Weiningen

Lehrer und Sportschütze Urs Niggli: «Die meisten Verbrechen kann kein noch so strenges Waffenrecht verhindern»

Urs Niggli.

Urs Niggli hat 35 Jahre an der Oberstufe unterrichtet. Lange war er in Dietikon tätig. Er ist zudem mehrfacher Schweizer Meister.

Urs Niggli glaubt, im Alter milder geworden zu sein. Er sei immer einer gewesen, der recht haben wollte. Das sei zwar heute noch so, aber er bestehe nicht mehr darauf. «Spass beiseite. Aber ich habe mich manchmal ins Abseits befördert. Andererseits kann ich ganz genau zuhören, Zusammenhänge schnell erkennen und diese auch einfach herausarbeiten, womit ich manche Sitzung verkürzen konnte», erklärt der 1950 in Zürich Geborene.

Als er drei Jahre alt war, ist seine Familie nach Weiningen gezogen, wo er mit einer kurzen, aber wichtigen Ausnahme immer gelebt hat. Nach der Oberrealschule und der Matur im Jahr 1969 entschied er sich, Lehrer zu werden, weil ihn Mathematik und Naturwissenschaften faszinierten. An der Universität Zürich absolvierte er die Ausbildung zum Sekundarlehrer.

Während 35 Jahren unterrichtete Niggli an der Oberstufe der Volksschule. Seine erste Arbeitsstelle lag in Embrach, weshalb er Weiningen verliess und dorthin zog. «Das war für mich eine äusserst wichtige Zeit und das nicht nur in schulischer Hinsicht, denn ich lernte hier meine Judith kennen, die ich 1981 heiratete.»

Ein Jahr früher hatte er beruflich nach Dietikon gewechselt und zog zurück ins Limmattal, in die Fahrweid. «Den kurzen Arbeitsweg habe ich immer als Privileg betrachtet. Nach der Geburt unserer Tochter blieb meine Frau zu Hause und das gemeinsame Mittagessen war ein wichtiger Fixpunkt in unserem Familienleben», sagt Niggli, der diese Situation nach seiner Pensionierung umkehrte und sich als hauptsächlicher Koch vom gemeinsamen Mittagessen betätigt.

Im Jungschützenkurs fing alles an

Wie ein Grossteil seiner Kollegen besuchte auch er den Jungschützenkurs in Weiningen. In der Offiziersschule fasste er dann eine Pistole und gehörte zu den besten Schützen, womit alles begann. Niggli kaufte sich Sportwaffen und erreichte Mitte der 1980er-Jahre ganz beachtliche Resultate, sodass er es bis zur Vorstufe der Nationalmannschaft brachte. Seine grössten Erfolge erreichte er als Mannschaftsschütze mit der Schützengesellschaft der Stadt Zürich. Einmal gewann er einen Schweizer Titel, gemeinsam mit den Schiesslegenden Reiny Ruess und Ernst Stoll. «Später kam das Schwarzpulverschiessen dazu. Hier erreichte ich auch den Schweizer-Meister-Titel als Einzelschütze, worüber auch in diesem Blatt berichtet wurde. Meine jüngste Disziplin ist das Modellkanonenschiessen», erklärt der 69-Jährige, welcher glaubt, dass insbesondere Pistolenschiessen negativ besetzt ist, weil im Fernsehen ausschliesslich Pistolen gezeigt werden, mit denen zweihändig auf Menschen geschossen wird.

«Geniesse jeden Tag viel mehr»

In seiner Zeit als Nachwuchsausbildner habe er immer frühzeitig den Eltern gezeigt, was tatsächlich abläuft. Wenn dann insbesondere die Mütter etwas weitergetragen hätten, sei viel erreicht worden. «Im Moment gehen die Wellen bezüglich privaten Waffenbesitzes hoch. Ich verstehe jeden, der in einem Sturmgewehr eine potenzielle Bedrohung sieht. Die meisten Verbrechen werden allerdings mit illegalen Waffen begangen, und die kann kein noch so strenges Waffenrecht verhindern.»

Die Geburt seines Enkels sowie ein schwerer Velo-Unfall mit einem Sattelschlepper vor ein paar Monaten haben sein Leben stark verändert. Die Geburt seines Enkels war eine grosse Bereicherung, und vom Velounfall hat er sich recht gut erholt, wenn auch mit gewissen Beeinträchtigungen. «Seither geniesse ich jeden Tag viel mehr», sagt Niggli.

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