Mordprozess

Jeton G. muss 20 Jahre in Haft – Zürcher Bezirksgericht wertete seine Tat als Tötung statt Mord

Das Urteil Jeton G. ist noch nicht rechtskräftig; es kann beim Zürcher Obergericht angefochten werden. (Archivbild)

Das Urteil Jeton G. ist noch nicht rechtskräftig; es kann beim Zürcher Obergericht angefochten werden. (Archivbild)

Für das Zürcher Bezirksgericht ist klar: Jeton G. hat am 1. März 2015, als es auf einem Parkplatz in Zürich Affoltern zu einer Auseinandersetzung zwischen zwei verfeindeten Gruppierungen gekommen war, Schüsse auf zwei Männer abgegeben. Einer der beiden, ein 30-jähriger Türsteher, starb. Der andere blieb unverletzt.

An der gestrigen Urteilseröffnung wies das Gericht die von der Verteidigung vorgebrachten Argumente zurück. So sei es ausgeschlossen, dass eine andere Person als der Beschuldigte die tödlichen Schüsse abgefeuert habe. Widerlegt sei im Weiteren, dass Jeton G. während der Schussabgabe wegen eines gegen ihn eingesetzten Pfeffersprays praktisch nichts gesehen habe. «Zudem bestand auch keine Selbstverteidigungssituation, da die beiden Opfer bereits auf der Flucht waren», heisst es in einer Medienmitteilung des Zürcher Bezirksgerichtes. Der Türsteher war von einer Kugel am Rücken getroffen worden.

Brutal und kaltblütig, aber kein Mord

Die Staatsanwaltschaft hatte unter anderem wegen Mordes eine lebenslängliche Freiheitsstrafe sowie eine Verwahrung gefordert. Die Verteidigung hatte den Mordvorwurf zurückgewiesen und auf eine Freiheitsstrafe von vier Jahren plädiert.

Das Zürcher Bezirksgericht wertete die Tat nun nicht als Mord, sondern als Tötung. Das Verhalten von Jeton G. sei zwar als brutal und kaltblütig zu qualifizieren, erklärte das Gericht gestern. Doch seien aufgrund der gesamten Umstände die Voraussetzungen für einen Mord im Sinne des Strafgesetzbuches nicht erfüllt.

Das Gericht berücksichtigte dabei insbesondere, «dass es sich bei der Tat um den Schlusspunkt einer längeren, beidseits mit harten Bandagen geführten Fehde handelte». Zudem sei die Eskalation am Tatort nicht nur dem Beschuldigten, sondern auch anderen Anwesenden zuzurechnen.

Keine direkte Tötungsabsicht

Das Gericht sprach von einem schweren Verschulden. Es verwies unter anderem darauf, dass der heute 36-Jährige mehrfach einschlägig vorbestraft sei und trotz eines anderen noch laufenden Verfahrens weiter delinquiert habe. Strafmindernd wirkte sich hingegen – neben einem Teilgeständnis – aus, dass Jeton G. an jenem Abend im März 2015 nicht mit direkter Tötungsabsicht gehandelt hatte.

Unter anderem wegen vorsätzlicher Tötung, versuchter Tötung und Angriff verhängte das Zürcher Bezirksgericht eine Freiheitsstrafe von 16,5 Jahren. Es hat diese als Zusatzstrafe ausgesprochen. Sie wird mit einer bereits im Jahr 2015 vom Obergericht ausgesprochenen Freiheitsstrafe vollzogen.

Jeton G. müsste damit gemäss Mitteilung eine Gesamtfreiheitsstrafe von insgesamt 20 Jahren verbüssen. Das Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig; es kann beim Zürcher Obergericht angefochten werden. (og)

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