Schlieren

Markus Bärtschiger: «Einmal mehr lässt man die Agglomeration im Regen stehen.»

In ost-westlicher Richtung soll die Engstringerkreuzung untertunnelt werden.

In ost-westlicher Richtung soll die Engstringerkreuzung untertunnelt werden.

Die Untertunnelung der Engstringerkreuzung soll später realisiert werden als geplant. Für den Regierungsrat wie auch für die Schlieremer Kantonsräte ist das 44-Millionen-Projekt aber von zentraler Bedeutung.

Dort, wo sich in Schlieren die Engstringer- und die Bernstrasse kreuzen, wird sich einiges verändern. Mit einem Ausbau soll die Bernstrasse im Kreuzungsbereich in Ost-West-Richtung dereinst unterirdisch verkehren. Dies ist eine der flankierenden Massnahmen im Rahmen des Baus der Limmattalbahn. Ob für den mit rund 44,4 Millionen veranschlagten Kreuzungsbau die Bundesgelder rechtzeitig fliessen, ist aber fraglich. Denn der Bundesrat hatte in seinem Programm «Agglomerationsverkehr der 3. Generation» dieses Bauprojekt von der Priorität A (Umsetzung zwischen 2019 und 2025) zu einer Priorität B (Umsetzung zwischen 2023 und 2026) degradiert.

Der Zürcher Regierungsrat bezeichnet dies in einer Mitteilung von gestern als nicht nachvollziehbar. «Diese Massnahme ist wesentlich für das Funktionieren des Gesamtverkehrssystems Strasse und Limmattalbahn», schreibt er. Weiter sei die Projektierung des Ausbaus der Engstringerkreuzung im Gang und der Baubeginn für 2020/2021 vorgesehen. Zudem sei die Finanzierung des Kantonsanteils gesichert, da sie Teil der Kreditvorlage für die Limmattalbahn war. Wie der Vernehmlassungsvorlage zu entnehmen ist, beträgt der Anteil des Bundes rund 15,5 Millionen Franken.

Auch für den Schlieremer Bauvorstand und SP-Kantonsrat Markus Bärtschiger ist diese Rückstufung unverständlich. «Seit je her wird damit argumentiert, dass es sich bei der Limmattalbahn um ein Gesamtverkehrsprojekt handelt – dazu gehört auch dieser Ausbau.» Darüber hinaus bestehe auch eine zeitliche Abhängigkeit.

Über Gründe wird spekuliert

«Der Bau der flankierenden Massnahmen ist ebenso wichtig wie die Bahn selbst», pflichtet ihm der Schlieremer FDP-Kantonsrat Andreas Geistlich bei. Er stehe deshalb hinter dem Einwand des Regierungsrates betreffend Engstringerkreuzung. Möglicherweise fusse die Rückstufung auf Auslastungs- oder Kapazitätsprognosen, spekuliert er. Er gibt aber zu bedenken: «Das momentan vorliegende Projekt überzeugt mich städtebaulich überhaupt nicht. Hier muss der Kanton dringend nochmals über die Bücher.»

Dass es nun zu grossen Verschiebungen kommt, glaubt Bärtschiger jedoch nicht. «Bereits früher war die Kreuzung der B-Priorität zu geteilt, dies wurde revidiert – solche Veränderungen sind üblich und nicht in Stein gemeisselt.» Und für den Fall, dass sich der Bundesrat doch nicht einsichtig zeigt, könne die Kreuzung auch vom Kanton vorfinanziert werden. Das Fazit dieser Rückstufung steht für Bärtschiger jedoch fest: «Einmal mehr lässt man die Agglomeration im Regen stehen.»

1,1 Milliarden für Agglomeration

Im Rahmen der Agglomerationsprogramme vergibt der Bund finanzielle Unterstützung an Verkehrsinfrastrukturen in den Agglomerationen. Diese sollen eine bessere Abstimmung von Siedlung, Landschaft und Verkehr ermöglichen. Der Kanton Zürich reichte vier Agglomerationsprogramme der 3. Generation ein. Dabei handelt es sich um Projekte in den Gebieten Stadt Zürich, Glattal bis Winterthur und Umgebung, Zürcher Oberland und – gemeinsam mit dem Kanton Aargau – Limmattal. Im Rahmen der Vernehmlassung der rund 200 Massnahmen nahm der Regierungsrat nun Stellung. Im Ganzen geht es um Investitionen von rund 1,1 Milliarden Franken.

Der Regierungsrat verlangt noch für weitere Projekte aus dem Limmattal eine Versetzung auf die Prioritätenliste A. Darunter zum Beispiel die Gleisquerung Reitmenweg für den Langsamverkehr in Schlieren (knapp 15 Millionen, woran der Bund rund 5,2 Millionen zahlt) und der Ausbau der Fuss- und Velounterführung unter den Bahngleisen in Dietikon (knapp 15 Millionen, wovon der Bund knapp 5,2 zahlt).

Doch gibt es nicht nur schlechte Nachrichten für den Kanton. «Erfreut stellt der Regierungsrat fest, dass der Bund die Bedeutung der vier Zürcher Agglomerationsprogramme anerkennt», heisst es in einer Mitteilung. Der Bund übernimmt zwischen 35 und 40 Prozent der Kosten, in absoluten Zahlen entspricht dies einem Betrag von 274 Millionen Franken für die Massnahmen im Zeitraum zwischen 2019 und 2025. Auf die zweite Etappe der Limmattalbahn entfallen 190 Millionen Franken. Nebst dem finden sich noch weitere Projekte aus dem Limmattal auf der Prioritätenliste A. So zum Beispiel die Veloschnellroute zwischen Zürich Altstetten und Schlieren (10,5 Millionen, an die der Bund 3,7 Millionen bezahlt).

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