Schlieren
Immer wieder wird es brenzlig – aber die Stadt sieht keinen Handlungsbedarf an der Freiestrasse

Gemeinderat und Anwohner Beat Kilchenmann (SVP) ist enttäuscht, dass der Stadtrat nur auf die Eigenverantwortung der Autofahrer setzt. Denn die Verkehrssituation an der Freiestrasse ist nicht selten gefährlich.

Lydia Lippuner
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An der Freiestrasse sind beidseitig Parkplätze eingezeichnet. Das führt laut Anwohnern zu gefährlichen Situationen.

An der Freiestrasse sind beidseitig Parkplätze eingezeichnet. Das führt laut Anwohnern zu gefährlichen Situationen.

Sandro Zimmerli

Anwohner beklagen die Verkehrssituation auf der Freiestrasse in Schlieren. Die versetzt platzierten Parkplätze auf beiden Strassenseiten sollten die Freiestrasse eigentlich beruhigen. Doch bei viel Verkehr wird es in der 30er-Zone schnell unübersichtlich. Das führt zu sehr gefährlichen Situationen.

SVP-Gemeinderat und Anwohner Beat Kilchenmann beobachtete, wie Autos an verengten Strassenabschnitten in voller Fahrt auf das Trottoir fuhren und erst direkt vor Passanten anhielten. So etwas sei kein Einzelfall, sagt er. Die Quartierstrasse sei häufig stark belastet, da sie eine beliebte Ausweichstrasse ist, wenn es beim Schlieremer Stadtplatz-Kreisel zu Stau kommt.

Sofortige Veränderungen seien nicht nötig

Der Schlieremer Stadtrat schätzt die Situation anders ein: «Der Stadtrat erachtet die aktuelle Situation als zumutbar und rät daher von einer sofortigen Veränderung ab», schreibt er in seiner Antwort auf ein Postulat, in dem Kilchenmann dringend Verbesserungen an der Freiestrasse gefordert hatte. Der Stadtrat beantragt nun dem Gemeinderat, das Postulat abzuschreiben – und appelliert an die Eigenverantwortung der Autofahrer. Dies stösst Kilchenmann sauer auf.

Bei einem Augenschein vor Ort habe man keine gefährlichen Ausweichmanöver beobachtet, begründet der Stadtrat. Auch hätten die Verkehrsmessungen der Stadt gezeigt, dass die Beruhigungsmassnahmen an der Freiestrasse die erwünschte Wirkung erzielten.

Kilchenmann stört besonders, dass der Stadtrat seine Beobachtungen im Quartier in Frage gestellt hat. «Nur weil bei der Messung des Verkehrs keine gefährlichen Situationen entstanden sind, heisst das nicht, dass sie auch sonst nicht geschehen», sagt Kilchenmann.

Stadtrat verwarf vier Möglichkeiten

Als Reaktion auf Kilchenmanns Vorstoss analysierte und verwarf der Stadtrat vier Möglichkeiten, um die Freiestrasse sicherer zu gestalten. Einerseits könnten die Fahrbahn und das Trottoir mittels Pylonen und Ketten getrennt werden, schreibt der Stadtrat. Aber Ketten könnten nicht durchgängig installiert werden und seien zudem ein Hindernis, wenn etwa Radfahrer im Notfall auf das Trottoir ausweichen müssten.

Von der Möglichkeit, die Freiestrasse in eine Sackgasse oder Einbahnstrasse umzuwandeln, sah er ebenfalls ab, weil dabei zunächst das gesamte Schlieremer Verkehrssystem in Betracht gezogen werden müsste. Auch eine Begegnungszone auf der Freiestrasse sei keine Lösung, weil nicht genügend Fussgänger unterwegs seien. Zuletzt verwarf der Stadtrat ein Teilfahrverbot, da der Stadtpolizei Schlieren/Urdorf nur schon das nötige Personal fehle, um die Einhaltung zu kontrollieren.

Kilchenmann regt an, dass Parkplätze verschwinden

Geht es nach Kilchenmann, sollte ein Polizist an die Strasse stehen und die Situation eine Zeit lang beobachten, um gefährliche Manöver sofort zu büssen. Das führe, genauso wie Geschwindigkeitsbussen, dazu dass die Autofahrer vorsichtiger fahren. Auch bei der Strassengestaltung sieht er Verbesserungspotenzial. «Man hätte beispielsweise zwei Parkplätze an der Strasse aufheben können. Dann wäre die Situation bereits übersichtlicher geworden», sagt er.

Die Parkplätze auf beiden Strassenseiten haben laut Kilchenmann nicht dazu geführt, dass weniger Autos durch die Quartierstrasse fahren. Er nutze auf seinem Arbeitsweg Echtzeit-Verkehrsinformationen, um möglichst reibungslos ans Ziel zu kommen. Deshalb habe er den Kreisel beim Stadtplatz in letzter Zeit oft gemieden.

Das letzte Wort zur Freiestrasse hat das Parlament. Es wird voraussichtlich an der Sitzung am 1. Februar über die vom Stadtrat beantragte Abschreibung des Postulats diskutieren. Weil Kilchenmann sein Postulat mit zehn Mitunterzeichnern eingereicht hatte, wird wohl mindestens ein knappes Drittel der 36 Gemeinderäte nicht dem stadträtlichen Antrag folgen.