Schlieren

Geplatztes Podium: Linke und Bahngegner spotten

In Dietikon wird debattiert. In Schlieren hingegen nicht. (Archiv)

In Dietikon wird debattiert. In Schlieren hingegen nicht. (Archiv)

Dass es wegen der Forderungen der bürgerlichen Parteien (BPS) zu keinem Wahlpodium gekommen ist, stösst den Lesern sauer auf. Sogar bürgerliche Politiker stellen das Demokratieverständnis der BPS infrage.

«Gewisse Traktanden bei einem Podiumsgespräch nicht auf die Liste nehmen zu wollen, signalisiert ein Demokratieverständnis, das inakzeptabel ist», schrieb Heinz Schlatter in einem Leserbrief. So wie ihm ging es zahlreichen Lesern, die sich nach der Lektüre des Artikels «Darum wird in Schlieren nicht debattiert» vom Dienstag echauffierten. So kam die Organisation einer Podiumsdiskussion nicht zustande, weil das Wahlbündnis der bürgerlichen Parteien Schlierens (BPS) zwei Bedingungen stellte.

Die Bündnisleitung, der Zusammenschluss besteht aus den örtlichen SVP, FDP, CVP und EVP, verlangte, dass den Kandidaten die Fragen im Voraus abgegeben werden und die Limmattalbahn nicht Gegenstand der Diskussion sein dürfe. Mit einer Bekanntgabe der Fragen habe man verhindern wollen, dass die Kandidaten auf der Bühne überrumpelt und zerpflückt werden, sagte BPS-Präsident Beat Kilchenmann. Daraufhin zogen die Organisatoren des Vereins Freizeit Schlieren ihr Angebot, einen solchen Anlass ins Leben zu rufen, zurück, wie mehrere Quellen bestätigen.

«Denke ich an die letzte Parlamentssitzung, kann ich es nachvollziehen, dass man gewisse Stadträte nur mit eingeübten Reden auf die Bevölkerung loslassen will», schreibt etwa Dominik Ritzmann, Gemeinderat der Grünen, auf Facebook. Damit spielt er auf die Debatte um den Einsatz von Sozialinspektoren von Anfang Februar an.

Thema gab über Stadtgrenze hinaus zu reden

Nicht nur bei den Schlieremer Grünen und der SP – sie veröffentlichte den Artikel auf Facebook mit der Zeile «Wir wären dabei gewesen. Schade» – schlug das Thema Wellen. Auch über die Stadtgrenze hinaus gab es zu reden. Die SP-Kantonsrätin und Dietiker Gemeinderätin Rosmarie Joss konstatierte: «Wenn die bürgerlichen Parteien Schlierens befürchten, dass ihre Kandidaten zerpflückt werden, wenn sie die Fragen nicht vorher wissen, spricht dies nicht für deren Kandidaten.»

Nicht als Problem der Parteien, sondern als eines des Stadtrates sieht es User Ben Steiner. Dieser konstatiert in einem Kommentar auf der Website der Limmattaler Zeitung, dass die Exekutive ein massives Transparenzproblem habe. «Regelmässig muss der Stadtrat vom Parlament gerügt werden, vielfach wird aber auch geschwiegen, um Schlieren nicht zu schaden», so Steiner.

GLP kritisiert Kalkül

Die GLP des Bezirks Dietikon moniert auf ihrer Facebook-Seite: «Zu schade, dass aus dem politischen Kalkül einiger Andreas Kriesi die Gelegenheit, sich zu präsentieren, verwehrt wird.» Die grünliberale Gemeinderätin Songül Viridén habe zudem oftmals vernommen, dass sich Wähler gerne im Rahmen einer solchen Podiumsdiskussion ein Bild über die Stadtratskandidaten gemacht hätten, schreibt sie auf Facebook. Die aktuellen Exekutivmitglieder nimmt sie jedoch in Schutz. «Dass ein solcher Anlass nun nicht stattfindet, rückt unsere Stadträte in ein falsches Licht. Schade.»

Dass nicht über die Limmattalbahn hätte gesprochen werden dürfen, sorgt nicht nur bei den Linken, sondern auch in den eigenen Reihen für Irritation. «Unglaublich. Da werfen Kanidaten sämtliche Ressourcen in den Wahlkampf, aber für ein neutrales Podiumsgespräch stehen sie nicht zur Verfügung», schreibt der Schlieremer FDP-Gemeinderat Markus Weiersmüller auf Facebook. Er vermutet, dass der Stadtrat nicht möchte, dass die Allgemeinheit merkt, dass eine deutliche Mehrheit gegen die zweite Etappe der Limmattalbahn ist. «Schönes Demokratieverständnis», resümiert er.

Anderer Ansicht ist man bei den SVP- und FDP-Parteileitungen. Während Kilchenmann auf Weiersmüllers Kritik auf dessen Facebook-Wand den Standpunkt erläutert, dass man anderen Themen der städtischen Politik den Vortritt habe lassen wollen, hält FDP-Präsidentin Barbara Angelsberger das Thema an sich für obsolet. «Es ist Ferienzeit und man sucht verzweifelt nach Themen», schreibt sie auf den sozialen Medien.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1