Wahlen 2019

Köppel, «Nositsch» und der Grünrutsch: Wer wird in den Ständerat gewählt?

Die Bisherigen Daniel Jositsch (SP) und Ruedi Noser (FDP) müssen sich einerseits gegen SVP-Nationalrat Roger Köppel, andererseits gegen die Wahlsieger vom vergangenen Sonntag behaupten.

Nach dem Grünrutsch bei den Kantonalzürcher Wahlen vom letzten Sonntag bahnt sich der nächste spannende Wahlkampf an: Die beiden Zürcher Ständeratssitze werden bei den eidgenössischen Wahlen am 20. Oktober heiss begehrt sein. Zwar treten mit Daniel Jositsch (SP) und Ruedi Noser (FDP) die beiden Bisherigen wieder an und starten als Favoriten.

Doch Überraschungen sind nicht auszuschliessen – davon kann gerade die FDP ein Lied singen, die am Sonntag einen Regierungsratssitz an die Grünen verlor. Die Wahlsieger vom vergangenen Wochenende sind denn auch gerade dabei zu klären, mit wem sie das amtierende Ständeratsduo herausfordern. Noser gibt sich derweil in einem «Tages-Anzeiger»-Interview betont ökologisch.

GLP hofft auf Tiana Moser

Sowohl die Grünen als auch die GLP werden wohl eine Ständerats-Kandidatur lancieren, wie ihre Kantonalparteipräsidentinnen Marionna Schlatter (Grüne) und Corina Gredig (GLP) gestern auf Anfrage sagten. Für die GLP steht bereits fest: Es wird eine Frau sein.

Die Wunschkandidatin bei vielen Grünliberalen ist laut Gredig «unser grösstes Aushängeschild», Nationalrätin Tiana Moser. Seit 2011 präsidiert sie die GLP-Fraktion im Bundeshaus. Eine Anfrage dieser Zeitung, ob sie für eine Ständeratskandidatur bereit wäre, liess Moser gestern unbeantwortet.

Mit Chantal Galladé hätten die Grünliberalen auch eine Frau in ihren Reihen, die 2007 schon einmal in einem Ständeratswahlkampf gut abschnitt. Damals war Galladé noch SP-Kandidatin.

Im zweiten Wahlgang überliess sie der GLP-Gründerin Verena Diener das Feld, die daraufhin ins Stöckli gewählt wurde. Erst kürzlich wechselte Galladé zu den Grünliberalen. Doch als Ständeratskandidatin wird sie diesen Herbst nicht antreten, wie Gredig gestern sagte. Galladé habe mehrfach bekräftigt, dass sie sich jetzt auf ihr Schulkreispräsidium in Winterthur konzentrieren wolle.

Tiana Moser steht also als potenzielle GLP-Ständeratskandidatin im Vordergrund. Weniger auf eine Person fokussieren die Grünen: Hier sind die Nationalräte Balthasar Glättli, seit 2013 ebenfalls Fraktionschef, und Bastien Girod im Rennen; ebenso Kantonalparteipräsidentin Schlatter, die gerade in den Kantonsrat gewählt wurde; und Katharina Prelicz-Huber, derzeit Zürcher Gemeinderätin und von 2008 bis 2011 Nationalrätin. Definitiv entscheiden werden die Grünen am 21. Mai, die Grünliberalen rund eine Woche vorher.

Zu einer gemeinsamen Ständeratskandidatur der Grünen und der GLP für den 20. Oktober wird es offenbar nicht kommen. Doch in einem zweiten Wahlgang würden die Grünliberalen allenfalls mit den Linken zusammenspannen, wie Gredig gestern sagte. Das kann als Kampfansage an FDP-Ständerat Noser verstanden werden – vor allem, falls SP-Ständerat Jositsch wie 2015 schon im ersten Wahlgang gewählt würde.

Noser und Jositsch werden auch von rechts attackiert: Der SVP-Vorstand hat sich am Dienstagabend für Roger Köppel als Ständeratskandidaten ausgesprochen. Er tritt damit in die Fussstapfen von Ueli Maurer, Christoph Blocher und Hans-Ueli Vogt, die zuletzt als Zürcher SVP-Ständeratskandidaten scheiterten. Köppel hatte sich zu Beginn dieses Jahres ohne Rücksprache mit der kantonalen Parteileitung als Ständeratskandidat selbst lanciert.

Sein Mitbewerber Alfred Heer hat nun seine Kandidatur zurückgezogen, wie die SVP gestern per Communiqué mitteilte. Köppels Nomination durch die SVP-Delegiertenversammlung am kommenden Dienstag dürfte damit reine Formsache sein.

Die SVP begründet Köppels Antreten damit, dass Noser und Jositsch beide «EU-Turbos» seien. In SVP-Kreisen werden sie deshalb auch «Nositsch» genannt. Köppel hingegen lehnt den Rahmenvertrag mit der EU ab, der «der entscheidende Schritt in Richtung EU-Beitritt» sei, wie die SVP in ihrem Communiqué weiter schreibt. So könne Köppel die Mehrheit der Zürcherinnen und Zürcher repräsentieren.

Diese wählten am Wochenende jedoch mehrheitlich ökologisch ausgerichtete Mitte-Links-Kräfte. Und: «Nositsch», also Noser und Jositsch, sind keineswegs immer einer Meinung, wie ein Blick in die letzten Abstimmungsprotokolle des Ständerats zeigt.

So stimmten sie etwa gegensätzlich, als es um die Anpassung der Krankenkassen-Franchisen und um die Volksinitiative für mehr bezahlbare Wohnungen ging, ebenso beim Gleichstellungsgesetz. Für Spannung bleibt gesorgt.

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