Statistik

Mehr E-Bike-Unfälle in Zürich – dafür historischer Tiefststand bei Verunfallten Personenwagen

Verkehrssicherheit Nachdem zu Beginn des E-Bike-Booms vor allem Senioren häufig verunfallten, sind nun vermehrt auch E-Biker mittleren Alters betroffen. (Archivbild)

Verkehrssicherheit Nachdem zu Beginn des E-Bike-Booms vor allem Senioren häufig verunfallten, sind nun vermehrt auch E-Biker mittleren Alters betroffen. (Archivbild)

Auf das Tempo kommt es an: Radfahrer sind vermehrt mit Elektroantrieb schnell unterwegs, und die Zahl der E-Bike-Unfälle steigt kantonsweit. Gleichzeitig verzeichnet die Stadt Zürich einen Tiefststand bei den Verunfallten mit Personenwagen. Das sind weniger als je zuvor, seit eine Unfallstatistik geführt wird.

Gründe für das sinkende Unfallrisiko der Autofahrenden sind zum einen bessere Sicherheitssysteme der Autos; zum anderen tiefere Geschwindigkeiten im Stadtverkehr, wie Wernher Brucks, Leiter Verkehrssicherheit der Stadt Zürich, bei der Präsentation der Verkehrsunfallstatistik 2019 am Mittwoch mehrfach betonte.

Mehr Tempo-30-Gebiete

320 Verunfallte in Personenwagen gab es in Zürich letztes Jahr. Das sind weniger als je zuvor, seit eine Unfallstatistik geführt wird – und 46 weniger als im Vorjahr. Die Stadt Zürich hat ihre Tempo-30-Gebiete 2019 weiter ausgebaut. Lässt sich da ein Zusammenhang feststellen? «Ja, natürlich, das ist reine Physik», sagt Brucks gegenüber dieser Zeitung. «Es ist eine logische Schlussfolgerung, dass das einen Einfluss hat.»

Gleichzeitig gab es erneut mehr verunfallte Velofahrer. Sie machen in der Stadt Zürich mit 555 Fällen 2019 den Hauptanteil der Unfälle mit Verletzten aus. Auffällig: Während die Zahl der herkömmlichen Fahrradunfälle leicht abnahm und auf 446 sank, stieg sie bei den E-Bikes von 89 auf 109 an.

Auch auf dem Kantonsgebiet ausserhalb der Städte Zürich und Winterthur gab es erneut mehr E-Bike-Unfälle. Gegenüber dem Vorjahr belief sich die Zunahme auf zwölf Prozent, während auch hier eine Abnahme der Unfälle mit herkömmlichen Fahrrädern zu verzeichnen war.

Vermehrt E-Biker mittleren Alters verunfallt

«Das E-Bike ist unser ­Sorgenkind», folgerte Frank Schwammberger, Chef der kantonalen Verkehrspolizei, an der Medienkonferenz. Auffällig sei zudem, dass nun auch vermehrt E-Biker mittleren Alters verunfallten. Bis vor wenigen Jahren waren laut Schwammberger noch fast ausschliesslich Senioren betroffen.

Die Erklärung des Verkehrspolizeichefs: «Offensichtlich wird das E-Bike vermehrt auch gebraucht, um den Arbeitsweg zurückzulegen.» In früheren Jahren sei es tendenziell eher noch ein Freizeitgerät von Senioren gewesen.

Die Kantonspolizei lanciert nun eine neue Kampagne, mit der auch jüngere E-Biker für ein sicheres Fahrverhalten sensibilisiert werden sollen. Gleichzeitig setzt sie ihre seit 2015 laufende Kampagne für weniger Seniorenunfälle fort.

«Disco-Unfälle» auf E-Trottinetten

In der Stadt Zürich kamen zuletzt auch E-Trottinetts vermehrt auf, seien es vermietete oder private. Inzwischen gibt es auf dem Stadtgebiet laut Brucks über 2000 Verleih-E-Trottis.

Auch bei ihnen sind die Unfallzahlen rasant gestiegen: 2019 verzeichnete die Stadtpolizei Zürich 47 gemeldete Verkehrsunfälle mit E-Scootern. Im Vorjahr waren es noch 6. Und es ist mit einer hohen Dunkelziffer zu rechnen, wie Brucks betonte. Längst nicht alle E-Trotti-Unfälle würden gemeldet. Auffällig sei, dass es sich häufig um Stürze von Leuten handle, die am Wochenende nachts alkoholisiert unterwegs waren.

Insgesamt gab es im vergangenen Jahr kantonsweit 16247 Verkehrsunfälle, davon 3407 mit Personenschaden. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies eine leichte Abnahme. Gleichzeitig sanken die Zahlen der Schwerverletzten und Verkehrstoten im Kanton Zürich. Dem Strassenverkehr fielen im Jahr 2019 kantonsweit 24 Menschenleben zum Opfer. Zum Vergleich: 1971, im Jahr mit den meisten Verkehrstoten, waren es noch deren 260.

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