«30 Grad, Grillwetter und ein Fussballmatch. Das sind keine guten Voraussetzungen für unsere Versammlung», sagte der Weininger Gemeindepräsident Mario Okle (parteilos) vergangenen Mittwochabend, als er in die kleine Runde an der Kreisgemeindeversammlung Weiningen blickte. 30 Stimmberechtigte aus den Gemeinden Unterengstringen, Weiningen, Geroldswil und Oetwil waren in der Gemeindescheune in Oetwil erschienen. Auf den Traktandenlisten standen die Jahresrechnungen 2018 des Friedhofverbands Weiningen, der Oberstufenschulgemeinde Weiningen und der Reformierten Kirchgemeinde Weiningen. Über Letztere befanden sogar nur 17 Stimmbürgerinnen und Stimmbürger.

5 Stimmende von fast 10'000

Nach dem Spruch zum Start schlug Okle, der an diesem Abend als Präsident der Friedhofskommission Weiningen amtete, jedoch ernstere Töne an. «Angesichts der sehr überschaubaren Zahl an Stimmberechtigten stellt sich die Frage, ob die Gemeindeversammlung tatsächlich der richtige Rahmen ist, um die Willensäusserung des Stimmvolks einzufangen.» Wenn man alle Behörden- und Kommissionsmitglieder von der Teilnehmerzahl abziehe, bliebe noch eine Handvoll Personen übrig. «Wenn man bedenkt, dass es sich um ein Einzugsgebiet mit 9900 Stimmberechtigten handelt, ist das sehr wenig», sagte Okle. Er wolle das Verhalten der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger nicht kritisieren. «Das bedeutet wohl, dass sie mit unserer Arbeit zufrieden sind.» Und trotzdem: «Es dient uns als Fingerzeig. Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir das künftig handhaben wollen. Demokratisch konform ist es, aber legitimiert wohl eher weniger», sagte Okle.

Er könne sich vorstellen, dass die Geschäfte an den ordentlichen Gemeindeversammlungen der einzelnen Gemeinden behandelt werden könnten. Oder dass zumindest die Oberstufenschulgemeinde ihre Geschäfte gemeinsam mit denen der Primarschule Oetwil-Geroldswil an der selben Versammlung zur Abstimmung vorlege.

Alle drei Jahresrechnungen wurden einstimmig genehmigt. Die Oberstufenschulgemeinde Weiningen verzeichnete 2018 einen Aufwand von 9,447 Millionen Franken und einen Ertrag von 9,404 Millionen Franken. Dies ergibt ein Minus von 73'000 Franken. Das Eigenkapital sinkt auf 3,185 Millionen Franken. Die Jahresrechnung 2018 des Friedhofverbands Weiningen weist einen Aufwand von 420'000 Franken und einen Ertrag von 50'000 Franken auf. Daraus resultiert ein Minus von 370'000 Franken, das von den vier Trägergemeinden beglichen wird.

Die Jahresrechnung 2018 der Reformierten Kirchgemeinde Weiningen schliesst bei einem Aufwand von 2,154 Millionen Franken und einem Ertrag von 2,396 Millionen Franken mit einem Plus von 242'000 Franken ab.

Präsident Simon Plüer informierte zudem über das Bauprojekt auf dem alten Pfarrhaus-Areal in Unterengstringen, wo Alterswohnungen entstehen sollen. «Wir konnten die BH Group davon überzeugen, dass sie die Projektstudie auf ihre eigene Rechnung nimmt. Das heisst, dass wir keinen Projektierungskredit und demzufolge keine Urnenabstimmung benötigen», so Plüer. Im März wurde bekannt, dass die Reformierte Kirchgemeinde den Projektierungskredit von 180'000 Franken, den das Stimmvolk an einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung im Sommer 2018 genehmigte, nochmals an der Urne zur Abstimmung bringen muss. Die Bezirkskirchenpflege hatte damit einem Stimmrechtsbegehren eines Bürgers entsprochen.