Die Delegierten der Zürcher Planungsgruppe Limmattal (ZPL) wollen noch keine Stellungnahme zur Grösse der neuen Kehrichtverwertungsanlage (KVA) in Dietikon an den Kanton schicken. Sie wiesen den Antrag des Vorstandes, der in einer Einwendung zum kantonalen Richtplan verlangen wollte, dass die Limeco-Anlage maximal 120'000 Tonnen pro Jahr (anstatt 160'000) verbrennen darf, an der Delegiertenversammlung vom Mittwochabend auf Antrag des Weininger Gemeindepräsidenten Hanspeter Haug (SVP) mit 16 zu 6 Stimmen zurück. Über den 90-Millionen-Franken-Kauf des Nachbargrundstücks der heutigen Limeco-KVA, auf der heute die Coop-Verteilzentrale steht, befindet das Stimmvolk der Trägergemeinden am 10. Juni.

Die Delegierten, vorwiegend Limmattaler Gemeinde- oder Stadtpräsidenten und Bauvorstände, stimmten schon zum zweiten Mal über das gleiche Thema ab. Am 14. März waren sie an der ausserordentlichen Delegiertenversammlung mit 11 zu 9 Stimmen dafür, dass die neue KVA maximal 120'000 Tonnen pro Jahr verbrennen soll. Diese Abstimmung ist aber ungültig, weil der Vorstand zwei Ersatzdelegierte nicht abstimmen liess.

«Ich wurde niedergeschrien»

Die denkwürdige Versammlung von Mitte März war am Mittwoch gleich zu Beginn Thema. Der Oetwiler Gemeindepräsident und ZPL-Vizepräsident Paul Studer (FDP) sagte zu den Delegierten: «Bei der letzten DV wurde ich unschön niedergeschrien. Ausserdem musste der Antrag Urdorfs (für ein Maximum von 90'000 Jahrestonnen, Anmerkung der Redaktion) zurückgezogen werden, weil die Versammlung tumultartig wurde.» Er mahnte: «Ich hoffe, dass sich das nicht wiederholt.» Seine Hoffnung wurde erfüllt. Die Diskussion verlief gesittet. Klare Worte fielen trotzdem.

Der Sieger des Abends war Hanspeter Haug. Von ihm kam der Antrag, das Anliegen des Vorstands zurückzuweisen. «Der Zeitpunkt für die Diskussion ist völlig falsch. Über die Grösse der Anlage können wir nachher reden. Mit der Einwendung befeuern wir die Diskussion über die Tonnagen, was nachher in der Presse wieder breit getreten wird», sagte Haug. Er habe auch seine Vorbehalte gegen eine 160'000-Tonnen-Anlage.

Dass sich die Mehrheitsverhältnisse so stark änderten, liegt wohl daran, dass sich die Delegierten nicht mehr zu einer 90'000-, 120'000-, oder 160'000-Tonnen-Anlage bekennen mussten. Am 14. März gab es diese Möglichkeit nicht. ZPL-Vize Paul Studer sagt: «Ohne
Rückweisungsantrag wäre die Abstimmung knapper verlaufen.» Und: «Lobbying hatte auf jeden Fall Einfluss.»

Antrag sei «unehrlich»

Dass Haug seinen Antrag nicht bereits am 14. März stellte, hat einen simplen Grund: «Ich war nicht da, weil ich verhindert war. Natürlich hatte ich aber schon damals diese Meinung.»

Die Meinungen zu seinem Antrag waren kontrovers. Die Dietiker Hochbauvorsteherin Esther Tonini (SP) sagte: «Das ist unehrlich gegenüber der Bevölkerung.» Als sie danach anfügte, «ich glaube, wir alle befürworten den Landkauf», konnte sich die Gemeindepräsidentin von Urdorf, Sandra Rottensteiner (EVP), ein Lächeln nicht verkneifen. Der Urdorfer Gemeinderat lehnt den Landkauf schon lange ab.

«Das bleibt Ihnen im Hals stecken»

Die Versammlung war schon vor Haugs Antrag kontrovers. ZPL-Vize Studer und ZPL-Regionalplaner Heinz Schröder legten die Argumente im Namen des Vorstands dar. Studer störte sich daran, dass die Limeco Marktkehricht von ausserhalb des Limmattals verbrennen will und den Trägergemeinden dafür tiefere Preise für den Kehricht verspricht. «Dieses Argument stimmt so nicht und ist für uns ein Köder, der Ihnen schon bald ihm Hals stecken bleibt», sagte er an die Limeco-Vertreter gerichtet. Ausserdem geht der ZPL-Vorstand von 13'000 mehr Lastwagenfahrten pro Jahr aus. Studer befürchtet zudem eine «Staubsaugermentalität» unter den KVAs, die sich gegenseitig konkurrenzieren und so die Preise für den Marktkehricht drücken würden.

Der Schlieremer Stadtrat und Limeco-Verwaltungsratspräsident Stefano Kunz (CVP), der zwar im Saal, aber als ZPL-Delegierter im Ausstand war, sagte nach der Versammlung auf Anfrage: «Der ZPL-Vorstand arbeitet nachweislich mit falschen Zahlen. Offensichtlich weiss er nicht, wie die Abfallplanung im Kanton Zürich funktioniert.» Die Zürcher Abfallverwertung (ZAV) teile den KVAs den Kehricht zu. «Die falschen Zahlen der ZPL schockieren mich insbesondere, weil sie dafür einen Fachplaner hat.»