Dietikon

Klangkünstler will Fontäne in der Limmat installieren

In der Limmat bei Dietikon soll eine Wasserfontäne installiert werden, die in Form eines Bogens als sogenannter Laminarwasserstrahl Wasser aus der Limmat in die Limmat spritzt. So gäbe es sehr feine Wassertropfen. Diese würden das Licht so brechen, dass beim richtigen Stand der Sonne ein kleiner Dietiker Regenbogen entstehen würde.

Klangkünstler Andres Bosshard hat sich in Dietikon und seinen Klang verliebt. Gerne würde er die Klangqualität der Stadt weiter verbessern. Zum Beispiel mit einer Live-Übertragung des Reppisch-Rauschens ins Bahnhof-Velohaus.

Andres Bosshard traut dem gewöhnlichen Lärmschutz nicht: «Schutzmauern bauen bringt uns nicht viel weiter. Wir müssen nämlich die Klangqualität fördern», sagt er. Und genau das ist sein Beruf. «Ich sehe mich als Klang-Gärtner.» Und als solcher sprudelt er vor Ideen. So manche akustische Saat möchte er in Dietikon zum Spriessen bringen.

Zum Beispiel beim Velohaus. Den Zweckbau – der letztes Jahr beim Stadtfest zum Bora-Bora-Beach-Club wurde – möchte er gerne mit dem Rauschen der Reppisch bespielen, einem der ureigensten und natürlichsten Klänge Dietikons. Ein Mikrofon soll das Rauschen aufnehmen, Keramik-Lautsprecher sollen es im Velohaus repetieren. Die akustische Installation könnte zum Beispiel auf zwei Jahre angelegt werden. «Diese akustische Belüftung würde dem Velohaus einen Puls geben, sodass jeder, der es betritt, sich denkt: ‹Hey, hier ist ja etwas.› Das gibt dem Ort eine ganz neue Qualität. Das Velohaus kann mehr als das, was es heute ist.»

Das Plätschern der Reppisch in Dietikon.

Das Plätschern der Reppisch in Dietikon.

Rauschen, das ist im Limmattal so etwas wie ein akustisches Leitmotiv. «Irgendetwas rauscht hier immer und je nachdem, wo man steht, rauschen alle Verkehrsformen gleichzeitig. Diesen akustischen Nebel kann man mit einem schönen Rauschen wie jenem der Reppisch durchbrechen. Massnahmen wie diese beleben das Zentrum und geben ihm eine ganz neue Qualität», erklärt Bosshard seine Idee. Mit einem solchen Vorgehen hat Bosshard auch die Altstadt der deutschen Stadt Hannoversch Münden wiederbelebt. «Es gab einen neuen Kitt unter der Bevölkerung, eine neue Wertschätzung für das, was man hat», so Bosshard. Sein Ziel sei es, mit den Hörerwartungen der Leute zu spielen. «Ich will den Anstoss dazu geben, dass die Leute beginnen, anders zuzuhören.»

Eine weitere Idee von Bosshard ist weniger unkonventionell, aber aufwendiger: In der Limmat bei Dietikon soll eine Wasserfontäne installiert werden, die in Form eines Bogens als sogenannter Laminarwasserstrahl Wasser aus der Limmat in die Limmat spritzt. So gäbe es sehr feine Wassertropfen. Diese würden das Licht so brechen, dass beim richtigen Stand der Sonne ein kleiner Dietiker Regenbogen entstehen würde.

Eine weitere Idee für den Klangweg, den Bosshard in Dietikon gerne unter dem Motto «Blaues Rauschen» errichten würde, sind zwei Wasser-Vorhänge bei der Vorstadtbrücke, die das Wasserrauschen künstlich erweitern würden. Zudem sollen zwei Klang-Gullis den Ton fliessenden Wassers an die Oberfläche der Kirchstrasse bringen und zwei Wassersäulen bei der Merkurstrasse dem Motorenlärm Konkurrenz machen.

«Eine grosse akustische Überraschung»

Extra für Dietikon hat sich Bosshard diese und weitere Ideen ausgedacht. «Das sind Spielbälle, die ich in die allgemeine Aufwertung des Limmattals reinwerfen möchte. Denn Klangaspekte gehen bei Aufwertungen oft verloren.» Die Stadt Dietikon hat es ihm angetan, seit er ihren Klang seit rund sechs Jahren für den Kanton untersucht. «Ich würde den Klang von Dietikon gerne weiterentwickeln. Die Stadt ist unnachahmlich, sie hat ihren ganz eigenen Charakter.» Besonders hat es dem Klangkünstler die Reppisch angetan, da diese zwar «versteckt in einem künstlichen Bett» fliesse, aber gerade deshalb «eine grosse akustische Überraschung» sei, wenn man mal für einige Minuten auf der Vorstadtbrücke stehen bleibt zum Beispiel. Gerade bei der Erlebbarkeit der Reppisch orteten viele Teilnehmer eines Freiraum-Workshops des Studios Dietikon letzten Samstag viel Verbesserungspotenzial (die Limmattaler Zeitung berichtete). «Es wäre toll, wenn zur angedachten Aufwertung der Erlebbarkeit der Reppisch auch eine Klanginstallation gehören würde», sagt Bosshard.

Ideen wie die ReppischLive-Übertragung ins Bahnhof-Velohaus stellte er am vergangenen Dienstagabend genauer vor; am Klangspaziergang, den die Regionale Projektschau Limmattal (kurz: Regionale 2025) organisiert hatte. Denn Bosshards Projekt «Ruheorte. Hörorte.» ist ein Projektkandidat für die grosse Projektschau, die in sechs Jahren stattfindet und auf die derzeit mit verschiedenen Veranstaltungen anlässlich der Zwischenschau 2019 die Lust geweckt wird. Unter anderem riet Bosshard dem guten Dutzend Teilnehmer, sich Pylone ans Ohr zu halten und so auf ein bestimmtes Umgebungsgeräusch zu fokussieren – für viele war das ein ganz neues Erlebnis.

Das Projekt «Ruheorte. Hörorte.» hatten die Fachstelle Lärmschutz der kantonalen Baudirektion und das Amt für Verkehr der kantonalen Volkswirtschaftsdirektion gemeinsam bei der Regionale 2025 eingegeben. Mit dem Klangspaziergang habe man erstmals eine Diskussion mit der Bevölkerung über akustische Qualität im öffentlichen Raum und Bosshards konkrete Ideen anstossen wollen, sagt Carmen Simon von der Regionale 2025.

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