. (Themenbild)

Der Lohn würde dem Lohn der Lehrpersonen der Primarschule angepasst. (Themenbild)

Die Ausbildung zur Kindergärtnerin und zum Kindergärtner steht im Kanton Zürich vor einem grossen Umbau: Die Bildungsdirektion will jene Ausbildung abschaffen, die ausschliesslich zum Kindergarten-Unterricht ermächtigt.

Künftig soll es nur noch eine Kombi-Ausbildung geben: Alle Lehrpersonen sollen so ausgebildet werden, dass sie auf der Kindergartenstufe und auf der Unterstufe unterrichten können, wie Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP) am Donnerstag bekannt gab.

Eine solche Ausbildung gibt es an der Pädagogischen Hochschule Zürich (PHZ) bereits seit rund 10 Jahren. Seit ihrem Start hat sich die Zahl dieser Abschlüsse fast vervierfacht. Gleichzeitig gingen die reinen Kindergarten-Abschlüsse stark zurück.

Mittlerweile haben bereits 40 Prozent der Zürcher Kindergärtnerinnen und Kindergärtnern eine solche Kombi-Ausbildung. 60 Prozent haben noch die «reine» Kindsgi-Ausbildung, wobei viele noch das Seminar besuchten und nie an der PHZ waren.

Für die Gemeinden hat die Abschaffung der «reinen» Kindergarten-Ausbildung Vorteile. Sie schätzen die Kombi-Absolventinnen, weil diese in Zeiten von schwankenden Schülerzahlen viel flexibler eingesetzt werden können.

Andere Zulassungsbedingungen

Dass der Kanton die reine «Kindsgi»-Ausbildung abschaffen will, hat aber auch rechtliche Gründe: Die PHZ muss ihre Zulassungsbedingungen wegen bundesrechtlicher Bestimmungen ändern. Künftig ist es nicht mehr möglich, mit einer dreijährigen Fachmittelschule einen Lehrgang an der PHZ zu absolvieren.

Neu sind Maturität, Fachmaturität oder Berufsmaturität Voraussetzung. Dies gilt auch für die Kindergartenstufe, wo die Löhne nach wie vor tiefer sind als auf Primarstufe. Das dürfte das Interesse an der reinen «Kindsgi»-Ausbildung weiter sinken lassen.

Die Löhne sind ein weiterer Grund, weshalb die Kindergarten-Ausbildung abgeschafft werden soll. Seit Jahren wehren sich die Kindergärtnerinnen auf juristischem Weg gegen ihre Anstellungsbedingungen, allerdings erfolglos.

Nach wie vor können sie maximal 88 Prozent arbeiten und sind in einer tieferen Lohnklasse angesiedelt als Primarlehrer. Mit dem geplanten Umbau soll sich dies ändern: Kindergärtnerinnen mit Kombi-Abschluss sollen künftig gleich viel verdienen wie Primarlehrer. Sie würden also in Lohnstufe 19 eingereiht.

Lohnerhöhung nur gegen Weiterbildung

Für die rund 1000 Kindergärtnerinnen, die noch keine Kombi-Qualifikation haben, bedeutet dies allerdings: Wollen sie in Lohnklasse 19 aufsteigen, müssen sie zurück an die PHZ und die Unterstufen-Qualifikation nachholen.

Bildungsdirektorin Steiner betonte, dass diese Nachqualifikation so kurz wie möglich und fachlich angemessen sein werde. «Ich will nicht, dass langjährige Kindergartenlehrpersonen eine aufwändige Weiterbildung machen müssen.» So solle etwa auch angerechnet werden, wie lange jemand schon im Kindergarten gearbeitet habe.

Für Kindergärtnerinnen «ein Affront»

Für die Kindergärtnerinnen, die für einen besseren Lohn nun zurück an die PHZ sollen, ist die vorgeschlagene Lösung trotzdem «ein Affront», wie Ursina Zindel vom Verband Kindergarten Zürich sagte. «Unsere Forderung ist gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Nicht gleicher Lohn für gleiche Zulassungsbedingungen.»

Wer Kindergarten unterrichte, sei integriert in ein Primarstufenteam und leiste heute schon gleichwertige Arbeit. Die Lohnklasse 19 solle es deshalb auch für Kindergärtnerinnen ohne Kombi-Abschluss geben.

Hier winkt Steiner jedoch ab. «Wir können die Kindergartenlehrpersonen nicht einfach höher einstufen», sagte sie. «Aber wir geben ihnen die Möglichkeit, sich weiterzubilden und so in Lohnklasse 19 zu kommen.»

Die Nachqualifikation ist freiwillig. Kindergärtnerinnen, die nicht zurück an die PHZ gehen, dürften aber auch in Zukunft problemlos eine Stelle finden- denn sie bleiben für die Gemeinen günstigere Arbeitskräfte als ihre Kolleginnen mit Kombi-Abschluss.

Der Kanton schätzt die Mehrkosten wegen der höheren Löhne der Kombi-Lehrpersonen auf ungefähr 3 Millionen Franken pro Jahr. Davon zahlen 20 Prozent der Kanton und 80 Prozent die Gemeinden.

Am Donnerstag startet die Vernehmlassung zu diesen Umbauplänen. Sie dauert bis Mitte Januar 2020. Bis Sommer sollen die Ergebnisse ausgewertet werden. Entscheiden wird dann der Kantonsrat. (sda)

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