Am Ende wird Werkmitarbeiter Allen Spagnuolo ein Dutzend Abfallsäcke von der Ladefläche seines Kleintransporters abladen. Ein Container auf der Sammelstelle der Gemeinde Oetwil ist mit den am frühen Montagmorgen auf den verschiedenen Feuerstellen der Gemeinde gefüllten 110-Liter-Säcken gleich voll, ein zweiter zumindest zur Hälfte.

Über das Wochenende sei vergleichsweise wenig Abfall bei den Feuerstellen zurückgelassen worden, sagt Spagnuolo. Es habe ja auch geregnet, sodass sich nur wenige Personen im Freien aufgehalten hätten. Nach einem besonders schönen Sommerwochenende sei die Ladefläche seines Piaggio Porters jeweils übervoll. «Und auf der Sammelstelle reichen die vorhandenen normalen Abfallcontainer dann nicht mehr aus.»

Fliegende Verpflegung, liegengebliebene Verpackung

Am häufigsten bleiben in der Schweiz im öffentlichen Raum und in der Natur Verpflegungs-Überbleibsel zurück, wie eine Studie des Bundesamtes für Umwelt gezeigt hat. Bei etwas mehr als der Hälfte der Abfälle, die unbedacht oder absichtlich fallen- und liegengelassen werden, handelt es sich um Essens- und Getränkeverpackungen. Diese machen 34 Prozent und 17 Prozent des Litterings aus.

Dies sieht in Oetwil gerade an den Feuerstellen, die ja der Öffentlichkeit für geselliges Beisammensein zur Verfügung stehen, nicht anders aus. Es blieben die üblichen Reste von Grillabenden zurück, sagt Spagnuolo. Von geleerten Bierdosen über den benutzten Einweggrill bis hin zu zerbrochenem Plastikgeschirr findet er immer wieder alles.

Er hat aber schon ganz andere Dinge eingesammelt. Unten an der Limmat würden immer wieder einmal Gummiboote zurückgelassen, sagt der Werkmitarbeiter. Diese müssten nicht einmal kaputt sein – einigen sei es offenbar einfach zu mühsam, die Boote nach einem langen Ausflug noch nach Hause zu schleppen.

Auf der Sammeltour an diesem Montagmorgen stösst Spagnuolo auf keine besonderen Hinterlassenschaften. Doch auch wenn das letzte Juli-Wochenende wetterbedingt eher ein ruhiges war: An einer der beiden kommunalen Feuerstellen, die direkt am Ufer der Limmat liegen, quillt einer der vorhandenen Abfalleimer über. Im Mund des silbernen Abfallhais, diesem im öffentlichen Raum weit verbreiteten Kübel-Modell, stecken eine weisse Papiertüte, ein Robidog-Sack und eine Bananenschale. Am Boden vor dem Eimer liegen eine Verpackung aus Karton und eine grüne, leere Bierflasche im Gras.

Werkmitarbeiter Allen Spagnuolo öffnet den Abfallhai, um den darin befindlichen Müllsack herauszufischen. In diesen stopft er kurz darauf auch die Gegenstände, die er mit seinen in Handschuhen steckenden Händen aus dem Mund des Abfallhais geklaubt und mit der Greifzange vom Boden aufgehoben hat.

Verärgert über diesen Abfall ist er nicht, wie er sagt. Er hievt den ersten 110-Liter-Sack dieser Tour auf die Ladefläche. Dann deponiert er Handschuhe und Greifzange im Fahrzeug. Und er ergänzt: «Wir vom Werkteam sind dafür zuständig, dass der Abfall eingesammelt wird und die Feuerstellen sauber sind.»

Positiv sei ja, dass die Reste unmittelbar neben dem vollen Abfallhai gelegen seien. Er würde sich zwar schon erhoffen, dass die Nutzerinnen und Nutzer der Feuerstellen ihre Reste und Überbleibsel in einen anderen, noch nicht überfüllten Kübel werfen würden. Oder dass sie die Verpackungen ihrer Würste, die sie ja auch von irgendwo an diese Stelle mitgenommen hätten, auch wieder nach Hause tragen würden, um sie dort zu entsorgen.

Korrekt entsorgt dank vielen Abfalleimern

Am Montag zieht Spagnuolo an diesem ersten Stopp auf seiner Tour dennoch grundsätzlich eine positive Bilanz: Wie ein abschliessender Blick über die Feuerstelle zeigt, blieb diesmal kein Abfall in den angrenzenden Wiesen- und Waldstücken liegen. Essensreste, die ins Gras gekippt würden, könnten Tiere anlocken, herumliegende Verpackungen belasten die Umwelt, sagt er.

Das Bundesamt für Umwelt fragt in einem «Wegweiser für eine müllfreie Umwelt» denn auch plakativ: «Wer fühlt sich schon wohl, wenn eine fette Ratte im Dämmerlicht den Weg kreuzt, nachdem sie sich ein Stück Wurst einverleibt hat, das neben dem Mülleimer gelandet ist?» Es verweist darauf, dass korrekt entsorgter Abfall kostbare Umweltressourcen und das Klima schütze. Denn dieser Abfall werde teilweise rezykliert und weiterverwertet. Und werde er verbrannt, könne Strom produziert werden. «Gelitterter Müll wird dieser Nutzung entzogen», schreibt das Bundesamt. Abfall in der Umwelt zersetze sich zudem nur langsam. «Schon kleine Müllmengen an Land gefährden die heimischen Tiere und Pflanzen.» Auch Seen und Flüsse würden belastet – so verschmutze eine einzige Zigarettenkippe bis zu 60 Liter Wasser.

Allen Spagnuolo hat die beiden Oetwiler Feuerstellen an der Limmat hinter sich gelassen. Mit seinem schmalen Kleintransporter fährt er über verschiedene steile Kiesstrassen ins Wiesentäli hinauf. An fünf verschiedenen Stellen an den Waldrändern liegen weitere mit Grill- und Sitzmöglichkeiten ausgerüstete Plätze der Gemeinde Oetwil.

Müll liegt nach dem nassen Wochenende keiner herum. Die Abfalleimer sind aber auch hier gut gefüllt. Überrascht ist Spagnuolo davon nicht: Die Region sei gerade auch bei Spaziergängern und Hündelern beliebt, denen leichte Regengüsse nichts ausmachen würden. Generell stellt der Werkmitarbeiter fest, dass hier im Wiesentäli die verschiedenen Nutzer eher Ordnung halten und auch die zur Verfügung stehenden Kübel benützen würden, als dies unten an der Limmat der Fall sei.

Spagnuolo tauscht die halb- bis dreiviertelvollen Abfallsäcke gegen neue aus. Er putzt auf dieser Tour auch rasch die verschiedenen Brunnen. «Einmal in der Woche fegen wir sie, damit sie nicht vergrünen und sich Algen nicht allzu breit machen», sagt Spagnuolo. Bevor er die nächste Stelle anfährt, blickt er sich wie gewohnt noch einmal kurz um. Mal hebt er dann einen leeren, zwischen Grashalmen steckenden Robidog-Sack auf, den wohl ein heftiger Windstoss aus den Händen einer überraschten Person gerissen hatte. Mal rückt er rasch einen neben der Feuerstelle liegenden Grillrost an die rechte Stelle.

Wie an diesem Montag ist Spagnuolo oder einer der beiden weiteren Mitglieder des Oetwiler Werkteams oft unterwegs. Die Feuerstellen werden in der Regel am Montag, Mittwoch und Freitag aufgesucht, um sie für die Öffentlichkeit herzurichten.

Wo nichts herumliegt, bleibt weniger liegen

Dabei geht es nicht nur darum, herumliegenden Müll aufzusammeln, sondern insbesondere auch den ordentlich entsorgten Abfall wegzuschaffen. Denn die Abfalleimer sollen in der Regel leer sein – nicht, dass Bananenschalen, Tüten und Robidog-Säcke keinen Platz darin finden und deshalb am Boden landen.

Denn wie die Zürcher Baudirektion in einem Leitfaden für Gemeinden und Städte schreibt, wird dort, wo bereits etwas herumliegt, in der Folge noch mehr Abfall hingeworfen. «Es ist erwiesen, dass Littering auf verschmutzten Plätzen eher auftritt als auf sauberen Plätzen.» Littering sei bequem, hält die kantonale Baudirektion fest. Es werde begünstigt durch Anonymität, Rauschzustände und wenn soziale Kontrollen schwinden oder wegfallen.

Heute Mittwoch und übermorgen Freitag wird wiederum ein Mitglied der Oetwiler Werkabteilung entlang der Limmat und durchs Wiesentäli fahren. Allen Spagnuolo hofft, dass diese dann wie er am Montag praktisch keinen herumliegenden, sondern korrekt entsorgten Abfall finden.