Forschung

Letztes Jahr fehlten 40'000 Franken: Jetzt ist die Orang-Utan-Station der Uni Zürich gerettet

Gute Nachrichten für die Orang-Utans in Sumatra: Die Forschungsstation der Uni Zürich kann dank Spenden weiterbetrieben werden.

Die älteren Bewohner des Suaq-Regenwaldes auf der indonesischen Insel Sumatra kennen althergebrachte Regeln. Wer etwa zu viel fischt, macht den Wald wütend. Und damit auch die dort lebenden Waldmenschen, die Orang-Utans. Die Vorstellung eines fragilen Ökosystems, dem man Sorge tragen muss, verschwand aber nach und nach, als die Einheimischen das illegale Abholzen des Regenwaldes als Einkommensquelle entdeckten. Damit gefährden sie nicht nur den Lebensraum der Affen, sondern lösen auch vermehrt Überschwemmungen aus, die sie selber in Gefahr bringen.

Im Suaq-Gebiet sind die Abholzungen aber in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Zu verdanken ist dies der Orang-Utan-Forschungsstation. Der ehemalige Direktor des Anthropologischen Instituts der Universität Zürich, Carel van Schaik, hatte die Station 1994 gegründet, um das Verhalten der Tiere zu erforschen. Seit 2007 sind wieder regelmässig Teams der Universität vor Ort.

Diese Präsenz sei essenziell, sagt Caroline Schuppli. Die Evolutionsbiologin aus Wädenswil leitet die Forschung der Universität in der Suaq-Forschungsstation seit sechs Jahren. Zum einen durchstreifen Doktorandinnen und Studenten das Gebiet täglich bei ihren Besuchen bei den Orang-Utans. Zum anderen bietet die Station Einheimischen begehrte Jobs und damit eine Alternative zur Kettensäge.

Ein Hilferuf, der viele Reaktionen auslöste

Die Forschungstätigkeit an der von der Stiftung Paneco und dem Sumatra-Orang-Utan-Schutzprogramm SOCP betriebenen Station stand vergangenes Jahr vor ungewisser Zukunft. Weil van Schaik emeritiert wurde, fielen Forschungsgelder weg, die der Station zuflossen. Es fehlten 40'000 Franken.

Schupplis Hilferuf wurde gehört, wie sich heute zeigt. Durch die Medienberichte – darunter die SRF-Sendung «Einstein», die über das Suaq-Camp berichtete – seien viele Reaktionen und auch Geld eingegangen, wie Schuppli sagt, viele kleinere Beiträge und drei grössere vor allem von Privatpersonen, aber auch von einer Stiftung. Durch diese Beiträge konnte Schuppli eine Stiftung, die Suaq Foundation, gründen, die seit vergangener Woche offiziell existiert. So kann der permanente Betrieb der Forschungsstation für die nächsten Jahre sichergestellt werden, wie Schuppli sagt, die auch Stiftungspräsidentin ist. Hinzu kommen Forschungsgelder und Fondsbeiträge, die nur für zeitlich begrenzte Projekte gesprochen werden.

Aber auch als Stiftung müssten sie am Ball bleiben, sagt Schuppli, damit die Finanzierung gesichert bleibt. Angedacht sei die Gründung eines Vereins für Interessierte wie Ehemalige, freiwillige Helfer und Suaq-Unterstützer. Neben der Absicherung des Forschungsbetriebs auf der Station will die Suaq Foundation auch ausbauen und plant weitere Projekte. Eines soll sich um die Konflikte zwischen Orang-Utans und Menschen kümmern, etwa wenn die Affen die Felder plündern.

Lokale Zusammenarbeit hat grosses Potenzial

Zudem soll die Aufklärung verstärkt werden. Seit zwei Jahren besuchen die Forscherinnen und Forscher die Primarschulen in den vier Dörfern im Suaq-Gebiet. Dort vermitteln sie Wissenswertes über Naturschutz, Orang-Utans und Biologie. Dies soll künftig systematisiert und mit Englisch-Unterricht kombiniert werden.

Zwei bis drei Jugendliche helfen auch jeweils auf der Station aus und kommen erstmals in Kontakt mit Laptop und GPS-Systemen. «Obwohl die Einheimischen den Wald sehr gut kennen, sind sie sich nicht bewusst, wie speziell er ist», sagt Schuppli. Seit einigen Jahren sei aber zu beobachten, wie sie Stolz dafür entwickelten, dass bei ihnen einige der letzten wilden Orang-Utans leben.

Die lokale Zusammenarbeit habe grosses Potenzial, sagt Schuppli, die selber im November wieder nach Sumatra reist. Anfängliche Skepsis gegenüber den meist weiblichen Forscherinnen habe in positive Resonanz umgeschlagen – «wohl auch, weil vieles, was wir Ausländer erzählen, vertraut nach ihren althergebrachten Regeln klingt».

Auch den Affen merkt man die Stabilität an. Zwei Weibchen, die im Grenzgebiet zum Suaq-Regenwald unterwegs sind, haben in den letzten Jahren ihr Junges verloren. Bei den Suaq-Orang-Utans hingegen gab es zur selben Zeit einen Babyboom mit drei neuen Jungtieren – und schon deren Mütter haben die Forscher ungestört aufwachsen sehen.

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