Zürich

Kran-Fernbedienung demoliert: Obergericht reduziert Busse für rabiate Autofahrerin

Das Obergericht reduzierte die Busse von 800 auf 500 Franken. (Archiv)

Das Obergericht reduzierte die Busse von 800 auf 500 Franken. (Archiv)

Mildere Strafe für eine rabiate Autofahrerin: Das Zürcher Obergericht hat die Busse für eine 47-jährige Lenkerin von 800 auf 500 Franken reduziert. Die Frau war mit ihrem Opel durch eine Baustelle gefahren und hatte dabei die Fernbedienung eines Baukrans demoliert.

Der Bauarbeiter gab zwar ein unmissverständliches Handzeichen, die Autofahrerin liess sich davon jedoch nicht aufhalten. In Winkel, unweit des Flughafens, fuhr sie im März 2016 kurzerhand durch eine Baustelle - zuerst über die auf dem Trottoir stehende Krangabel und dann auch noch über die Fernbedienung eines Krans.

Die Fernbedienung war demoliert - und von der Lenkerin schnell nichts mehr zu sehen. Statt anzuhalten und sich um den Schaden zu kümmern, fuhr sie weiter. Das Statthalteramt Bülach bestrafte sie daraufhin wegen Verkehrsregelverletzung und pflichtwidrigen Verhaltens nach einem Unfall zu einer Busse von 800 Franken.

Die 800 Franken wollte die Frau nicht zahlen und erhob Einsprache. Sie gab zwar zu, durch die Baustelle gefahren zu sein. Aber nur weil ihr ein Arbeiter ein solches Handzeichen gemacht habe. Nie wäre sie gefahren, wenn ihr nicht ein Herr entsprechend gewunken hätte.

Nachdem diese Argumentation beim Bezirksgericht Bülach nicht von Erfolg gekrönt gewesen war, ging der Fall weiter ans Obergericht. Für ihren 800-Franken-Rechtsstreit nahm sich die Frau extra einen Anwalt.

Zu schüchtern und zurückhaltend

Dieser argumentierte, seine Mandantin sei viel zu schüchtern und zurückhaltend, um sich über ein Handzeichen eines Bauarbeiters hinwegzusetzen. Die Arbeiter hätten die Fernbedienung wohl selber beschädigt und wollten das nun auf seine Mandantin schieben.

Auch der Bauarbeiter wurde befragt. Er beschreibt die Lenkerin als etwas weniger schüchtern und zurückhaltend. Er sei nicht sicher, ob sie ihn überhaupt gesehen habe. Er habe deutliche Zeichen gemacht, um sie zum Anhalten aufzufordern. Sie aber habe gehupt, die Hände verworfen und sei einfach weitergefahren.

Vom Unfall nichts mitbekommen

Das Obergericht glaubte dem Arbeiter und bestätigte das Urteil wegen Verkehrsregelverletzung. Einen Freispruch verhängte es aber beim pflichtwidrigen Verhalten nach einem Unfall, also weil sie nach dem Demolieren der Fernbedienung einfach weitergefahren sein soll.

Dazu sagte die Frau aus, da habe keine orangefarbene Box gelegen. Später änderte sie ihre Darstellung. Sie habe die Fernbedienung jedenfalls nicht bemerkt. Für das Obergericht bestand deshalb die Möglichkeit, dass die Frau die Fernbedienung wirklich nicht gesehen und auch das Überfahren des Geräts nicht registriert hatte.

Weil sie vom Unfall vielleicht gar nichts mitbekam, kann sie laut Gericht auch nicht für ihr Verhalten danach verurteilt werden. Das Obergericht reduziert ihre Busse deshalb von 800 auf 500 Franken.

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