Seit letztem Herbst ist klar, dass die Limeco bis 2030 ihren heutigen Standort der Kehrichtverwertungsanlage (KVA) in Dietikon schliessen und ersetzen muss, da diese dann ihr Lebensende erreicht hat. Auf dem heutigen Standort ist aber aus Platz- und Umweltgründen kein wirtschaftlicher Neubau möglich. Die Suche nach einer Limmattaler Alternative ist jetzt fertig. Die Limeco will das Areal des Coop-Verteilzentrums an der Reservatstrasse kaufen, das direkt neben der KVA liegt. Das gab die Limeco gestern bekannt.

Über die Modalitäten des Kaufs sind sich Coop und Limeco einig. Auch die Delegierten der acht Trägergemeinden haben den Vertragsmodalitäten bereits zugestimmt (zur Trägerschaft gehören Dietikon, Schlieren, Urdorf und die fünf rechtsufrigen Limmattalgemeinden). Am 5. Mai befinden die Delegierten dann über die finale Version des Kaufvertrags. Über den Kaufpreis wurde vorerst Stillschweigen vereinbart. Er wird aber noch dieses Jahr bekannt, da die Stimmbürger der Trägergemeinden voraussichtlich im Frühling 2018 über den Kaufvertrag abstimmen müssen.

Coop würde das Areal dann rückwirkend ab 1. Januar 2018 von der Limeco für sechs Jahre mieten und hätte die Option auf sechsmalige Verlängerung des Mietvertrags für jeweils ein Jahr.

Die vier Szenarien im Überblick

Denn so gut das Coop-Areal als neuer KVA-Standort auch ist: Ob darauf wirklich eine KVA gebaut wird, ist auch nach dem allfälligen Volks-Ja noch nicht definitiv. Dies hat damit zu tun, dass die Limeco derzeit vier verschiedene Zukunftsszenarien genauer abklärt. Zwei der Szenarien sehen einen Alleingang vor und im Rahmen zweier weiterer Szenarien wird eine Kooperation mit den Aargauer KVA in Buchs und Turgi abgeklärt. Das sind die Limeco-Szenarien im Überblick:

Szenario Alleingang 1: Die Limeco nimmt Anfang der 2030er-Jahre ihre neue KVA auf dem Coop-Areal in Betrieb, ansonsten bleibt alles wie gehabt, die KVA speist also weiter das Regiowärme-Netz.

Szenario Alleingang 2: Die Limeco kann – zum Beispiel wenn das Volk den Kauf des Coop-Areals ablehnt – keine neue KVA bauen. Sie liefert daher den Kehricht an andere Zürcher KVA und speist das Regiowärme-Netz künftig mit einer alternativen Energiequelle, zum Beispiel einem Geothermie-Kraftwerk.

Szenario Kooperation 1: Auf der Suche nach einem gemeinsamen neuen KVA-Standort einigen sich die KVA Buchs, Turgi und Dietikon darauf, dass das Coop-Areal in Dietikon der beste Standort ist. Ein neues KVA-Unternehmen der drei Partner baut dort die neue Anlage. Diese hat dank Kehrichtlieferungen der Partner stets eine angemessene Auslastung und kann das Regiowärme-Netz so speisen.

Szenario Kooperation 2: Die drei genannten Partner-KVA einigen sich darauf, dass der beste Standort für eine neue KVA nicht im Bezirk Dietikon liegt. Die Limeco liefert ihren Kehricht dann an eine KVA mit Aargauer Standort und muss für die Regiowärme eine neue Energiequelle suchen.

Die Standortwahl für die beiden Zusammenarbeitsszenarien dürfte bis Mitte 2018 feststehen. «Die vier Abklärungen sind nach wie vor völlig ergebnisoffen», betont Limeco-Geschäftsführer Patrik Feusi. Darum hat sich die Limeco seit einiger Zeit um das Coop-Areal bemüht. «Können wir das Land nicht kaufen, gibt es im Zürcher Limmattal nach 2030 mit Bestimmtheit keine eigene Kehrichtverwertung mehr. Mit dem Landkauf halten wir uns alle Optionen offen», so Feusi. Denn im Zürcher Limmattal eignet sich kein anderer Standort für eine KVA. Das hat die Standortevaluation ergeben.

Neue KVA haben tiefere Kamine

Es liegt auf der Hand: Das Coop-Areal dürfte in der Grobevaluation möglicher neuer KVA-Standorte bei einer Zusammenarbeit mit Buchs und Turgi kaum auf dem letzten Platz landen. Der Standort ist zonen- und umweltkonform, wäre für das Regiowärme-Netz bestens geeignet und ist gut erschlossen. Der Kehricht könnte sogar umweltschonend per Güterzug angeliefert werden. «Wird das KVA hier gebaut, wird die Silbern auf jeden Fall vom Verkehr entlastet», sagt der Limeco-Verwaltungsratspräsident und Dietiker Vize-Stadtpräsident Jean-Pierre Balbiani (SVP). Das Coop-Verteilzentrum verursacht täglich rund 550 Lastwagenfahrten, die KVA der Limeco hingegen nur rund 60.

Auch Baudirektor Markus Kägi unterstützt den Landkauf durch die Limeco. Das Geld dafür liesse sich günstig am Kapitalmarkt beschaffen, keine Gebührenerhöhungen oder Kredite wären nötig.

Ob für den KVA-Bau auf dem Coop-Areal eine Richtplanänderung nötig wäre, wird derzeit zusammen mit dem Kanton abgeklärt. Der heutige Richtplaneintrag lappt zu einem Teil ins Coop-Areal über. Wird das Land gekauft und doch keine KVA gebaut, könnte die Limeco das Areal am Markt zudem wieder verkaufen oder es der öffentlichen Hand für einen anderen Verwendungszweck zur Verfügung stellen. Denn eine Analyse von Wüest und Partner hat ergeben, dass die Werterhaltung des Areals sehr gut ist. Zum Schluss: Die neue KVA würde gemäss modernsten Standards nur an wenigen Tagen sichtbaren Dampf gen Himmel steigen lassen und die Kamine baut man heute rund
50 statt 80 Meter hoch.